Nach Korrektur: Droht dem Dax ein neuer Corona-Crash?

Coronakrise längst vergessen? Mitnichten, die aktuelle Korrektur lässt grüßen. Wie Finanzprofis die Entwicklung des Dax bis Jahresende einschätzen. 

„Der Optimismus unter den Finanzexperten überwiegt trotz des bereits erfolgen Kursanstiegs weiterhin“, kommentiert Kai Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung von Ebase, die jüngst von Ebase durchgeführte Umfrage unter 231 Vertriebspartnern der B2B-Direktbank. Während im April dieses Jahres, unter dem Eindruck des Corona-Ausbruchs, noch fast 32 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass der Dax im Lauf der kommenden zwölf Monaten sinken werde, sind – trotz der zwischenzeitlichen Kursanstiege – nurmehr 26 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Dagegen gehen rund 44 Prozent von einem weiter steigenden Dax aus. Rückblickend hat sich damit die optimistische Einschätzung der Ebase-Partner vom April dieses Jahres vorerst bewahrheitet, da der Leitindex für deutsche Aktien seit der letzten Befragung bereits deutlich zugelegt hat.

Die schlimmsten Corona-Auswüchse vorbei?

„Die Zuversicht der Finanzprofis könnte ein Ausdruck dessen sein, dass sie die schlimmsten Auswüchse der Corona-Krise als überstanden ansehen und auch keinen weiteren Lockdown erwarten“, sagt Friedrich. Eine ähnliche Einschätzung lässt das Kaufverhalten der Ebase-Kunden zu. Trotz der Sommerferien in vielen Bundesländern lag das Handelsvolumen der aktiv gemanagten Fonds im August um fünf Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Handelsvolumen des Vorjahrs.

Der Fundflow-Faktor wiederum lag bei 1,36, was bedeutet, dass im August die Mittelzuflüsse in aktiv gemanagten Fonds um 36 Prozent über den Abflüssen lagen. „Auch das spricht für eine weiterhin bestehende Zuversicht seitens der Anleger, die offenbar die Renditechancen der Kapitalmärkte für sich nutzen wollen“, so Friedrich. 

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Vorsichtiger Optimismus

Auch bei der Börse Frankfurt sieht man Gründe für Zuversicht. Nach wie vor bleibe erstaunlich, dass der Anteil der Pessimisten mit insgesamt 42 Prozent der Befragten immer noch ausgesprochen robust sei. Mit anderen Worten: Obwohl bei vielen die Engagements zwischenzeitlich recht deutliche Buch-Verluste aufgelaufen sein dürften, sah man sich nicht veranlasst, die Notbremse zu ziehen.

Und im Nachhinein mag dies auch die richtige Entscheidung gewesen sein, wenn man etwa bedenkt, dass sich bei den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU die Gefahr eines Brexit ohne Anschlussabkommen deutlich erhöht hat.

Erfolgreiche Privatanleger

Bei den Privatanlegern können die Betreiber der Börse Frankfurt ein ähnliches Verhalten feststellen, allerdings deutlich ausgeprägter. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist um 14 Punkte auf einen Stand von -14 zurückgefallen. Dahinter steckt nicht nur die Realisierung von recht ordentlichen Gewinnen ehemaliger Optimisten. Vielmehr haben sich rund 75 Prozent der ehemaligen Bullen direkt ins Bärenlager begeben und somit ihre Engagements um 180 Grad von „long“ auf „short“ gedreht.

Mit der Befragung werde deutlich, dass zumindest beim Dax die bisherigen Abwärtskorrekturen nicht ergiebig genug ausgefallen seien, um die sich in der Mehrzahl befindenden Pessimisten zu Gewinnmitnahmen zu verleiten. Dies mag zum einen damit zusammenhängen, dass der durchschnittliche Einstandspreis zu diesen Engagements wahrscheinlich deutlich unterhalb des Tiefpunkts beim Dax-Rücksetzer seit unserer vergangenen Erhebung liegen mag.

Zum anderen verstehen diese Marktteilnehmer unter einer „gesunden Korrektur“ offensichtlich mehr als die bisher verbuchte Dax-Reaktion von rund 5 Prozent. Allerdings bleibt derzeit unklar, wo im Falle erneuter Kursrückgänge – sofern sie überhaupt noch stattfinden – substantielle Nachfrage aus diesen Quellen einsetzen wird – möglicherweise erst zwischen 12.350 und 12.400 Zählern.

Tipp: Achten Sie nicht zu sehr auf tagesaktuelle Schwankungen an der Börse. Mit einem Sparplan können Sie diese gut ausgleichen. Hier finden Sie die günstigsten Anbieter für ETF-Sparpläne

In der relativen Betrachtung auf Sicht von drei bzw. sechs Monaten können wir bei den institutionellen Anlegern ohnehin immer noch von einem leichten Optimismus, bei den Privatanlegern von einem kleinen Pessimismus sprechen, so dass sich die Sentiment-technische Situation für den Dax gegenüber der Vorwoche fast nicht verändert hat: Das Umfeld bleibt neutral, und auch die leicht positive Note besteht weiterhin.

Eine Auswahl der besten Dax-ETFs

ETF-Name202020192018201720162015
Amundi DAX UCITS ETF DR-4,12+24,89-18,26+12,20+5,85+9,27
Lyxor 1 DAX UCITS ETF-4,15+24,78-18,71+12,38+6,75-1,01
ComStage DAX UCITS ETF-4,09+24,85-18,62+12,02+6,17+9,39
Deka DAX (ausschüttend) UCITS ETF-4,34+24,78-18,62+12,31+6,74+9,53
Deka DAX UCITS ETF-4,17+24,80-18,69+12,34+6,72+9,40
iShares Core DAX UCITS ETF (DE)-4,18+24,79-18,70+12,34+6,74+9,38
Lyxor DAX (DR) UCITS ETF-4,16+24,81-18,67+12,04+6,30+9,05
Vanguard Germany All Cap UCITS ETF-3,48+24,84-17,58
Xtrackers DAX UCITS ETF-4,09+24,87-19,01+12,56+6,35+9,28