Rasantes Wachstum der Robo-Advisory-Branche

Das von der globalen Robo-Advisory-Branche verwaltete Vermögen steigt nach Prognosen der US-Plattform LearnBonds.com schon in diesem Jahr auf 1,4 Billionen Dollar. Dies entspreche einem Wachstum von 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2023 wird erwartet, dass das von Robo-Advisors verwaltete Vermögen sogar auf einen Wert von 2,5 Billionen Dollar ansteigen werde.  Die Prognosen beruhen auf gesammelte Daten von LearnBonds.com. Das Investieren über Online-Plattformen, die als Robo-Berater bekannt sind, ist in den vergangenen Jahren populär geworden, vor allem wegen der günstigeren Gebühren und der geringeren Einstiegshürden im Vergleich zu herkömmlichen Alternativen.

Höhere Renditen für Investoren

„Der Markt für Robo-Advisors wuchs aus der Finanzkrise von 2008 heraus, als Kleinanleger nach Vermögensverwaltern suchten, die in einer Zeit historisch niedriger Sparzinsen niedrigere Gebühren verlangten. Die US-Startups „Betterment“ und „Wealthfront“ gehörten zu den ersten, die vor einem Jahrzehnt in diese Lücke stießen. Sie bieten algorithmisch gesteuerte Finanzplanungsdienste mit wenig bis gar keiner menschlichen Aufsicht an. Ein typischer Robo-Advisor sammelt über eine Online-Befragung Finanzinformationen von Kunden und nutzt die Daten, um Beratung anzubieten und automatisiert zu investieren. Sie verlangen in der Regel niedrige Gebühren, etwa 0,25 Prozent pro Jahr, und begnügen sich mit kleinen Startsummen, die oft bei nur zehn US-Dollar liegen. Traditionelle Vermögensberater berechnen den Anlegern etwa drei Prozent pro Jahr, nehmen einen weiteren Prozentsatz von rentablen Investitionen und verlangen eine Einlage von Hunderten von Dollar“, berichtet LearnBonds.com.

Robo-Advisory-Branche wächst bis 2023 um rund 21 Prozent

In den vergangenen zehn Jahren seien die Robo-Berater vor allem in den USA und Europa gewachsen.  Im Jahr 2017 habe sich das verwaltete Vermögen im Segment der Robo-Berater auf 240 Milliarden Dollar belaufen, so der Marktüberblick der Statista Robo-Berater. In den darauffolgenden zwei Jahren habe sich das Marktvolumen vervierfacht auf 980,5 Milliarden Dollar. Trotz eines solch signifikanten Anstiegs in den vergangenen Jahren wird erwartet, dass die Branche bis 2023 immer noch mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 21 Prozent wachsen werde. 

Nutzeranzahl verfünffachte sich seit dem Jahr 2017

Kritiker bemängelten zwar das Ausbleiben persönlicher Unterstützung für Kunden und die Einschränkungen bei komplexeren Anlageprodukten. Allerdings zeigten sich internetaffine Investoren gegenüber diesem Markt aufgeschlossen. Während es Im Jahr 2017 rund 13,1 Millionen Robo-Advisor-Nutzer gegeben habe, habe sich die aktuelle Zahl auf 70,5 Millionen verfünffacht, was einem Wachstum von 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeute. Die Zahl der Anwender dürfte sich bis 2023 auf rund 147 Millionen verdreifachen.

US-Robo-Advisors halten 75 Prozent des globalen digitalen Beratermarktes

Die USA waren mit Betterment, Wealthfront, Personal Capital, Nutmeg, FutureAdvisor und The Vanguard Group weltweit das erste Land, das die automatisierten Finanzberater einführte.  Die USA halten so 75 Prozent des globalen Robo-Beratungsmarktes. Es wird erwartet, dass die gesamte US-Robo-Beratungsbranche in diesem Jahr einen Wert von einer Billion US-Dollar erreicht, wobei die Hybrid-Robo-Berater das größte und am schnellsten wachsende Segment darstellen würden. Hybride Robo-Berater bieten eine automatisierte Anlageplattform mit Zugang zu fachkundiger menschlicher Beratung durch Finanzberater. Dieser neue Trend entstand aus der Nachfrage der Kunden nach einer maßgeschneiderten Lösung für die komplexen Anlagen.

China zweitgrößter Robo-Beratermarkt

Mit 700 Milliarden Dollar weniger als der US-Markt ist laut dem Marktüberblick von LearnBonds.com China die zweitgrößte Robo-Berater-Branche der Welt. Für Großbritannien werde für dieses Jahr ein Marktwert von 24 Milliarden US-Dollar prognostiziert, während Deutschland  danach mit 13 Milliarden Dollar im Segment der Robo-Berater auf Platz vier rangiert. Kanada sei der fünftgrößte Robo-Beratungsmarkt der Welt.

Deutsche Robobranche holt auf – Rekordzuflüsse im Januar

Doch auch in Deutschland wächst inzwischen die Robobranche rasant. Das zeigt der Januar 2020.  So meldete Finance FWD, ein Magazin für die neue Finanzwelt, einen neuen Robo-Berater-Rekord.  So ergab eine Umfrage unter den großen Mitbewerbern, dass allein der Branchenprimus in Deutschland Scalable Capital (► Zum Testbericht) im Januar 2020 Kundengelder in Höhe von 200 Millionen Euro einnahm. Das ist doppelt so viel, wie Scalable Capital im ersten Jahr seines Bestehens einsammelte. Insgesamt verwaltet Scalable Capital nun 2,2 Milliarden Euro. Auch andere digitale Vermögensverwalter melden Rekordzuflüsse wie Weltinvest (► Zum Testbericht) oder Quirion (► Zum Testbericht). Letzterer nahm 30 Millionen Euro ein bei einem Gesamtvolumen von insgesamt 400 Millionen Euro. Ähnliches meldet der digitale Vermögensverwalter Cominvest (► Zum Testbericht) von der Comdirect (► Zum Testbericht). Er vermeldet inzwischen Anlagegelder in Höhe von 600 Millionen Euro. Liquid kommt auf eine kumulierte Anlagesumme von weit über 500 Millionen Euro, Weltinvest verrät die genaue Summe nicht gegenüber Finance FWD, beziffert sie jedoch “ im dreistelligen Millionenbereich“. 

Der Robo-Advisor moneyfarm (► Zum Testbericht) meldete zudem in einer aktuellen Pressemeldung, nun die Milliarden-Euro-Grenze geknackt zu haben. In den vergangenen drei Jahren ist in den verschiedenen Märkten, in denen der Robo-Berater aktiv ist,  die Zahl der Kunden, für die Moneyfarm (► Zum Testbericht) Vermögen verwaltet, um 114 Prozent auf über 42.000 gestiegen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich