Ohne Umwege in Rohstoffe investieren

» Exchange Traded Commodities (ETCs) erleichtern Investoren die Geldanlage in Rohstoffe. Sie ermöglichen direkte Investments in diese Anlageklasse ohne den Umweg über Rohstoffaktien oder den Handel mit Terminkontrakten.

Beliebt sind ETCs bei Anlegern vor allem deshalb, weil sie transparent, leicht verständlich, kostengünstig und liquide sind. In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf diese Instrumente, mit denen Anleger mit einem Schlag an den Rohstoffmärkten investiert sein können. «

Was verbirgt sich hinter ETCs?

ETCs sind einfache und unbefristete Papiere, die an regulierten Börsen gehandelt werden. Sie haben die Funktion, die Wertentwicklung von an Warenbörsen gehandelten Rohstoffen (Commodities) abzubilden. Kurz gesagt: Ein ETC bildet den ihm zugrunde liegenden Rohstoff oder Rohstoffindex 1:1 nach. Damit ermöglichen ETCs den Anlegern, die keine Terminkontrakte traden können oder möchten, mit diesen Rohstoffen zu handeln beziehungsweise in sie zu investieren. Kai Bald, Leiter öffentlicher Vertrieb passive Anlageprodukte bei Deutsche AWM, bestätigt dies: „Für Privatanleger ist der Zugang über ETCs in der Regel wesentlich einfacher und günstiger, als die Rohstoffe direkt zu kaufen oder mit Terminkontrakten zu handeln.“

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Kai Bald

Deutsche AWM

 

Der weltweit erste ETC wurde im Jahr 2003 von ETF Securities emittiert: Der Gold Bullion Securities (Kürzel GBS), in dem heute ein Vermögen von rund 3,75 Milliarden Dollar investiert ist. „Das ers te nennenswerte Wachstum im ETC-Markt gab es 2008, damit sind börsennotierte Rohstoff-Produkte noch relativ neu“, so Kai Bald. Doch das Wachstum seither verlief – getrieben vom Aufwärtstrend der Rohstoffpreise und dem allgemeinen Bedeutungsgewinn von Rohstoffinvestments – rasant. „Per Ende Juli 2014 lag das verwaltete Volumen in ETCs bei rund 17,4 Milliarden Euro. Allein in Europa sind nach der Statistik der Deutschen Bank 440 ETCs an der Börse gelistet“, so Bald weiter. Da Rohstoffe als Anlageklasse auch in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen können, besitzt der ETCMarkt weiterhin Wachstumspotenzial.

Funktionsweise von ETCs

Ein ETC funktioniert ähnlich wie ein ETF. Beide Papiere sind unbefristet und bilden ihren Basiswert abzüglich der Verwaltungsgebühren 1:1 nach. Während ETFs viele verschiedene Basiswerte von Indizes über Währungen bis hin zu Anleihen haben können, kommen bei ETCs nur Rohstoffe beziehungsweise Rohstoffindizes infrage.

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Sowohl ETCs als auch ETFs werden grundsätzlich wie Aktien gehandelt. Das bedeutet, Anleger können ETCs während des gesamten Handelstages an regulierten Aktienbörsen kaufen und verkaufen. Dabei sind alle Transaktionsarten möglich, die auch für Aktien existieren: Market-Order, Limit-Order und so weiter. ETCs können aber nicht nur börslich gehandelt werden, sondern auch außerbörslich über Designated Sponsors (Market Maker). Sie zeichnen je nach Nachfrage die ETCs beziehungsweise geben sie zurück. Durch diesen Prozess wird die Liquidität der ETCs gewährleistet. Das heißt, die ETCs sind immer mindestens genauso liquide wie die jeweiligen Basiswerte und lassen sich über die Börse oder direkt mit den Market Makern handeln.

Damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt, nämlich der Emission von ETCs, angelangt. Während Aktien von einem Unternehmen im Rahmen eines Börsengangs ausgegeben werden, werden ETC-Anteile – so wie auch ETF-Anteile – im sogenannten „Creation- Redemption-Prozess“ emittiert

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Sascha Specketer

Source UK

Services Ltd.

