Von Redaktion20. Januar 2022
Nachhaltige Anlage: Wasserstoff ist der Klimaretter

Nachhaltige Anlage: Wasserstoff ist der Klimaretter

Der Ruf von Wasserstoff schwankt stark. Mal Klimaretter, mal falsche Versprechungen. Dabei könnte das Element wirklich etwas bewegen. Warum sich ein Investment lohnen kann.

In der Automobilindustrie scheint sich der Elektromotor durchgesetzt zu haben. Dadurch verlor Wasserstoff schnell an Aufmerksamkeit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine Anwendungsbereiche mehr gibt.

Eines davon ist die Schwerindustrie, die mit rund 19 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes den zweitgrößten CO2-Fußabdruck hinterlässt. Sie benötigt für ihre Prozesse meist sehr hohe Temperaturen, die kaum zu elektrifizieren sind. Das chemische Element könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, das zu ändern.

Technologie in Kinderschuhen

Noch gibt es einige Hürden, welche die Umstellung auf Wasserstoff in der Schwerindustrie nicht möglich macht. Bei der Verbrennung mag Wasserstoff klimaneutral sein, für seine Herstellung werden jedoch fossile Brennstoffe aufgewendet. Es entsteht sogenannter „grauer Wasserstoff“. Um tatsächlich einen Nutzen für den Klimaschutz zu erbringen, müsste „grüner Wasserstoff“ genutzt werden, der mithilfe erneuerbarer Energien gewonnen wird. Diese Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Trotzdem gibt es einige vielversprechende Projekte, die das mögliche Potenzial erahnen lassen.

Für große Aufmerksamkeit sorgte zuletzt PlugPower. Das Unternehmen verkündete im Oktober eine Zusammenarbeit mit Airbus und dem Raffineriebetreiber Phillips66. PlugPower entwickelt und fertigt Brennstoffzellen für die Anwendung in der Elektromobilität sowie Anlagen zur H2-Speicherung und H2-Betankung. Airbus hat das Ziel, bis 2035 emissionsfreie Flugzeuge auf den Markt zu bringen und setzt somit den Grundstein für eine grüne Wasserstoff-Infrastruktur an Flughäfen und eine Dekarbonisierung der Luftfahrt.

Wasserstoff und Ammoniak: Die Lösung? 

RWE treibt zusammen mit Partnern grüne Wasserstoff-Projekte voran. Eines der größten Projekte nennt sich „GET H2″. Dahinter stehen Unternehmen und Institutionen, die sich aktiv für die Schaffung eines wettbewerbsorientierten Wasserstoffmarktes und für die notwendigen Anpassungen der gesetzlichen und regulatorischen Grundlagen einsetzen.

Neuerdings wird mit dem Element oft Ammoniak als indirekter Wasserstofftransporteur in Verbindung gebracht. Ammoniak kann umweltfreundlich in einer Brennstoffzelle zu Energie umgewandelt werden. Der Vorteil liegt in der Speicherung, dem Transport und der Weiterverwendung. Um Wasserstoff kompakt zu speichern, muss es entweder extrem komprimiert oder verflüssigt werden. Das erfordert viel Energie, spezielle Anlagen und teure Hochdruckbehälter. Ammoniak hingegen ist ein Gas, das bei Raumtemperatur und geringer Kompression flüssig wird. Die Handhabung ist ungleich simpler.

Tipp: Hier erfährst du alles, was du über das Investieren in Nachhaltigkeits-ETFs wissen musst.

Vor allem die Frachtschiffbranche hat Ammoniak als Alternative zum Schweröl ausgemacht. Eines der Unternehmen, die am intensivsten an entsprechenden Technologien forschen, ist IHI Corp. Das japanische Schwerindustrie-Konglomerat verfolgt die Vision eines globalen Ammoniak-Netzwerks im großen Stil und will bei der Synthese, der Speicherung und der Rückverstromung mitmischen.

Über den Autor: Stefan Wallrich

Stefan Wallrich ist Vorstand der Wallrich Asset Management AG in Frankfurt/Main