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Psychologische Börsenfallen für sich nutzen

„Limitierte Aufmerksamkeit“ und „mentale Buchführung“ sind neben anderen Phänomenen psychologische Börsenfallen, die dem Renditeerfolg unserer Vermögensanlage im Wege stehen. Mit bestimmten Tricks kann man diese aber auch für sich nutzen.

Menschliches Handeln erfolgt nicht willkürlich, ist in der Regel bestimmten Einflussfaktoren unterworfen. Schon Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts versuchte der Mathematiker John von Neumann, nach optimalen Spielstrategien in Gesellschaftsspielen zu forschen. Die Erkenntnisse wurden im Jahr 1944 zusammen mit dem Ökonomen Oskаr Morgenstern in dem Buch „Spieltheorie und ökonomisches Verhalten“ veröffentlicht. Es war die Geburtsstunde der modernen Spieltheorie. Diese und nachfolgende Forschungen zu diesem Thema werden bis heute als Erklärungsmuster für verschiedenste Prozesse bei der Geldanlage-Entscheidung herangezogen. Ein zentraler Begriff der modernen Spieltheorie ist „homo oeconomicus“.

Der Mensch handelt nicht immer rational

Hierbei geht man davon aus, dass jeder Mensch stets rational wirtschaftlich handelt, um mit möglichst geringem Aufwand den eigenen maximalen Nutzen zu erzielen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein effektiver transparenter Markt, bei dem der Anleger über alle für die Entscheidungsfindung relevanten Informationen verfügt.

Doch dieses Modell ist stark umstritten. Bereits der britische Ökonom John Maynard Keynes sah in dem Begriff „homo oeconomicus“ ein unrealistisches Modell des Menschen. Denn neben Gewinnmaximierung treiben den Menschen auch andere Motive.  Das zeigen auch aktuelle Diskussionen um die Auswirkungen eigener Investments auf die Umwelt oder den sozialen Frieden. Die moderne Verhaltensökonomik legt zudem offen, dass der Anleger trotz immer größerer Transparenz der Märkte keinesfalls über alle wichtigen Fakten verfügt. Nicht zu vergessen: Die Emotionalität der Menschen, die manchen Anleger unbewusst dazu verleitet, in so psychologische Börsenfallen zu tappen.

Mentale Buchführung

Eine von ihnen ist das Phänomen der „mentalen Buchführung“. So nehmen Menschen ihre Ausgaben & Einnahmen aus verschiedenen Quellen unterschiedlich wahr. Aus rationaler Sicht wäre es sinnvoll, alle Einnahmen und Ausgabe gemeinsam im Blick zu haben. Doch dies geschieht nicht, er trennt unbewusst in separate mentale Konten wie Lebensmitteleinkäufe, Ausgaben für Miete & Nebenkosten oder Ersparnisse. Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Paar ist im Angelurlaub. Die Fische werden per Luftfracht nach Hause gesandt, sie gehen aber verloren. Als Entschädigung erhält das Paar 300 Euro. Die Reaktion: Das Paar geht so teuer essen wie noch niemals zuvor und zahlt eine Zeche von 225 Euro. Das Geld wird als Bonus, als geschenktes Geld empfunden. Bei einer Erhöhung der jährlichen Einnahmen um dreihundert Euro wäre das Paar wohl nicht auf diese Idee gekommen, das Geld an einem Abend zu verprassen.

Korrelationen innerhalb der verschiedenen „mentalen Konten“ werden dabei vernachlässigt. So setzt man bei bestimmten Konten wie zur Gewährleistung des täglichen Lebensbedarfs, dem Immobilienkauf oder der Altersvorsorge auf absolute Sicherheit. Darüber hinaus gehende Investments werden hingegen quasi als „Spielgeld“ betrachtet, bei denen man unkalkulierbare Risiken eingeht. Eine grundsätzliche Ermittlung der eigenen Risikotragfähigkeit für alle mentale Konten würde aus rationaler Sicht deutliche Renditevorteile bringen.

