Von Redaktion5. August 2022
Nicht vor hoher Inflation: Wovor Gold jetzt wirklich schützt

Nicht vor hoher Inflation: Wovor Gold jetzt wirklich schützt

Gold notiert in diesen Tagen bei etwa 1.700 Dollar. Auf diesem Niveau war es schon im März 2021. Damals lag die Inflationsrate bei 1,7 Prozent. Jetzt sind es 8 bis 9 Prozent.  Fraglich, ob das Edelmetall als Absicherung gegen Inflation taugt. Dafür hilft es zuverlässig gegen ein noch viel gravierenderes Problem.

Gerne wird behauptet, Gold ist das Mittel bei Inflation. Kann sein, muss aber nicht! Erstens ist nicht allein die Inflation entscheidend, sondern die Entwicklung des Realzinses. Der ergibt sich aus der Inflation minus der Nominalzinsen. Da in den USA der Realzins wegen der höheren Leitzinsen und Anleiherenditen steigt, hat das Aurum dort derzeit kein leichtes Spiel. Zweitens starrt alle Welt wie das Kaninchen auf den Goldpreis in Dollar. Wenn die US-Währung gegenüber Euro & Co. zulegt, wie sie es seit Monaten tut, erhalten Anleger mehr Gold pro Dollar. Oder anders herum: Der Goldpreis in Dollar sinkt.

Euro-Anleger mit 20 Prozent Gewinn

Die Dollar-Stärke bedeutet, dass Währungen wie der Euro im Vergleich dazu an Kaufkraft verlieren. Folglich braucht es mehr Euro, um eine Unze des Edelmetalls zu kaufen. Goldbesitzer in der Euro-Zone können sich daher über erhebliche Zugewinne freuen. Seit März 2021 steht ein Plus von 19 Prozent zu Buche. Der Goldpreis stieg von 1.430 auf nun knapp 1.700 Euro.

Vergleicht man den Zuwachs beim Goldpreis in Euro mit dem Währungspaar Dollar-Euro, zeigt sich: Der Goldgewinn entspricht fast genau dem Verlust des Euro zur US-Währung. Seit März 2021 ist der Euro von 1,23 Dollar auf nun 1,01 Dollar gefallen. Das ist ein Minus von 18 Prozent. Wer einen Teil seines Geldes in Gold investiert hatte, konnte diesem Kaufkraftverlust entgehen, weil der höhere Goldpreis in Euro die Abwertung der Gemeinschaftswährung kompensierte.

Gold als Zweitwährung zum Euro

Anlegerinnen und Anleger sollten also Gold eher als Zweitwährung zum Euro nutzen und nicht als Investment, mit dem sich Rendite erzielen lässt. Denn das in Dollar gehandelte Edelmetall schützt zuverlässig vor einer Entwertung der eigenen Währung. Schwächelt die Erstwährung Euro, dann legt die Zweitwährung Gold unvermeidlich zu. Diese Erfahrung haben alle Nationen gemacht, deren Währungen durch unverantwortliche Regierungspolitik weich gekocht oder zu Luft verdampft wurden.

Tipp: Hier erfährst du alles über das Investieren in Gold.

Und drittens: Ein Teil dessen, was als Liquiditätsreserve benötigt wird, sollte in physischem Gold oder als ETCs gehalten werden. Wer die eine Hälfte seiner Liquidität in Euro, die andere Hälfte in Gold hält, hat gute Chancen, sich seine Kaufkraft auf lange Sicht zu bewahren.

Über den Autor: Stephan Albrech

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln