Nachhaltigkeit: Warum ESG für ETF-Anleger zum Problem werden kann

Wer bei der Geldanlage ESG berücksichtigen will, ist mit passiven Produkten nicht immer gut bedient. Das zeigt zum Beispiel der Fall Wirecard.

ETFs sind bei Anlegern beliebt. Wer sein Geld allerdings nachhaltig anlegen will, ist mit den passiven Produkten nicht immer gut bedient. So können etwa bei den marktbreiten Investments keine Ausschlüsse getroffen werden. Der Markt für ETFs, die nachhaltige Investment-Strategien abbilden, hat im vergangenen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. Das investierte Vermögen in ESG-ETFs am Handelsplatz Xetra stieg auf 23,2 Milliarden Euro. Das sind 217 Prozent mehr als im Vorjahr und entspricht rund drei Prozent des Gesamtvermögens in ETFs.

Die Schwierigkeit für nachhaltig orientierte Anleger: Bei den regelmäßig eingesetzten physisch replizierenden ETFs wird ein Index vollständig und genau nach den Anteilen der einzelnen Werte an dem Index nachgebildet. Damit setzen sich ESG-Investoren dem Risiko aus, Werte zu kaufen, die sie unter Nachhaltigkeitsaspekten nicht wollen.

Besonders Governance-Aspekte – also Fragen der guten Unternehmensführung – sorgen häufig dafür, dass Werte in schweres Fahrwasser geraten. Wirecard ist dafür ein aktuelles Beispiel. Der Bezahldienstleister hat einen beispiellosen Crash hingelegt und nach Bekanntwerden des Skandals rund 98 Prozent des Börsenwerts verloren.

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Verantwortlich dafür sind auch Governance-Verstöße. Der Einfluss von Governance auf die Geschäftsentwicklung eines Unternehmens liegt bei rund 62 Prozent, wie eine Metastudie der Investmentgesellschafter DWS und der Universität Hamburg herausgefunden hat.

Aktives Management bei ESG im Vorteil

ESG-orientierte Anleger, die einen typischen physisch replizierenden ETF auf den DAX erworben haben, sind bis heute automatisch noch in Wirecard investiert. Die Anleger nehmen nicht nur die Wertverluste mit, sondern verstoßen immer noch gegen ihre eigene Nachhaltigkeitsstrategie. Aufgrund des passiven Indexinvestments hatten Anleger gar keine Möglichkeit, die Wirecard-Allokation zu umgehen und damit einen negativen Governance-Impact auf das Portfolio zu vermeiden.

Um gerade Governance-Risiken zu vermeiden, hat aktives Management wesentliche Vorteile. Im Gegensatz zu klassischen marktbreiten Indexfonds werden die Werte nach den ESG-Kriterien ausgewählt und regelmäßig geprüft. Eine sehr wacklige Governance führt dann schnell zum Ausschluss. Das Resultat ist ein nachhaltigeres Portfolio unter dem Gesichtspunkt guter Unternehmensführung.

Über den Autor: Dyrk Vieten

Dyrk Vieten ist Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf.

Tipp: Weitere Informationen bezüglich nachhaltigen Investments erhalten Sie in unserem Anlageleitfaden „Investieren in Nachhaltigkeits-ETFs“.