Limitierte Aufmerksamkeit

Eine weitere Börsenfalle ist das Phänomen der „limitierten Aufmerksamkeit“. Der Anleger verfügt nur über eine begrenzte Zeit, um sich der Geldanlage zu widmen, er muss effektiv handeln. Dabei überlegt er, welche Optionen zur Verfügung stehen und welche davon den optimalen Nutzen erzielen. Im Fokus des Anlegers stehen so oft bestimmte hervorstechende Merkmale. Die Forscher Barber und Odean listeten hierbei drei wichtige Aufmerksamkeitsmerkmale auf: die Medienpräsenz des Investments, die Schwankung einzelner Aktien nach oben und unten sowie ein überdurchschnittliches Handelsvolumen.

Beim Kauf von Aktien werden zudem oft die Kurse der zurückliegenden Tage herangezogen. Opportunistisch agierende Momentum-Anleger greifen dann in der Regel bei stark steigenden Kursen zu, antizyklisch agierende Value-Anleger hingegen kaufen bei stark gesunkenen Kursen. Zudem spielt auch die Erfahrung mit bestimmten bereits früher im Depot befindlichen Unternehmenswerten eine Rolle. Eine Aktie, die zwar Gewinne erzielte, die man aber zu früh verkaufte, bleibt in schlechter Erinnerung, weil man nicht alle Gewinne mitnahm, eine Aktie mit damals realisierten Verlusten bleibt als „Loser-Aktie“ im Gedächtnis. Beide Varianten werden eher emotional gemieden.

All dies führt oft zu emotionalen, falschen Anlageentscheidungen. So wird oft die breite Diversifikation über alle Anlageklassen hinweg sowie die Korrelation einzelner Depotbestandteile zueinander außer Acht gelassen. Zu oft werden heimische Aktien aufgrund einer höheren emotionalen Bindung sowie aufgrund einer höheren Medienpräsenz im Portfolio übergewichtet.

Beide Börsenfallen für sich selbst nutzen

Kennt man die psychologischen Börsenfallen, kann man diese als Anleger für sich nutzen, um sich selbst auszutricksen und die Selbstkontrolle zu steigern. Eine Möglichkeit ist, sich einen Dauerauftrag für ein eigenes Sparkonto für die langfristige Kapitalanlage einzurichten, das vom Konto mit dem jeweiligen Gehaltseingang und den übrigen, täglichen Kontobewegungen strikt getrennt ist. Vom Sparkonto kann man zum Beispiel die regelmäßigen Bewegungen für einen ETF-Sparplan oder Einzahlungen in fertige Anlagelösungen wie den Arero-Weltfonds (WKN: DWS0R4) vornehmen.

Weltportfolio nach wissenschaftlichen Erkenntnissen

Letzterer hat einen wichtigen Vorteil: Mit einer solchen Anlagelösung investiert der Anleger in ein über Anlageklassen und -regionen breit gestreutes Portfolio, und dies nach allen Regeln der modernen Portfoliotheorie. Beim Arero-Weltfonds legt er zu 60 Prozent in Aktien, zu 25 Prozent in Anleihen und zu 15 Prozent in Rohstoffe an. Anders als bei einem ETF-Sparplan auf den MSCI World vermeidet er aufgrund der Gewichtung entsprechend der Regionen nach dem aktuellen Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt auch Klumpenrisiken. So sind Aktien aus den USA statt mit rund 62 Prozent wie im MSCI World nur mit knapp 29 Prozent im Fonds gewichtet. Die Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) liegt bei nur 0,50 Prozent jährlich. Darin eingeschlossen ist eine jährliche Anpassung an die ursprüngliche Gewichtung (Rebalancing). Das Phänomen der limitierten Aufmerksamkeit ist so vermieden. Genaue Details dazu finden Sie auf der Arero-Seite.

Seperate Sparkonten überlisten „inneren Schweinehund“

Der Vorteil eines separaten Sparkontos: Aufgrund der unterschiedlichen mentalen Bewertung verschiedener Konten ist die Hemmschwelle deutlich höher, bei kurzzeitigen finanziellen Engpässen auf das langfristige Sparkonto zuzugreifen. Gehen Einzahlungen automatisch zu Monatsbeginn vom Konto weg, bleibt der für den Monat zur Verfügung stehende Geldbetrag geringer, man ist gezwungen, zu sparen. So kann der Anleger deutlich vom Zinseszinseffekt profitieren. Dieser macht sich insbesondere bei langfristigen Anlagezeiträumen bemerkbar, wenn die Erträge stets wieder neu reinvestiert werden.