Online-Handel - langfristiger Profiteur der Coronapandemie

Der Online-Handel gilt als der große Gewinner der Coronakrise. Kurzfristig ist dies nur teilweise richtig, mittel- und langfristig gesehen dürfte sich dies jedoch durchaus bewahrheiten. Auf dem Höhepunkt der Krise mit vollständigen Lockdown im März 2020 konnte sich jedoch auch der Onlinehandel nicht vollständig der allgemein schlechten Verbraucherstimmung entziehen. In Krisenzeiten nimmt die Sparbereitschaft zu, unnötige Ausgaben werden vermieden, in Zeiten des Lockdowns fielen auch ganze Sektoren, für die sonst Geld ausgegeben wurde, aufgrund von Verboten und Schließungen komplett weg. So sank zum Beispiel in Deutschland der Umsatz im  Bekleidungssegment um mehr als 35 Prozent,  das Geschäft mit Unterhaltungselektronik ging um 20 Prozent zurück, der Verkauf von Veranstaltungstickets oder Reisen brach laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) sogar um 75 Prozent ein. Deutliche Zuwächse verbuchte hingegen der Onlinehandel bei Medikamenten (+88 Prozent), bei Lebensmitteln (+55 Prozent) sowie bei Drogerieartikeln (+30 Prozent). Betrachtet man hingegen die ersten vier Monate des Jahres, verzeichnete der Onlinehandel trotz der Umsatzdelle im März (-18,1 Prozent gegenüber Vorjahresmonat) bereits schon wieder einen Zuwachs von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schlecht läuft das Geschäft aber noch beim Handel mit Autos und Zubehör sowie Schmuck und Uhren. 

Viele Neukunden im OnlineHandel – anfängliche Hemmschwellen überwunden

Langfristig gesehen dürfte der Onlinehandel jedoch weltweit von der Coronakrise profitiert haben, wie auch die neue Studie „The State of Commerce Experience“ von Forrester Consulting und Bloomreach prognostiziert. Sie weist nach, dass sich das Kaufverhalten in den vergangenen Monaten deutlich verändert hat.  So haben 50 Prozent der Kunden im Internet Produkte bestellt, die zuvor noch nie online gekauft hatten. Das betrifft am häufigsten Lebensmittel, Haushaltswaren und Spielzeug. 70 Prozent haben insgesamt mehr als gewöhnlich eingekauft. Viele der Neulinge in Sachen Onlinekauf mussten sich mit anfänglichen Zugangsbarrieren fürs Onlineshopping wie etwa den Zahlungsabläufen oder dem Erlernen der Online-Kaufprozesse vertraut machen. Auch wenn viele von ihnen vielleicht wieder nach der Pandemie den stationären Handel bevorzugen, so ist die Hemmschwelle für Interneteinkäufe gesenkt, der eine oder andere Einkauf dürfte dann trotzdem übers Internet erfolgen aufgrund von Zeitersparnis und einer höheren Produktvielfalt. 

Ähnlich verhält es sich auf der Angebotsseite. So entdeckten in der Krise viele Einzelhandelsgeschäfte, die vorerst allein auf ihre Filialen setzten, inzwischen das Onlinegeschäft für sich als zusätzliche Einnahmequelle. Bei 46 Prozent der Marken ist so das digitale Geschäft gewachsen. 38 Prozent der befragten E-Commerce-Entscheider verzeichnen ein erhöhtes Suchvolumen auf ihren Online-Kanälen, 36 Prozent einen höheren Online-Traffic und 34 Prozent sehen mehr Online-Bestellungen.

Online-Handel wächst jährlich um 17 bis 18 Prozent

Allein in Deutschland wurden 2019 im Online-Handel rund 58 Milliarden Euro mit dem Warenverkauf im Internet erwirtschaftet – gut 44-mal so viel wie im Jahr 2000. Das bisherige Wachstum der vergangenen Jahre lag zwischen 17 bis 18 Prozent. Bereits für das Jahr 2024 erwartet Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Deutschland (HDE),  hierzulande einen Umsatz von über 100 Milliarden Euro. Der weltweite Umsatz im Onlinehandel wächst nach Prognosen von Statista von 1,7 14 Billionen Euro im Jahr 2019 auf dann 2,75 Billionen Euro im Jahr 2024. Weltweit führend im Onlinehandel ist China mit großem Abstand vor den USA und Japan, wo sich der E-Commerce-Umsatz von 315 Milliarden auf gut eine Billion US-Dollar mehr als verdreifachte. Einige Experten prognostizieren für das Reich der Mitte im Jahr 2021 bereits einen Anstieg auf  mehr als 2,5 Billionen US-Dollar.

Mit ETFs auf E-Commerce-Branche setzen

Mit dem HanETF EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce UCITS ETF (WKN: A2JR0G) können Anleger vor allem auf den weltgrößten E-Commerce-Markt China setzen. Der ETF umfasst 83 Aktien aus diesem Sektor. Bei sechs der zehn Top-10-Werte handelt es sich um Titel aus dem Reich der Mitte wie Alibaba, Tencent oder Meituan Dianping. Stark darin vertreten sind Werte aus den Sektoren Kommunikation, zyklische Konsumgüter sowie Technologie. Im ETF sind aktuell 94 Millionen Euro investiert. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,86 Prozent ist der ETF allerdings nicht ganz billig. Im laufenden Jahr hat sich das Investment aber für den Anleger durchaus gelohnt. Trotz Coronakrise auch in Asien ist der ETF seit Jahresbeginn mit knapp 33 Prozent im Plus. 2019 schaffte es der Themen-ETF auf ein Kursplus von 34,5 Prozent. 

Alternative dazu ist der L&G Ecommerce Logistics UCITS ETF (WKN: A2H5GL), der zu knapp 90 Prozent auf E-Commerce-Aktien aus den Industrieländern setzt. Er umfasst 36 Titel. Stark im Index vertreten sind Aktien aus den USA, Japan und der Eurozone. Bevorzugte Sektoren hier sind die Industrie, zyklische Konsumgüter sowie Technologie. Die Gesamtkostenquote beträgt hierbei nur 0,50 Prozent. Allerdings kann der ETF seit Jahresbeginn mit einem Kursplus von 4,3 Prozent nicht mit dem Schwellenländer-ETF mithalten. Im Vorjahr erzielte er jedoch eine ähnlich hohe Rendite mit +33,6 Prozent. Möglicherweise hängt diese Underperformance mit dem späteren Ausbruch der Corona-Pandemie zusammen. 

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