Mean Reversion Strategie: Darum lohnt sich häufiges Traden nicht

Was halten Sie von der Idee, selbst in Märkten mit konstanter Seitwärtsbewegung, attraktive Renditen zu erzielen? Die Rede ist von der Mean Reversion Strategie.

Das klingt doch zunächst nach einer soliden Anlagestrategie. In den vergangenen Jahren bin ich öfter einer Strategie begegnet, deren Ziel es ist, das sogenannte Mean-Reversion-Phänomen auszunutzen. Spekulative Trader nutzen sie, um aus Kurschwankungen kurzfristige Gewinne zu ziehen.

Was bedeutet Mean Reversion?

Mean Reversion bedeutet einfach gesprochen nichts anderes, als dass sich Märkte langfristig entsprechend eines Durchschnittswertes weiterentwickeln. Der MSCI-World Index z.B. hat seit seiner Auflage vor 40 Jahren eine durchschnittliche Performance von sieben Prozent im Jahr. erzielt. Ein Blick auf die Jahresrenditen zeigt hingegen große Schwankungen. In 2008 verlor der Index circa 40 Prozent an Wert und nahm in 2019 um 27,5 Prozent zu. Die meisten Jahresrenditen befinden sich deutlich über bzw. unter den 7 Prozent.

Der Mean Reversion Effekt geht davon aus, dass solche Schwankungen möglich und sogar natürlich sind. Die Kursbewegung wird langfristig jedoch zurück zum Durchschnittswert führen. Wenn wir also Jahre mit einer schlechten Entwicklung erleben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auf diese schlechten Zeiten eine Phase mit überdurchschnittlicher Entwicklung folgt. Die Kurse kehren dann quasi wieder zu ihrem „fairen Wert“ zurück.

Lohnen sich Mean Reversion Strategien?

Daytrader folgen einer Kombination aus fundamentalen und technischen Analysen von Wertpapierkursen. Bei der Fundamentanalyse geht es darum unterbewertete Unternehmen zu finden, während technische Analysen darauf abzielen, optimale Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte zu finden.

In 70 Prozent der Fälle bewegen sich Märkte in einer Seitwärtsbewegung. Es gibt kurzfristige Schwankungen, die sich um einen bestimmten Mittelwert bewegen. Eine beliebte Tradingstrategie ist es, diese Wertpapiere zu verkaufen, wenn sich die Kurse nach oben weg vom Durchschnitt bewegen und sie dann wiederum zu kaufen, wenn sie sich nach unten vom Durchschnitt entfernen. Aus diesen Kursschwankungen ziehen sie ihren Gewinn.

Tipp: Mit den Tools und Funktionalitäten von extraETF haben Sie Ihr Depot stets im Blick und können es perfekt analysieren.

Das Problem an diesen Strategien ist aus meiner Sicht die spekulative Komponente. Märkte folgen keinen logischen Mustern, sondern Zufallspfaden. Außerdem müssen je nach Wertpapieren hohe Beträge investiert werden, um aus der Differenz und den Transaktionskosten einen Gewinn zu ziehen – und das ist riskant. Außerdem kosten diese Handelsstrategien in ihrer Ausführung sehr viel Zeit, die sie bis dato nicht mit einer dominanten Performance rechtfertigen können. Sämtlich Indikatoren für Mean Reversion Strategien (z.B. Shiller’s CAPE) zeigen, dass Buy-and-Hold Strategien langfristig zu den besseren Ergebnissen führen.

Wie oft sollten Sie Ihr Portfolio umschichten?

Anstatt zu versuchen den Markt zu schlagen, sollten Sie aus meiner Sicht entspannt auf eine passive Anlagestrategie setzen und die langfristige Marktrendite mitnehmen. Dennoch lohnt es sich mindestens einmal pro Jahr einen Depot-Check zu machen und das eigene Portfolio umzuschichten (Rebalancing).

Tipp: Nutzen Sie unseren Rebalancing-Rechner und lassen Sie sich von unseren Musterportfolios inspirieren.

Nehmen wir einmal an, dass die Aktienmärkte überdurchschnittlich gut performt haben. Das war z.B. im Jahr 2019 der Fall. Das werden Sie in der gestiegenen Aktienquote in Ihrem Portfolio ablesen können. In solchen Fällen kann sich eine Umschichtung lohnen – sie nehmen wertvolle Gewinne mit und stellen ihre ursprüngliche Gewichtung wieder her. Falls die Aktienmärkte einbrechen, folgen Sie dem gleichen Prinzip. Ihre Aktienquote ist kleiner als ursprünglich anvisiert. Aus dem Grund verkaufen Sie z.B. einen Teil Ihrer Anleihen und bauen Ihren Aktienanteil aus. Portfolio-Rebalancing ist nicht nur gut für Ihre Rendite, sondern stellt zudem sicher, dass sich Ihr Portfolio im Einklang mit Ihrer Risikobereitschaft befindet.

Meine Empfehlung: Stichtag-Rebalancing

Es existieren verschiedene Rebalancing-Methoden. Empfehlen würde ich Ihnen das sogenannte Stichtag-Rebalancing. Wählen Sie einem festen Stichtag im Kalender, an dem Sie Ihre Depotentwicklung unter die Lupe nehmen und Anpassungen vornehmen. Dies ist der einfachste und bequemste Weg, um übermäßiges Adjustieren zu vermeiden.

Der einzige Nachteil an dieser Methode ist, dass innerhalb des Jahres sehr viel passieren kann. Märkte sind volatil und aus dem Grund sollten Sie bei Bedarf auch kurzfristig Anpassungen vornehmen. Gehen Sie z.B. nach folgender Daumenregel vor: Weicht die aktuelle Portfolio-Gewichtung um über 15 Prozent von Ihrer Zielgewichtung ab, dann sollten Sie Positionen umschichten.

Dazu mal ein kleines Beispiel: Sie haben am 1. Januar 2021 festgelegt, dass Ihr Portfolio zu 50 Prozent in Aktien und 50 Prozent in Staatsanleihen investieren soll. Am 31. März 2021 steht Ihre Aktienquote dank einer starken Rally bei 70 Prozent und Ihre Anleihen bei 30 Prozent. Das wäre dann ein Zeitpunkt, in dem Sie ein Portfolio-Rebalancing durchführen sollten, da die aktuelle Gewichtung nicht mehr mit Ihrer Risikobereitschaft harmoniert. Eine Alternative zur Umschichtung wäre auch das Investieren von neuem Geld in die Positionen, die an Wert verloren haben (Cash-Flow-Rebalancing).

Fazit

Mean Reversion Trading ist eine spannende aber aus meiner Sicht keine empfehlenswerte Anlagestrategie. Bleiben Sie bei passiven Ansätzen, da Sie Ihnen wertvolle Zeit und Nerven ersparen. Nichtsdestotrotz sollten Sie stets ein Auge auf Ihre Depotentwicklung halten.

Bei ungewöhnlichen Marktbewegungen ist ein Eingreifen sinnvoll. Denken Sie jedoch dran, dass bei jedem Rebalancing neue Transaktionskosten entstehen. Setzen Sie sich persönliche Toleranzgrenzen, innerhalb derer Sie zunächst noch passiv bleiben. Erst beim Überschreiten Ihrer Schwellenwerte ist eine Umschichtung ratsam.