Minus 4 Prozent garantiert – trotzdem lege ich mein Geld hier an

Ich lege aktuell einen fünfstelligen Betrag zu minus 4 Prozent an. Der Verlust ist garantiert. Eine blöde Idee? Nicht unbedingt. Warum dies durchaus Sinn machen kann – und sich sogar zum Nachahmen eignet. 

Die Zahl ist erschreckend. Etwa 500 der insgesamt 1300 Geldinstitute in Deutschland bestrafen ihre Kunden, wenn sie ihnen zu hohe Guthaben zur Verfügung stellen, wie aus einer Auswertung des Finanzportals Biallo hervorgeht. Der Trend ist unaufhaltsam. Allein seit Jahresanfang haben über 240 Banken und Sparkassen ein Verwahrentgelt für Guthaben eingeführt.

In der Regel werden die Kunden ab 100.000 Euro Guthaben zur Kasse gebeten. Manche Banken langen auch schon ab 50.000 Euro zu. 0,5 Prozent beträgt in den meisten Fällen der Negativzinssatz. Unrühmliche Ausnahmen gibt es jedoch auch. Einige wenige Institute belasten ihre Kunden auch schon ab 10.000 Euro oder aber erheben ein Prozent Strafzins. 

Fünfstelliger Betrag mit minus 4 Prozent

Auch ich habe unter anderem eine Kontoverbindung bei einer Bank, die Strafzinsen erhebt. In meinem Fall handelt es sich um ein Wertpapierverrechnungskonto, das potenziell mit Strafzinsen belastet werden kann. Jedoch erst ab einem Guthaben von 100.000 Euro. Mein Glück: Ich lasse keine 100.000 Euro auf meinem Verrechnungskonto verwahren. 

Aber: Ich habe aktuell einen fünfstelligen Betrag auf diesem Konto. Das bedeutet: Minus 4 Prozent sind mir aktuell sicher. Oder besser gesagt: minus 4,1 Prozent! So hoch lag nämlich die Inflationsrate im September dieses Jahres. Der Jahresschnitt der Inflationsrate wird geringer ausfallen, das ist mir bewusst. Daher ist die oben genannte Headline natürlich sehr plakativ. 

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Inflation ist das größte Problem

Was ich damit bezwecken möchte, ist folgendes: Ich möchte all denjenigen, die sich mit dem Thema Minuszinsen beschäftigen und kolossal darüber ärgern, eines vermitteln: Nicht die Minuszinsen werden in den kommenden Monaten das größte Problem sein, es wird die anziehende Inflation sein.

Hier entsteht zwar kein äußerlich sichtbarer Verlust, da niemand den Nominalwert des Geldes auf Ihrem Konto verändert. 50.000 Euro bleiben – zumindest für das Auge – 50.000 Euro. Der Verlust Ihrer Kaufkraft ist dennoch da. Sie merken das beim Tanken, beim Lebensmittelkauf, auf der Nebenkostenabrechnung Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung.

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Die eiserne Reserve

All das sind gute Gründe, sich endlich mit ETFs zu beschäftigen. Doch ich möchte Ihnen trotzdem etwas mit auf den Weg geben: Selbst wenn Sie aktuell Cash auf einem Tagesgeld, auf einem Sparkonto oder einem Wertpapierverrechnungskonto horten, so ist dies definitiv sinnvoll. Aber nur in Maßen. Es sollten sich lediglich Beträge auf diesem Konto befinden, die Sie als eiserne Reserve benötigen. Falls das Auto in die Reparatur muss, die Waschmaschine kaputt geht oder einfach Geld für die nächste Urlaubsreise angespart werden soll. 

In diesen Fällen macht es absolut Sinn, minus 4 Prozent – also den Inflationsverlust – in Kauf zu nehmen. So handhabe ich es auch. Ich habe über die eiserne Rücklage hinaus übrigens noch weitere Cashreserven auf dem Konto, um in Ruhe weitere ETFs und Einzelaktien aussuchen zu können, in die ich künftig Einmalbeträge investieren werde.

Denn: Ich bin nicht immer zu 100 Prozent „All in“ an der Börse. Es gibt durchaus Phasen, in denen ich auch mal mit bis 30 Prozent meines Vermögens am Seitenrand stehe und versuche, neue Chancen zu eruieren. Diese Zeit nehme ich mir – auch wenn ich dafür aktuell minus 4 Prozent „bezahlen“ muss.