Nachhaltige ETFs sind die Zukunft – wie findet man das passende Produkt?

Nachhaltige Investments boomen. 2020 war ein Rekordjahr für Nachhaltigkeitsfonds und auch in diesem Jahr ist der Aufwärtstrend nicht zu stoppen. Die Umwelt schützen und gleichzeitig Rendite machen – geht das?

Viele internationale Investoren haben Nachhaltigkeit längst zum neuen Standard erklärt. Denn insbesondere den jüngeren Generationen ist wichtig, sich auch beim Thema Geldanlage nicht nur vom Profitgedanken leiten zu lassen, sondern mit der gezielten Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen auch ein Statement für den Schutz von Mensch und Umwelt zu setzen.

ESG ist das Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. ESG steht für Environment, Social und Governance. Unternehmen sollen sich nicht nur der „Renditemaximierung“ verschreiben, sondern auch in ihren geschäftlichen Aktivitäten ökologische, soziale und ethisches Belange berücksichtigen.  

Die Politik unterstützt diesen neuen Kurs der Wirtschaft. US-Präsident Joe Biden hat den Klimaschutz zu einer der zentralen Aufgaben seiner Amtszeit ausgerufen. Dafür ist er bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen. Billionen sollen in den klimagerechten Umbau der US-amerikanischen Wirtschaft fließen – ein Konjunkturprogramm sondergleichen.

Auch die EU hat mit ihrem „Green Deal“ die regulatorischen und monetären Leitplanken gesetzt, um die nachhaltige Transformation der hiesigen Industrie voranzutreiben. Das alles ist selbstverständlich auch schon an den Kapitalmärkten angekommen – nachhaltige Geldanlagen sind bereits heute einer der großen Megatrends und ein Ende ist nicht in Sicht.

Nachhaltige ETFs boomen

Wie sehr der Nachhhaltigkeitsbereich gefragt ist, zeigen Zahlen von ETFGI. Das Forschungs- und Beratungsunternehmen berichtete Ende März berichtet, dass das globale ESG-ETF-Volumen einen Rekordwert von knapp 227 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 lag der Wert noch bei zwölf Milliarden Dollar. Seitdem kletterte die Nachfrage unaufhörlich. 2019 waren es 61, im Jahr 2020 schon 187 Milliarden US-Dollar. Von Trend mag man da kaum noch sprechen. Bloomberg Intelligence (BI) geht davon aus, dass bis 2025 eine Billion US-Dollar in nachhaltigen ETFs investiert sein wird.

Ob es sich um nachhaltige ETFs handelt, ist an Namenszusätzen wie SRI, CTB oder PAB schnell zu erkennen. Doch Hand aufs Herz: Wer weiß schon, was sich hinter diesen Kürzeln verbirgt?

Wie nachhaltig sind nachhaltige ETFs und wie erkenne ich das? 

Im Wesentlichen geht es bei den genannten Kürzeln um die Kriterien, welche die Produktanbieter zugrunde legen, um Unternehmen als nachhaltig zu klassifizieren. Im ETF-Bereich muss man sich den Prozess folgendermaßen vorstellen: Indexanbieter wie MSCI oder S&P Dow Jones leiten aus ihren klassischen Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 spezielle Tochterindizes ab, die nur noch nachhaltige Unternehmen enthalten. 

Welche Verfahren dabei angewendet werden bzw. wie streng diese sein sollen, zeigen die entsprechenden Produktkürzel (ESG, SRI, PAB, CTB) an. Hier kommen nun die Erklärungen!

ESG ist nicht besonders streng


Damit ein ETF ESG-konform ist, schließen Emittenten Unternehmen von vornherein aus, die in den folgenden Geschäftsfeldern tätig sind: zivile Schusswaffen, kontroverse Waffen, Atomwaffen, Ölsand, thermische Kohle, Tabak, Verletzer der UN-Global-Compact-Prinzipien.  Ziel der Indexkonstruktion ist es hierbei, mit einigen wenigen Ausschlüssen trotzdem möglichst genau ohne größeren Abbildungsfehler den jeweiligen Hauptindex abzubilden.

Dies funktioniert nur, wenn lediglich wenige Unternehmen ausgeschlossen werden. Die Indizes sind somit ähnlich breit diversifiziert wie ihre Mutterindizes, die Renditen unterscheiden sich nicht allzu stark. Ein Beispiel: Der S&P 500 enthält, wie der Name schon sagt, 500 Unternehmen. Der SPDR S&P 500 ETF mit ESG Komponente enthält 488 Unternehmen. Das zeigt: Besonders streng ist die Auslese hier nicht.

