Von Timo Baudzus17. Januar 2022
Diese ETFs haben stark an Wert verloren

Minus 30 Prozent: Darum haben diese ETFs so stark an Wert verloren

Einige Aktien haben stark an Wert verloren. Welche ETFs sind deswegen besonders stark im Minus? Und warum trifft es nicht alle ETFs auf breiter Front? Hier kommen die Antworten! 

Die Anleger weltweit haben in den Risk-Off-Modus geschaltet. Bedeutet: Vermögenswerte, die 2021 besonders hohe Zuwächse erzielt haben, werden aktuell verkauft. Insbesondere manche Aktien und das Gros der Kryptowährungen haben seit einigen Wochen deutlich an Wert verloren. Doch woran liegt das? Und warum schlagen sich manche Aktien wie zum Beispiel Linde (WKN: A2DSYC), die Münchner Rück (WKN: 843002) oder RWE (WKN: 703712) aktuell verhältnismäßig gut, während andere Aktien sich halbiert haben? 

Um sich ein Bild zu machen, welche Aktien es gerade besonders hart trifft, genügt ein Blick in den Tech-Index Nasdaq. Aktien wie Shopify (3 Monate: minus 35 Prozent), Zoom (3 Monate: minus 39 Prozent) oder Docusign (3 Monate: minus 50 Prozent) hat es regelrecht zerlegt. Gerade diese jungen Zukunfts-Aktien, denen der Digitalisierungsschub der Corona-Pandemie so viel Rückenwind verliehen hatte.

Bärenmarkt voraus?

Auch die beiden nach Börsenwert größten Krypto-Assets Bitcoin und Ethereum hat es hart getroffen. Der Bitcoin hatte 2021 noch 74 Prozent an Wert gewonnen, Ethereum hatte sich gar mehr als verfünffacht. Nun haben die beiden Kryptowährungen mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Ist das nur eine überfällige Korrektur? Oder drehen die Märkte nachhaltig nach unten. 

Aktuell ist das noch nicht abzusehen. Technisch gesehen müsste man beim Nasdaq-Index noch nicht von einem Bärenmarkt sprechen. Erst wenn der Index 20 Prozent unter seinem Höchstkurs liegt, wäre dies der Fall. Für Bitcoin und Ethereum, die beide mehr als deutlich unter ihren Höchstständen notieren, ist dies bereits der Fall. Wobei Krypto-Assets so volatil sind, dass diese handelsübliche Definition kaum zu gebrauchen ist für die Assetklasse. 

Fakt ist: Die Inflation schnellt in den USA und Europa auf immer neue Rekordhöhen, was Zinserhöhungen wahrscheinlicher macht. Zinserhöhungen allerdings entziehen den Aktien- und Kryptomärkten tendenziell Geld. Die Folge: Die Nachfrage sinkt, die Kurse fallen. Allerdings ist noch nicht abzusehen, wie stark die Zinsen steigen werden.

Die Börsen glauben noch nicht so recht an die große Zinswende, sonst wären die Börsen schon viel stärker eingestürzt. Wichtig: In Phasen der Unsicherheit (und in einer solchen befinden wir uns aktuell) werden Hoch-Risiko-Assets als erstes verkauft. Hingegen werden Firmen mit stabilen Umsätzen, Gewinnen und Cashflows (siehe Linde etc.) tendenziell eher gekauft. Sie gelten in solchen Phasen als „Save Hafen“ an den Aktienmärkten.

Diese ETFs haben stark an Wert verloren

Die Unsicherheit geht auch an ETFs nicht spurlos vorüber. Um seinen Nasdaq-ETF muss man sich sicherlich keine großen Sorgen machen, da aktuell sehr große Werte wie Alphabet, Microsoft und Apple relativ stabil sind. Allerdings dürfte ein Index wie der Nasdaq Next Generation, der die nächste Generation an potenziellen Tech-Highflyern abbildet, weiter sinken. Denn in diesem Index sind viele Aktien enthalten, die noch keinerlei Gewinne erwirtschaften und ihre hohen Börsenwerte allein ihren fulminanten Umsatzwachstumsraten zu verdanken haben. 

Trotzdem sind es aktuell andere ETFs, die stärker an Wert verloren haben. Auf Sicht von drei Monaten bilden der HANetf Global Online Retail (WKN: A2QKWN), der Vaneck Vectors Digital Assets Equity (WKN:  A2QQ8F) sowie der WisdomTree Cloud Computing (WKN: A2PQVE) die Schlusslichter in puncto Performance.

Tipp: Hier findest du die kostengünstigsten Anbieter für ETF-Sparpläne.

Die Gründe, warum diese ETFs an Wert verloren haben

Bei dem Retail-ETF genügt ein kurzer Blick ins Portfolio, um die Rücksetzer zu erklären. Firmen wie Uber, Lyft und Delivery Hero, die zu den größten Positionen im ETF gehören, haben noch nie einen Cent Gewinn erwirtschaftet. 

Beim Vaneck-ETF liegt der Grund ebenfalls auf der Hand. Der ETF investiert in Unternehmen, die mindestens 50 Prozent ihrer Erträge direkt oder indirekt mit digitalen Vermögenswerten erwirtschaften. Hierzu zählen Betreiber von Kryptobörsen oder Mining-Firmen sowie Unternehmen, die Hardware und Dienstleistungen für die Krypto-Industrie bereitstellen. Der ETF wird im Sog der Krypto-Assets nach unten gezogen. 

Beim Cloud-ETF reicht ein Blick aufs KGV – und schon ist alles klar! Das KGV der enthaltenen Aktien liegt im Schnitt bei 83. Ein wahnsinnig hoher Wert! Heißt übersetzt: Die Firmen bräuchten 83 Jahre, um ihren aktuellen Kurswert aus ihren Gewinnen bezahlen zu können. Die Aktien sind also ziemlich teuer.

Tipp: Jetzt kostenloses Depot bei Trade Republic * oder Scalable Capital * eröffnen.

Fazit

Trotzdem handelt es sich bei allen drei ETFs um gute Produkte. Die Aussichten für alle drei Themen-ETFs sind nach wie vor sehr gut. Sobald wieder etwas mehr Sicherheit und Planbarkeit herrscht an den Märkten (was insbesondere von der Inflationsentwicklung und den Zentralbanken abhängt), werden die ETF wahrscheinlich mittelfristig wieder steigen. Oder kurzfristig weiter fallen – je nachdem, ob es böse Überraschungen in puncto Zinsen gibt! 

Das neue Extra-Magazin im Shop kaufen
Das aktuelle Extra-Magazin im Shop kaufen.