Minimal Frugal: So spare ich 500.000 Euro zusammen, bis ich 35 Jahre alt bin

500.000 Euro möchte Valentina Dapunt (Minimal Frugal) angespart haben, bis sie 35 Jahre alt ist. Wie die Finanzbloggerin dieses Ziel erreichen möchte, erzählt sie bei uns im Interview. 

Valentina Dapunt betreibt mit Minimal Frugal den größten Finanzblog Österreichs. Über 23.000 Menschen folgen ihr auf Instagram, über 8.000 sind es auf YouTube. Valentina strebt die finanzielle Freiheit an und spart aktuell rund 70 Prozent ihres Einkommens. Im Interview spricht die sympathische Bloggerin über ihre Anlagestrategie, wertvolle Spar-Tipps und ihre wichtigsten Learnings bisher. 

Valentina, wenn du 35 Jahre alt bist, möchtest du finanziell frei sein. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, dass ich – wenn ich 35 Jahre alt bin – so viel Geld haben möchte, dass ich theoretisch nicht mehr auf ein Einkommen aus aktiver Arbeit angewiesen bin. Natürlich möchte ich dann trotzdem weiterarbeiten, aber nicht weil ich muss, sondern weil ich möchte. Meine Zielsumme errechne ich anhand der 4% Regel, die besagt, dass man das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben an Vermögen besitzen sollte, um finanziell frei zu sein. Da es noch einige Jahre dauert, bis ich 35 Jahre alt bin und sich meine Ausgaben bis dahin vielleicht auch noch ändern, kann ich noch keine konkrete Summe nennen. Ich strebe aber 500.000 € an, dann könnte ich monatlich ca. 1.500 € aus meinem Depot entnehmen laut 4 % Regel. Dennoch glaube ich, dass diese Summe gar nicht so ausschlaggebend ist, sondern finanzielle Freiheit viel mehr ein Prozess ist. Mit jedem Euro auf der Seite ist man ein bisschen freier und hat mehr Optionen.

Mit einer Sparquote von 70% bist du der sogenannten FIRE-Bewegung zuzuordnen. Was verbirgt sich dahinter und was begeistert dich so sehr an dieser Philosophie?

Hinter dem Begriff FIRE steckt Financial Independence Retire Early, was so viel wie finanzielle Unabhängigkeit und früh in Rente gehen bedeutet. So richtig identifizieren kann ich mich allerdings nur mit dem „Financial Independence“ Teil, da es nicht mein Ziel ist, früh in Rente zu gehen bzw. Rente in den Köpfen der meisten wohl eher für Untätigkeit steht. Bei dem Konzept geht es darum, eine möglichst höhe Sparquote zu haben, um möglichst früh finanziell frei zu werden und sein Leben selbst gestalten zu können. Dabei geht es aber nicht darum, jeden Cent 3x umzudrehen, sondern sich viel mehr auf die großen Ausgaben wie Miete, Mobilität etc. und die Einnahmen zu fokussieren. An der Philosophie begeistert mich vor allem, dass sie den klassischen Lebensweg auf den Kopf stellt und hinterfragt. Auch ich möchte so früh wie möglich selbstbestimmt entscheiden können, wann, wo, woran, wie und wie viel ich arbeite. Durch Geld kann man sich mehr Freiheiten, Optionen und auch Zeit schaffen, indem man von seinen passiven Einnahmen leben kann und nicht zwingend 40 Stunden pro Woche damit verbringen muss, seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Wie bist du auf das Konzept des Frugalismus aufmerksam geworden?

Tatsächlich bin ich zufällig über ein YouTube Video drauf gekommen. Ich glaube, ich habe nach Finanzvideos gesucht und mir wurde dann ein Interview zum Thema Frugalismus vorgeschlagen. Seitdem bin ich hellauf begeistert von dem Konzept.

Kommen wir zu deinem Vermögensaufbau. Wie baust du dein Vermögen auf und welche Überlegungen hast du dafür im Vorfeld angestellt?

Was meinen Vermögensaufbau angeht, fokussiere ich mich hauptsächlich auf meine Sparrate und Sparquote, indem ich meine Ausgaben bewusst reduziert habe (ohne mich einzuschränken) und mich nun auf das Erhöhen meiner Einnahmen konzentriere. Mein Ziel ist nicht unbedingt, den Markt durch Einzelaktien zu schlagen, sondern möglichst viel Geld an der Börse investieren zu können. Ich glaube nämlich, dass ich mehr Einfluss über meine Einnahmen und Ausgaben habe, als dass ich die Rendite meiner Investments steuern kann.

