Von Antje Erhard8. Juli 2022
Mythos Million: Mit dieser Sparrate kannst du dir ein Vermögen aufbauen

Mythos Million: Mit dieser Sparrate kannst du dir ein Vermögen aufbauen

Ein durchschnittlich bezahlter Job oder wenig Startkapital? Kann man damit reich werden? Zumindest kann man damit Vermögen aufbauen. Aber das Thema Geld ist für viele von uns ein rotes Tuch und wir haben viele Ausreden, uns nicht damit zu beschäftigen. Lassen wir doch mal die Vorurteile alle außen vor und schauen auf die Zahlen.

In Deutschland gilt als reich, wer als Single 3.750 Euro netto zur Verfügung hat, ein Paar ohne Kinder gehört mit 5.550 Euro netto zu den „oberen zehn Prozent“, wie man so schön sagt. Das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Expertinnen und Experten hatten dafür rund 35.000 Personen im Jahr 2019 befragt.

Die Wissenschaft teilt uns in Gruppen ein – je nachdem, wie unsere Beziehung zu Geld ist: Es gibt Personen, die das Thema Geld grundsätzlich meiden. Andere verwenden viel Energie darauf, ihr Vermögen zu vermehren. Die dritte Gruppe sieht Geld als Sicherheit an, vor allem für schwierige Zeiten.

Für die einen bedeutet reich zu sein, ein hohes Einkommen zu haben und daraus ein Vermögen aufzubauen. Für andere ist das Vermögen der Inbegriff von Reichtum. Die Million steht für viele Träume und Lebenspläne. Doch so unerreichbar ist die gar nicht!

Reich sparen? Klappt nicht

Mit konsequenter Geldanlage, Zeit, Geduld und einer Strategie kann jede und jeder Vermögen aufbauen. Ob es wirklich die Million sein muss? Vielleicht ist die Zahl gar nicht so wichtig, sondern der Weg dorthin. Überlegen wir also, wie „es“ gelingen kann, reich zu werden. Ein Weg wird ebenfalls auf absehbare Zeit nicht funktionieren: Sich reich zu sparen. Denn trotz der anstehenden Zinswende werden Sparzinsen notorisch niedrig bleiben. Nach Inflation sogar weiter negativ. Also, clever investieren.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das ist keine Finanzberatung, keine Anlage-Empfehlung. Es sind lediglich Überlegungen, die ein Anreiz zum Investieren für dich sein können.

Viel Geld muss richtig investiert werden

Aber selbst wenn man mit 100.000 Euro Anfangskapital loslegt und investiert, braucht es bei 5,5 Prozent Verzinsung und 20 Jahren Laufzeit immerhin monatlich 1.600 Euro, um nach 20 Jahren Millionär bzw. Millionärin zu sein. Vor Steuern. Doch auch wer schon Kapital hat, muss wissen, wie er bzw. sie es anlegt, damit es mehr und nicht weniger wird. Machen wir uns an simple Umsetzungen.

5,5 Prozent – sind die realistisch?

Doch wie komme ich auf 5,5 Prozent? Nehmen wir die Performance eines breit streuenden Index’: den MSCI World: Ein Klassiker der Geldanlage. Nicht atemberaubend, aber solide. Keine Kursrakete, aber ein stabiler Ertragsbringer mit einem verträglichen Risiko. Einfach zu verstehen, mit moderatem Aufwand investierbar. Und setzen wir voraus, er passt in die Gesamtstrategie deines Portfolios. Ohne Strategie geht an der Börse bekanntlich nichts… 7,5 Prozent hat der MSCI World in den letzten 20 Jahren im Schnitt an Performance erzielt. Die nehmen wir als Basis unserer Rechnung: Wie lange müssen wir wie viel investieren, damit wir bei 7,5 Prozent die Million erreichen?

7,5 Prozent Rendite sind die Basis. Wir investieren über 40 Jahre ohne Eigenkapital. Wir nehmen an, dass Erträge wie Dividenden wieder reinvestiert werden. Für eine Million Euro Kapital müssten wir damit 328,65 Euro pro Monat investieren. Wir würden 157.754 Euro einzahlen, aber 842.246 Euro an Zinsen verdienen. Als mehr als das Vierfache. Macht in Summe über 40 Jahre eine Million Euro (Quelle: finanzfluss.de).