 

beziehungsweise zurückgenommen. Allerdings werden ETCs in der Regel erst dann herausgegeben, wenn die entsprechende Menge der zugrunde liegenden Ware bei einer Depotbank hinterlegt ist. Bei physisch besicherten Gold-ETCs muss zum Beispiel die entsprechende Menge Goldunzen bei der Depotbank hinterlegt sein. Und auch bei ETCs auf Rohstoff-Futures werden die jeweiligen ETCs erst gegen die entsprechenden Futures-Kontrakte ausgegeben. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass den ETCs jeweils die entsprechenden physischen Rohstoffe oder Futures-Kontrakte zugrunde liegen und an den Inhaber ausgeliefert werden könnten.

Hierbei stellt sich die Frage, weshalb die Preise der einen ETCs auf Futures und die der anderen auf physischem Metall basieren. Die Antwort: Einige ETCs sind auf Basis von Futures gepreist, da es nicht möglich ist, diese Rohstoffe für lange Zeiträume physisch zu lagern. Zusätzlich sind Futures für einige Rohstoffarten liquider und effizienter; insbesondere ermöglichen Futures-Kontrakte eine Standardisierung (zum Beispiel variiert die Qualität von Agrarrohstoffen in Abhängigkeit von Jahreszeiten und Regionen). Allein Edelmetalle lassen sich aufgrund ihrer hohen Wertbeständigkeit physisch lagern, da sie als homogen gelten sowie leicht zu lagern und nicht verderblich sind. Die Hinterlegungs praxis variiert jedoch von Anbieter zu Anbieter. Einige ETC-Emittenten bieten mit Hinweis auf die damit für die Kunden verbundenen Kosten weder eine Besicherung noch eine physische Hinterlegung an.

ETCs, deren Kurse sich nach den jeweiligen Futures richten, korrelieren zu beinahe 100 Prozent mit dem Preis der ihnen zugrunde liegenden Ware – bei diesen ist der jeweilige Spotpreis also nicht direkt handelbar. Anders bei ETCs, die durch physisches Metall gedeckt sind: Hier richtet sich der Kurs entsprechend nach deren Kassapreis abzüglich der Verwaltungsgebühren.

Der bei ETFs entstehende Tracking Error, also die Differenz der Wertentwicklung zwischen einem ETF

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und seiner Benchmark, hat bei physisch hinterlegten ETCs keine große Bedeutung, da er lediglich durch den Abzug der Verwaltungsgebühren entsteht. Das liegt daran, dass Faktoren, die den Tracking Error bei ETFs beeinflussen, wie die Besteuerung von Dividendenzahlungen oder Indexanpassungen, bei ETCs naturgemäß keine Rolle spielen. Bei auf Futures basierten ETCs wie zum Beispiel Öl kann es dagegen aufgrund der Terminstruktur zu Abweichungen kommen.

Der wohl größte Unterschied zwischen ETCs und ETFs besteht darin, dass der ETC im Gegensatz zum ETF kein Sondervermögen darstellt. „Exchange Traded Commodities sind rechtlich gesehen Zertifikate und nicht Fonds“, so Sascha Specketer, Executive Director, Head of Sales – Deutschland/ Österreich von Source UK Services Ltd. Ein ETC ist also wie ein Zertifikat eine Schuldverschreibung. Damit kann es im Fall einer Insolvenz der Emittentin bei nicht besicherten ETCs zum Totalverlust kommen. Bei besicherten ETCs entfällt das Emittentenrisiko allerdings, was im weiteren Verlauf des Artikels noch genauer erklärt wird.

Gute Gründe für ETCs

Das Interesse an ETCs ist in erster Linie darin begründet, dass sie eine der wenigen Anlageklassen sind, mit denen direkte Investments in Rohstoffe möglich sind. Bisher konnten sich Investoren nur in Fonds engagieren, die an Rohstoffindizes und/oder Rohstoffaktien gekoppelt waren. ETCs haben diese Lücke geschlossen. Weitere Vorteile von ETCs sind:

  • Hohe Transparenz, einfache Preisstruktur
  • Jederzeit abrufbare Informationen über Verwaltungsgebühren, Kurse, Spreads et cetera
  • Einfacher handelbar als Futures ( keine Nachschussforderungen, auslaufende Kontrakte oder das Rollen von Positionen)
  • Wie eine Aktie handelbar
  • Short- und gehebelte ETCs ermöglichen überproportionale Partizipation an der Entwicklung des Basiswerts Äußerst geringe Geld-/Brief-Spanne und hohe Liquidität
  • Geringe Kosten (durchschnittlich weniger als 0,5 % pro Jahr)
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Besicherung von ETCs

Da es sich bei ETCs um Inhaberschuldverschreibungen handelt, ist das Emittentenrisiko ein brisantes Thema. Hierbei gilt es, zwischen besicherten und nicht besicherten ETCs zu unterscheiden. Bei Letzteren ist das Emittentenrisiko durchaus gegeben, falls es zur Insolvenz des Emittenten kommen sollte. Das bedeutet, der Inhaber hat in diesem Fall keinen Zugriff mehr auf sein Investment, sondern muss sich bei den übrigen Gläubigern einreihen und könnte sein gesamtes investiertes Kapital verlieren. Die meisten ETCs sind jedoch besichert, sodass kein Emittentenrisiko besteht. Dabei lassen sich je nach Emittent folgende Strukturen unterscheiden:

  • Physisch hinterlegte ETCS, die ohne Kreditrisiko den den Preis am Kassamarkt nachbilden und damit zu 100 Prozent besichert sind. Die physische Ware (wie zum Beispiel Goldbarren) ist bei einer Depotbank hinterlegt und trägt kein Kreditrisiko.
  • Swap-basierte ETCs, die zu 100 Prozent besichert sind und den jeweiligen Basiswert nachbilden. Der Emittent erklärt, dass die Zertifikate durch entsprechende garantierte Kontrakte durch eine dritte Partei gedeckt sind.
  • Swap-basierte ETCs, die durch eine mit gutem Kreditrating bewertete dritte Partei gedeckt sind und Warentermingeschäfte nachbilden. Auch hier werden die ETCs durch entsprechende Kontrakte durch eine dritte Partei gedeckt. Diese ETCs sind durch die treuhändische Verwahrung der Einlagen vor einem eventuellen Ausfall des ETC-Anbieters geschützt. Käme es jedoch zu einem Ausfall seitens der dritten Partei, wären die ETCs dem Kreditrisiko dieser Partei ausgesetzt.

Welche ETCs sind derzeit beliebt?

Rohstoff-Investments sind unter Anlegern seit einigen Jahren sehr beliebt. Das gilt auch für ETCs, wobei hier vor allem Gold- und Öl-ETCs zu den Spitzenreitern zählen. Gründe dafür sind die unsichere Marktlage und die Angst vor einer steigenden Inflation, gegen die Gold einen wirksamen Schutz bieten kann. Das große Interesse an Gold-ETCs bestätigt auch Sascha Specketer: „Wir konnten eine große Nachfrage nach dem Source Physical Gold ETC beobachten, den Investoren nicht nur zu Spekulationszwecken nutzen, sondern auch, weil er eine gute Absicherung gegen Inflation und geopolitische Instabilität bietet. Interessanterweise ist der Source Physical Gold ETC mit Anlagen in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar unser größtes Produkt, einschließlich ETFs.“ Doch nicht nur bei Gold, auch bei Palladium scheint ein hohes Interesse seitens der Investoren zu bestehen: „In diesem Jahr haben wir starke Zuflüsse in den Source Physical Palladium ETC beobachtet. Aufgrund des anhaltenden Streiks der Minenarbeiter in Südafrika sowie der politischen Unruhen in der Ukraine, den zwei größten Produzenten des Edelmetalls, erwarteten viele Investoren einen weiteren Preisanstieg.“

Fazit

Nach Meinung vieler Portfoliomanager gehören Rohstoffe in jedes Portfolio, da sie sich in der Regel unabhängig von den weltweiten Aktien- und Anleihemärkten entwickeln und so zur Risikostreuung im Portfolio beitragen. Außerdem haben Rohstoffe mit einem klaren Wertzuwachs in den vergangenen zehn Jahren zum Teil andere Anlageklassen hinter sich gelassen. Da ETCs einen direkten und einfachen Weg in Rohstoffinvestments ermöglichen, liegt es auf der Hand, dass auch sie in einem Portfolio nicht fehlen sollten.