Würdest du deine Strategie anpassen, wenn sich wesentliche Parameter ändern? Wenn ja: welche Parameter wären das?

Auf jeden Fall, etwa, wenn ich merke, dass mich der Weg nicht glücklich macht. Ich bevorzuge zum Beispiel einen Job, der mir Spaß macht, gegenüber einem den ich nicht mag aber mir viel Geld einbringt. Mein Ziel ist es, ein erfüllendes, freies Leben im Jetzt zu leben und gleichzeitig eine hohe Sparquote zu haben, um mir diese Freiheiten und Optionen auch in Zukunft zu ermöglichen bzw. diese sogar noch zu erweitern.

Welche Rolle spielen ETFs für deinen Vermögensaufbau?

Der größte Teil meiner monatlichen Sparrate fließt in ETFs, da sie meiner Meinung nach sehr viele Vorteile kombinieren. Zum einen kann man mit nur sehr wenig Zeitaufwand breit diversifiziert investieren und dadurch das Verlustrisiko minimieren. Zum anderen hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch an der Börse weniger oft mehr ist und man als passiver Investor mit der durchschnittlichen Marktrendite oft besser abschneidet als aktive Anleger.

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Was sind die wichtigsten Learnings, die du bis dato auf deinem Weg zur finanziellen Freiheit gemacht hast?

Dass finanzielle Freiheit im Kopf anfängt. Für viele Dinge braucht man keine konkrete Zielsumme, sondern kann diese bereits viel früher realisieren. Ich halte zum Beispiel nichts davon, mehrere Jahre oder Jahrzehnte in einem Job zu verharren, der mir gar keine Freude bereitet und wo ich mich vor jedem Montag scheue, nur um möglichst viel Geld zu sparen. Viel wichtiger finde ich, dass man sich gleich schon eine Tätigkeit sucht, die einen erfüllt und gleichzeitig auch Geld zu sparen. Wenn einem zeitliche und örtliche Unabhängigkeit wichtig sind, braucht man dafür auch nicht unbedingt ein gewisses Depot, sondern kann sich nach Jobs mit entsprechenden Kriterien umschauen oder selbst solche Nebenprojekte entwickeln. Sollte ich von meinem Geld bereits 5 – 10 Jahre leben können, dann ist das doch schon eine enorme Freiheit, die man auch genießen darf und sollte. Deshalb schiebe ich z.B. nichts auf später auf, sondern genieße mein Leben bereits im Jetzt.

Wenn du 35 Jahre alt bist und 500.000 Euro angespart hast, müsstest du mit diesem Betrag ca. 50 Jahre auskommen. Wie lautet denn deine Strategie, wenn es um die Phase der Vermögensnutzung geht?

Es gibt viele Entnahmestrategien, die unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Eine sehr bekannte ist, die 4 % Regel, nach der ich mich auch richte. Sie gibt an, dass man jährlich 4 % von seinem Depot entnehmen kann, ohne Pleite zu gehen. Viel eher stelle ich mir die Frage, ob ich mein Depot überhaupt entspare – ich habe gehe ja davon aus, dass ich weiterhin andere Einnahmequellen habe, mit denen ich mein Geld abgesehen von der Börse verdiene. Eine weiter Möglichkeit wäre, von den Ausschüttungen bzw. Dividenden zu leben, allerdings wird dafür meist eine größere Summe benötigt.

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Was ist der wichtigste Rat, den du jemandem geben würdest, der oder die gerade am Anfang der „Börsenkarriere“ steht?

Ich denke das Wichtigste ist, einfach mal anzufangen und Erfahrungen zu sammeln. Man kann bereits ab 10 € pro Monat sein Geld an der Börse investieren. Also einmal weniger Essen gehen und mit dem gesparten Geld einen ETF-Sparplan starten. Ein Vorteil, wenn man mit einer geringen Summe loslegt, ist, dass man sich langsam an Kursschwankungen gewöhnen kann. Ansonsten: spart automatisiert und ohne, dass ihr das Gefühl habt, auf etwas zu verzichten. Der Weg zur finanziellen Freiheit soll Spaß machen! 

Die Bloggerin Valentina Dapunt (Minimal Frugal) möchte 500.000 Euro angespart haben, bis sie 35 Jahre alt ist.
Die Bloggerin Valentina Dapunt (Minimal Frugal) möchte 500.000 Euro angespart haben, bis sie 35 Jahre alt ist.