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Steuern und Inflation berücksichtigen

Doch nicht zu früh freuen: Auf das Kapital werden 24.531 Euro Kapitalertragssteuern fällig. Die fallen aber dann an, wenn man die Gewinne realisiert. Außerdem müssen wir die Inflation berücksichtigen. Da waren wir bis vor kurzem sehr verwöhnt: Die Teuerung betrug in den vergangenen 20 Jahren von 2002 bis 2021 in Deutschland 1,5 Prozent. Das ist deutlich weniger als jetzt. Die Inflation dürfte aber auf absehbare Zeit wohl hoch bleiben. Nehmen wir eine Inflation von 2,0 Prozent an als Mittelwert für die nächsten Jahre (niemand kann sie vorhersehen, aber 2,0 Prozent ist das Ziel der Zentralbank),  denn schließlich ist der Anlagehorizont weit gesteckt: So ergibt sich vor Kosten eine Rendite von 5,5 Prozent.

So viel muss man erst einmal haben…

Machen wir die Rechnung neu auf: Unter den gleichen Parametern müssten wir unter Berücksichtigung der Inflation 571,75 Euro monatlich investieren, in Summe 274.440 Euro, dazu kommen über die Laufzeit 725.560 Euro Verzinsung, macht eine Million. Vor Steuern.

Der dritte Einwand liegt ebenfalls auf der Hand: Der monatliche Betrag ist gerade für junge Leute meist kaum zu stemmen. Wer gerade ins Arbeitsleben startet und womöglich seinen Ausbildungs- oder Studien-Kredit zurückzahlt und vielleicht alle Lebenshaltungskosten zunächst als Single alleine stemmen soll, kommt da schnell an Grenzen. Nach einigen Berufsjahren sieht es schon wieder anders aus. Doch der Faktor Zeit ist einer wichtigsten Faktoren bei der Geldanlage.

Den Faktor Zeit bestmöglich für die Kinder nutzen

Deshalb ist es so wichtig (und auch einfacher über die Zeit), dass Eltern für ihre Kinder den Faktor Zeit bestmöglich einsetzen. Am besten von klein auf. Vielleicht das Kindergeld regelmäßig investieren? Oder einen Teil davon? Der Faktor Zeit macht gemeinsam mit dem Zinseszins das Investment entspannter, je länger er wirken kann. Hier das Beispiel, wie sich das Vermögen der Kindheit bis zum (Vorruhe)Stand entwickeln kann – trotz aller Krisen, die zwischenzeitlich kommen. Studien belegen für die US-Börsen wie den deutschen Aktienmarkt, dass Aktieninvestments nach 15 Jahren positiv waren – egal zu welchem Einstiegszeitpunkt, egal wie viele Krisen es gab.

Mit gut 200 Euro zur Million

5,5 Prozent Rendite über 60 Jahre ohne Eigenkapital. Das wären monatlich 176,09 Euro Einzahlungen. Das liest sich doch schon anders, oder? Insgesamt ergeben sich 126.788 Euro Einzahlungen und 873.212 Euro wären Zinsen. Natürlich wissen wir nicht, ob die Kinder das angelegte Geld weiter vermehren oder irgendwann auf den Kopf hauen. Aber die Basis ist da. Auch für uns selbst. Regelmäßig zu investieren und den Zinseszins arbeiten zu lassen, so lange es geht – so wird aus überschaubaren Beträgen auch ein Vermögen. Auch wenn es nicht die Million ist.

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Die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, dass viele Leute das Thema Geldanlage und Börse angehen. Gut so. Wichtig ist, dass du langfristig mit Strategie und Plan investierst. Und jetzt in der Krise nicht verzagst. Liest man auf Insta oder im Netz Kommentare, dann sagen die einen: „Schon Albert Einstein sprach beim Zinseszins vom achten Weltwunder. Die Macht der Zeit ist unglaublich.“ oder: „Steigende Lebenserwartung, demographischer Wandel, Altersarmut, finanzielle Freiheit usw. Gibt viele Gründe langfristig anzulegen.“ Und die anderen sagen:„Lieber gut leben anstatt ganze Zeit zu sparen um mit 60 eine Million zu haben.“ Jede und jeder hat Argumente. Das eine schließt vielleicht aber das andere gar nicht aus.