Momentum – wie Sie mit ETFs auf Sieger-Aktien setzen

„The trend is your friend“, sprich also der „Trend ist Dein Freund“, so lautet eine alte Börsenweisheit. Genau diese Maxime verfolgt die sogenannte Momentum-Strategie.

Der Begriff Momentum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Bewegung“ oder „Ausschlag“. In der Finanzsprache steht die Momentum-Strategie für eine opportunistische Anlagestrategie, bei welcher der Anleger auf diejenigen Aktien mit der größten Kursdynamik innerhalb eines bestimmten Zeitraums setzt. Dabei geht man davon aus, dass seit längerer Zeit erfolgreich laufende Aktien auch in der Zukunft eine bessere Rendite erzielen. Das trifft aktuell beispielsweise auf Wachstums- und Technologieaktien wie die von Apple, Microsoft, Amazon oder Tesla zu. Erklärt wird dieses Phänomen durch die Verhaltensökonomie. Dabei setzen Anleger in der Regel auf die Sieger-Aktien der Vergangenheit, Aktien hingegen, die in der Vergangenheit eher Verluste generierten, werden hingegen eher gemieden.

Nach Ausbruch oft größtes Momentum

Bei der Chartanalyse stellt das Momentum eine Messmethode zur Messung der Stärke von Kursbewegungen respektive von Trendstärken dar. Dabei geht man davon aus, dass Aktien stetig schwanken, es gibt Seitwärtsbewegungen, Aufwärts- und Abwärtstrends. Eine besonders starke Kursdynamik ergibt sich danach, wenn eine Aktie aus der Seitwärtsbewegung nach oben oder unten herausbricht. Verglichen wird diese Bewegung oft mit dem Abstoß eines Fußballs. In dieser Anfangsphase weist der Ball eine besonders hohe Geschwindigkeit auf. Am Scheitelpunkt verringert sich die Geschwindigkeit deutlich, um danach wieder mit größerer Geschwindigkeit herunterzufallen.

„Relative Stärke“ als Kennzahl zur Messung des Momentums

Als besondere Kennzahl zur Messung des Momentums einer Aktie in der Fundamentalanalyse wird in der Regel die „Relative Stärke“ einer Aktie herangezogen. Diese ergibt sich aus dem aktuellen Schlusskurs im Verhältnis zum jeweiligen Kurs zu einem bestimmten Zeitpunkt oder dem Durchschnittskurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Liegt die Kennzahl über 1, ergibt sich ein positives Momentum, die Aktie steigt langfristig, liegt sie unter 1, ergibt sich ein negatives Momentum, die Aktie ist über den betrachteten Zeitraum gesunken.

Momentum-Strategie mit Outperformance von 4,3 Prozent

Die Theorie geht insbesondere auf den Amerikaner Robert Levy Ende der 60-er Jahre zurück. In seiner Studie „The relative Strength Concept of Stock Price Forcasting”. Dabei verglich er 200 Aktien der New Yorker Börse in den vergangenen fünf Jahren und stellte fest, dass es dabei immer bestimmte Aktien gab, die über einen länger anhaltenden Zeitraum den Markt outperformten. Dabei entwickelte er ein Konzept, in dem er diejenigen Aktien mit dem höchsten Momentum übergewichtete. Diese von Levy entwickelte Momentum-Strategie wurde inzwischen von zahlreichen internationalen Studien bestätigt. Anhand langjähriger Datenreihen von MSCI, Dimensional Fund Advisors sowie Deutscher Bundesbank wies der ETF-Experte Gerd Kommer so beispielsweise für den Zeitraum von 1995 bis zum Jahr 2018 für die Momentum-Strategie eine Überrendite von 4,3 Prozent nach.

Mit Smart-Beta-ETFs auf Momentum-Strategie setzen

Mit speziellen Faktor-ETFs können Anleger auch auf die Momentum-Strategie setzen. Fondsvolumenstärkster und damit bei den Anlegern beliebtester ETF auf diese Strategie ist der iShares Edge MSCI World Momentum UCITS ETF (WKN:A12ATF). Stark darin gewichtet sind hier Industrieländer-Aktien von Unternehmen aus dem MSCI World, die in den vergangenen sechs bzw. zwölf Monaten die größten Kursanstiege verzeichneten. Der ETF umfasst 350 Titel vorwiegend aus den USA, Japan, Kanada und der Schweiz. Bevorzugte Sektoren sind hierbei Gesundheitsversorgung, IT und Kommunikation. Im ETF sind aktuell 1,442 Milliarden Euro investiert. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote des ETF beträgt 0,30 Prozent. Alternative dazu ist der Xtrackers MSCI World Momentum UCITS ETF (WKN: A1103G).

Breiter gestreut ist der Vanguard Global Momentum Factor UCITS ETF (WKN: A14YC0) mit insgesamt 1072 Werten. Aus dem Gesamtuniversum des FTSE Developed All Cap Index und Russell 3000 Index werden wie bei den zuvor genannten ETFs diejenigen Werte selektiert, die in den vergangenen sechs bzw. zwölf Monaten die größte relative Stärke aufwiesen. Die Gewichtung von US-Titeln ist hier gegenüber den beiden anderen ETFs etwas geringer, weiterhin stark vertreten sind Aktien aus Japan, Großbritannien, Kanada und Australien. Die Gesamtkostenquote des thesaurierenden ETFs beträgt 0,22 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von 64 Millionen Euro ist dieser jedoch der kleinste unter den genannten ETFs. 

Tipp: Sie möchten mehr über die einzelnen Faktoren wissen. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite „Investieren in Smart-Beta-ETFs“.