Von Redaktion28. Juli 2022
Mit Blick auf Smart Money: Taugt Gold noch als Inflationsschutz?

Mit Blick auf Smart Money: Taugt Gold noch als Inflationsschutz?

Obwohl die Inflation auf dem höchsten Niveau seit über 40 Jahren grassiert, hält sich das Anlegerinteresse an Gold in Grenzen. Vor allem institutionelle Investoren, die in der Finanzwelt häufig als „Smart Money“ bezeichnet werden, „verschmähen“ derzeit den Inflationsschutz.

Ob es wirklich smart ist, im großen Stil auf einen fallenden Goldpreis zu wetten, wage ich zu bezweifeln. Woche für Woche veröffentlicht die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission ihren Commitments-of-Traders-Report über die aktuelle Stimmung unter drei Gruppen von Marktakteuren.

Angehörige der Goldbranche werden zum Beispiel unter den „Commercials“ erfasst, während Kleinspekulanten in der Rubrik „Non-Reportables“ auftauchen. Einen besonders starken Einfluss wird allerdings den Großspekulanten (Non-Commercials) attestiert, da hier wenige Entscheidungsträger im großen Stil auf einen steigenden bzw. fallenden Goldpreis wetten.

Geringster Optimismus seit über drei Jahren

Sind sie per Saldo optimistisch (pessimistisch) gestimmt, fällt deren Long-Seite höher (niedriger) als ihr Short-Engagement aus. In diesem Fall spricht man dann von einer Netto-Long-Position (Netto-Short-Position). Das Wichtigste vorweg: Große Terminspekulanten sind derzeit zwar weiterhin netto long, allerdings ist deren Optimismus seit Ende März regelrecht kollabiert. Innerhalb dieses Zeitraums ermäßigte sich nämlich ihre Netto-Long-Position von 257.600 auf 94.950 Futures (-63,1 Prozent), was dem niedrigsten Wert seit über drei Jahren entspricht. Da ein Future – zumindest auf dem Papier – den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold bewegt, entspricht die Reduktion um 162.650 Kontrakte einem „Goldberg“ von ungefähr 506 Tonnen mit einem aktuellen Marktwert von rund 28 Milliarden Dollar.

Ein anderer Sachverhalt lässt gegenwärtig ebenfalls auf ein hohes Maß an Skepsis schließen. Aktuell übertrifft die Zahl der long positionierten Futures das Short-Exposure lediglich um den Faktor 1,65. Noch niedriger fiel dieser Wert im März 2019 aus, als Gold bei lediglich 1.300 Dollar notierte und nachfolgend zu einer rasanten Rally ansetzte. Zur Erinnerung: Im April 2020 bewegte sich die oben erwähnte Kennzahl bei fast zwölf.

Großspekulanten als Kontraindikator nutzen

Lange Rede, kurzer Sinn: Allzu sehr sollten sich Privatinvestoren aufgrund des gegenwärtig massiven Verkaufsdrucks hochspekulativer Terminspekulanten nicht sorgen, sondern nach der diesjährigen Verkaufswelle an den Terminmärkten mit Blick auf die weiteren Perspektiven des Goldpreises eher zuversichtlich dreinblicken. Die Wahrscheinlichkeit, dass der „Aderlass“ bei Gold-Future weiter anhalten wird, kann man nunmehr als vernachlässigbar einstufen. Und sollten die Großspekulanten – aus welchen Gründen auch immer – den „sicheren Hafen“ Gold wieder verstärkt ansteuern, werden sie dies höchstwahrscheinlich via Gold-Futures oder Gold-ETFs in Angriff nehmen.

Tipp: Hier erfährst du alles über das Investieren in Gold.

Übrigens: Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares (WKN: A0Q27V) gab es seit Mitte April ebenfalls massive Abflüsse zu vermelden. Dessen gehaltene Goldmenge hat sich nämlich innerhalb dieses Zeitraums in der Spitze von 1.106,74 auf 1.005,29 Tonnen (minus 101,45 Tonnen) reduziert. Xetra-Gold (WKN: A0S9GB), der bedeutendste Gold-ETF Europas, hat sich von seinem im März markierten Rekordhoch zwar spürbar erholt, mit über 242 Tonnen bewegt sich sein Gewicht aber weiterhin auf Rekordniveau.

Fazit zu Gold

Das mit physischem Gold hinterlegte Wertpapier überzeugt nicht nur als Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz, sondern auch durch dessen steuerliche Regelung hinsichtlich realisierter Kursgewinne. Bei einer Haltezeit von mehr als zwölf Monaten dürfen diese nämlich nach derzeitigem Recht steuerfrei vereinnahmt werden. Mit Anlageklassen wie Anleihen, Fonds oder Aktien sind steuerfreie Kursgewinne seit der Einführung der pauschalen Abgeltungssteuer im Jahr 2009 nicht mehr möglich.

Über den Autor: Jörg Bernhard

Jörg Bernhard ist freier Wirtschaftsjournalist und hat sich auf die Themenbereiche Rohstoffe, Edelmetalle, Börse, Hebelprodukte und Anlagezertifikate spezialisiert. Vor seiner Selbstständigkeit war er von 1994 bis 2002 bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse als Redakteur, stellvertretender Redaktionsleiter und Redaktionsleiter angestellt.