Mit diesen Aktien-Kennzahlen suchen Profis ihre Aktien aus

Aktien kaufen wir die Profis? Das ist kein Problem. Dazu braucht man lediglich ein solides Wissen über die wichtigsten Aktien-Kennzahlen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Kennziffern für die perfekte Aktienanalyse vor. 

Worauf haben Sie beim letzten Aktienkauf geachtet? Welche Kriterien haben Sie zur Analyse herangezogen? Viele Anleger wählen Aktien entweder nach Empfehlung oder nach Bauchgefühl. Das kann funktionieren, auf Glück sollten Sie beim Vermögensaufbau mit Aktien jedoch nie setzen.

Um Ihnen ein System an die Hand zu geben, mit dem Sie Ihre Aktienauswahl optimieren können, habe ich in diesem Beitrag die wichtigsten Aktien-Kennzahlen zusammengefasst, nach denen Profis ihre Einzelwerte auswählen.

Stabilität des Unternehmens

Zunächst einmal ist die finanzielle Stabilität und Ertragskraft eines Unternehmens wichtig. Das ist gerade bei Geschäftsmodellen mit saisonaler Abhängigkeit von großer Bedeutung. Je solider das finanzielle Fundament, desto eher können Krisen überwunden und neue Wachstumskanäle eröffnet werden. Um die Stabilität eines Unternehmens zu bestimmten, achten Profis besonders auf die folgenden vier Kennzahlen.

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Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote zeigt, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens ist. Je höher, desto besser ist auch die Bonität des Unternehmens. Unternehmen mit hohen Eigenkapitalquoten zeigen, dass sie in der Lage sind, stabil und solide zu wirtschaften. Man darf annehmen, dass die Liquidität gesichert ist und keine Engpässe entstehen werden. Je nach Branche schwankt die Eigenkapitalquote.

Bei Finanzdienstleistern ist sie normalerweise niedrig – laut EU-Vorgaben muss diese bei acht Prozent liegen. In der freien Wirtschaft wäre dies jedoch zu niedrig. Hier gilt, dass ein solides Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent aufweisen sollte.

Dynamischer Verschuldungsgrad

Der dynamische Verschuldungsgrad stellt die Nettofinanzverschuldung dem EBITDA ins Verhältnis. Das EBITDA steht für den Gewinn vor Steuern, Zinszahlungen und Abschreibungen. Der dynamische Verschulungsgrad zeigt demnach, wie lange es dauern würde, bis ein Unternehmen sein Verbindlichkeiten mit dem aktuellen EBITDA abbaut. Je kleiner die Kennzahl, desto besser. Ein niedriger dynamischer Verschuldungsgrad kann in Einzelfällen sogar eine hohe Fremdkapitalquote rechtfertigen, wenn das Unternehmen in der Lage ist, seine Schulden schnell abzubauen.

EBITDA-Marge

Die EBITDA-Marge stellt das EBITDA ins Verhältnis zum Umsatz. Je höher sie ausfällt, desto rentabler wirtschaftet das Unternehmen. Bei der Analyse der Aktien-Kennzahlen sollten Sie darauf achten, Kennzahlen über einen längeren Zeitraum her zu bewerten, um Sondereffekte auszublenden. Eine EBITDA-Marge zwischen 10-15 Prozent gilt als solide. Auch hier gilt: Kleinere Werte sind vertretbar, wenn sich ein Wachstum aus den historischen Werten abzeichnet.

KGV

Das KGV („Kurs-Gewinn-Verhältnis“) berechnet das Verhältnis zwischen der Marktkapitalisierung eines Unternehmens und seinem Gewinn. Sie zeigt, wie viele Jahre benötigt werden, um die aktuelle Marktkapitalisierung mit dem aktuellen Gewinn zu „finanzieren“. Als Anleger bedeutet das: Wie oft passt der Gewinn je Aktie in den aktuellen Kurs. Je niedriger die Kennzahl, desto besser. Bedenken Sie eines: der Gewinn eines Unternehmens lässt sich bilanziell leicht manipulieren.