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SRI – nachhaltig und renditestark!

SRI steht für Social Responsible Investment. SRI-Indizes beinhalten Firmen, die sich im Bereich ESG als besonders verantwortungsvoll erweisen. Dazu gehören Firmen, die grüne Technologien produzieren oder solche, die versuchen, ihren CO2-Fußabdruck aktiv zu reduzieren. Aber auch Unternehmen, die sich an ethische und nachhaltige Geschäftspraktiken halten, sind enthalten.

Die Ausschlusskriterien für SRI sind: Alkohol, Erwachsenenunterhaltung, zivile Schusswaffen, kontroverse Waffen, konventionelle Waffen, Glücksspiel, genetisch veränderte Organismen, Atomwaffen, Kernkraft, thermische Kohle, Tabak sowie Firmen, welche die UN-Global-Compact-Prinzipien verletzen.

SRI-Indizes enthalten nur Unternehmen mit dem besten ESG-Rating eines Sektors (Best-in-Class-Strategie). Durch die verstärkte Selektion ändert sich das Anlageprofil gegenüber dem Hauptindex zum Teil deutlich und ist weniger diversifiziert. Häufig repräsentiert ein SRI-Aktienindex nur noch rund ein Viertel der Unternehmen aus dem Mutterindex. Dennoch gibt es keine Performance-Nachteile, wie der MSCI World SRI zeigt. Auf Sicht von fünf Jahren hat der MSCI World SRI den klassischen MSCI World hinter sich gelassen. Knapp zwölf Prozentpunkte liegt er vorne.

PAB und CTB – Fokus liegt auf Klimaschutz

Für Anleger und Anlegerinnen, denen Klimaschutz besonders am Herzen liegt, gibt es spezielle ETFs, die sich auf entsprechende Indizes beziehen. Die Paris-Aligned Benchmark (PAB) bezieht sich auf das Pariser Klimaschutzabkommen der EU. Die enthaltenen Unternehmen sind Vorreiter beim Klimaschutz oder auf dem besten Wege dorthin. Zusätzlich soll der Index aufzeigen, welche Firmen auch künftig einen Beitrag zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft leisten. Dies ist auch bei der Climate Transition Benchmark (CTB) der Fall, die ebenfalls von der EU ins Leben gerufen wurde.

Doch worin liegt dann der Unterschied? Die PAB fordert eine Halbierung der Kohlenstoffintensität gegenüber dem Standardindex sowie weitere jährliche Senkungen der CO2-Intensität von sieben Prozent. Bei der CTB beträgt die angestrebte CO2-Reduktion gegenüber dem Standardindex 30 Prozent. Sämtliche ETFs, die eine Paris-Aligned Benchmark (PAB) oder eine „Climate Transition Benchmark“ (CTB) abbilden, haben eine nachhaltige, messbare Finanzwirkung im Bereich Klimaschutz. Damit handelt es sich bei ETFs, die sich auf eine der beiden Benchmarks beziehen, um sogenannte Impact-Investment-Produkte.

Low Carbon – breiter als PAB und CTB

Low Carbon Indizes sind im Gegensatz zu anderen Klima-Indizes branchenübergreifend und nicht auf spezielle Themen wie etwa Erneuerbare Energien ausgerichtet. Die enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch emissionsarmes Wirtschaften aus. Alle Unternehmen müssen eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro nachweisen, die Zusammensetzung entsprechender Indizes wird alle 6 Monate überprüft. Grundsätzlich ausgeschlossen werden Unternehmen, die in den Geschäftsbereichen Waffen, Kraftwerkskohle, Tabak, Kernkraft tätig sind oder gegen die Grundsätze des UN Global Compact verstoßen.

Fazit

Die Unterschiede zwischen den Nachhaltigkeitsstrategien sind zum Teil durchaus beträchtlich. Doch wer mit den zahlreichen Kürzeln im Bereich der nachhaltigen Investments ein wenig vertraut ist, findet leichter das passende Produkt für sich. Es lohnt sich also definitiv, sich in die Thematik einzuarbeiten. Denn eins ist klar: Nachhaltigkeit ist auch bei der Geldanlage die Zukunft!

Tipp: Hier erfahren Sie alles, was Sie über das Investieren in Nachhaltigkeits-ETFs wissen müssen.