Aus dem Grund eignet sich die Kennzahl – isoliert betrachtet – nicht, um die Attraktivität einer Aktie zu bestimmen. Vielmehr sollten Sie bei der Analyse der Aktien-Kennzahlen immer auch die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen KPIs berücksichtigen. Ergänzen Sie eine KGV-Bewertung z.B. mit einer KCF-Bewertung (Kurs-Cashflow) – damit sondern Sie Bilanzeffekte (Abschreibungen) aus.

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Wachstumsaussichten

Sie sind nach einer Analyse mit dem obigen Kennzahlen zum Ergebnis gekommen, dass Sie auf ein stabiles Unternehmen gestoßen sind? Nicht schlecht. Im nächsten Schritt wenden wir uns den Wachstumsaussichten. Ein finanzielles Fundament ist in der Vergangenheit aufgebaut worden – Sie sollten sicher gehen, dass das Geschäftsmodell auch weiterhin zukunftsfähig ist.

Umsatzwachstum

Mit dem Umsatzwachstum berechnen Sie die Entwicklung des Umsatzes eines Unternehmens. Achten Sie auch hier auf einen längeren Zeitraum, um kurzfristige Sondereffekte zu eliminieren. Neben der reinen Kennzahl sollten Sie zudem einen Blick in den Geschäftsbericht werfen und die Prognosen des Managements bewerten. Was ich zudem gerne mache, ist eine Wettbewerbsanalyse.

Wie läuft das Geschäft bei anderen Unternehmen aus der Branche? Welche Wachstumsaussichten erwarten diese? Informieren Sie sich über branchenspezifische Innovationspotenziale und lesen Sie Branchenstudien, um ein genaues Bild vom Wachstumspotenzial zu erhalten. Es ist mit einigem Aufwand verbunden, den Sie bei der Aktien-Auswahl niemals scheuen sollten.

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Management und Nachhaltigkeit

Zuguterletzt werfe ich zum Abschluss einer Bewertung stets einen kritischen Blick auf das Management und die Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Informieren Sie sich z.B. bei Linkedin über die Geschäftsführung, lesen Sie Interviews und aktuelle News. Je sympathischer und kompetenter das Management, desto größer ist das Vertrauen in das Unternehmen.

Das sorgt u.a. dafür, dass Sie eine höhere persönliche Bindung aufbauen und Impulsreaktionen verhindern. Schließlich liegt mir eine nachhaltige Unternehmensführung stark am Herzen. Achtet das Unternehmen auf seine Umwelt? Sind Mitarbeiter zufrieden? Gab es in letzter Zeit negative Schlagzeilen? All diese Faktoren verhelfen Ihnen dabei, das Gesamtbild des Unternehmens abzurunden.

Warum Aktien-Kennzahlen so wichtig sind

Aktien-Analysen sind zeitaufwendig aber lohnenswert. Hören Sie nicht blind auf vermeintliche Experten-Tipps, sondern prüfen Sie ein Unternehmen vor einem Investment stets kritisch. Setzen Sie sich ein Bewertungssystem mit den entsprechenden Kennzahlen auf und folgen Sie diesem System konsequent. In den Aktienprofilen bei extraETF finden Sie eine umfangreiche Übersicht zu den relevantesten Kennzahlen, ohne diese manuell berechnen zu müssen.

Schließlich habe ich noch einen wichtigen Hinweis: Einzelwerte wirken spannender als ETF-Investments, das geht mir ähnlich. Dennoch nehmen Sie mit einer Einzelaktie ein großes Klumpenrisiko auf. Anlageportfolios mit vielen Einzelaktien sind zudem schwer zu managen – gerade für Einsteiger. Aus dem Grund empfehle ich Anlegern stets zu einer soliden ETF-Basis (Portfoliokern) und ein paar Einzelwerten als Renditeschub.