Risikoprofil: Aktienquote bestimmen

Vor einem jeden Investment steht die Bestimmung des eigenen Risikoprofils. Und dieses hängt von zahlreichen Faktoren ab. Davon wird dann die persönliche Aktienquote abgeleitet.

Solange der Aktienmarkt steigt und steigt, ist Risiko kein Problem. Es ist maximal eine theoretische Größe – mehr nicht. Doch wehe, die Kurse gehen mal in die Knie, dann spüren Privatanleger, wie schnell Risiken konkret werden können. Neben der persönlichen Charaktereigenschaft in Bezug auf Chance und Risiko spielt eine Rolle. Bin ich im Extremfall ein Zocker oder bin ich keinesfalls in der Lage auch nur wenige Prozent zu verlieren? Doch neben diesen Charakterzügen kommen natürlich auch handfeste Aspekte ins Spiel, die von der spezifischen Lebenssituation eines bestimmten Anlegers abhängen.

Doch gehen wir zunächst auf ein lebensnahes Beispiel ein: In Deutschland sind rund 64 Millionen Autos zugelassen. Bei gut 41 Millionen Haushalten bundesweit bedeutet dies also ein bis zwei Fahrzeuge pro Haushalt. Und dies, obwohl es pro Jahr fast 400.000Verletzte im Straßenverkehr gab, mehr als 3.000Menschen starben sogar bei Verkehrsunfällen. Trotz des Risikos setzt sich die Mehrheit der Bundesbürger tagtäglich ins Auto. Ähnlich gilt dies für zahlreiche andere Risiken, die wir in Kauf nehmen.

Ganz anders ist die Risikowahrnehmung bei Aktien. Gerade einmal rund 14 Prozent der Deutschen investieren direkt und indirekt über Investmentfonds in Unternehmenspapiere. Das darin investierte Vermögen beträgt rund zehn Prozent. Für viele Bundesbürger scheint die Frage der Aktienquote also geklärt: Für sie ist das Risiko eines Kurssturzes zu hoch, abgeschreckt durch die Finanzkrisen vergangener Jahre. Je größer aber die Erfahrung mit Aktien, umso geringer wird das Kursrisiko reell eingeschätzt. Das ergab eine Studie des Deutschen Aktieninstitutes. Aber unabhängig vom Erfahrungsschatz im Umgang mit Risiken ist auch die Risikobereitschaft und -kapazität sehr verschieden. Doch Risiken einzugehen bedeutet auch, Chancen zu nutzen. Das gilt gerade am Aktienmarkt. So erzielten weltweite Aktien laut einer Langzeitstudie der Credit Suisse seit dem Jahr 1900 eine jährliche Rendite von 5,2 Prozent, und dies trotz zweier Weltkriege, der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren und verschiedenster Kurseinbrüche. Damit erwirtschaften Aktien langfristig die mit Abstand höchste Rendite und bieten im Gegensatz zur allgemeinen Risikowahrnehmung die sicherste Möglichkeit, langfristig eine ansehnliche Rendite zu erzielen. Aktien gehören somit in jedes Anlageportfolio. Doch wie hoch soll man die Aktienquote wählen? Das hängt ab von verschiedensten Faktoren wie der eigenen Lebenssituation und der sich daraus ergebenden Risikokapazität, den finanziellen Verhältnissen, der Kenntnis der Finanzmärkte, dem Anlageziel oder dem Lebensalter. Hier gilt die Faustregel:

Aktienquote = 100 Prozent – Lebensalter

Jüngerer Arbeitnehmer (25)

Für einen 25-jährigen Anleger ergibt sich aus dieser Faustformel eine Aktienquote von 75 Prozent, der Rest entfällt auf festverzinsliche Wertpapiere. Ist genügend „Spielgeld“ vorhanden, kann mit gutem Gewissen auch einmal spekulativer in Einzelaktien investiert werden. Der Grund: Gerade langfristig erwirtschaften Aktien die höchste Rendite. Zwischenzeitliche Kurseinbrüche können bequem ausgesessen werden. Aber auch hier kommt es auf die persönliche Lebenssituation an. Als Single zum Beispiel kann man anders für die eigene Lebensplanung vorsorgen als ein frischgebackener Familienvater mit Verantwortung für Frau und mehrere Kinder. Wer zum Beispiel ein Haus bauen möchte, sollte seine Aktienquote stufenweise bis hin zum Kauf senken, um nicht die Zahlung des dafür erforderlichen Eigenfinanzierungsbetrags zu gefährden. Oberste Priorität jedoch vor einem jeden Investment – und das bei jedem Alter: der Abbau möglicher Schulden. Zudem sollte vor jedem Investment ein finanzielles Polster in Höhe von drei bis sechs Monatsgehältern aufgebaut werden für vorhersehbare oder unerwartete Ausgaben wie die Reparatur eines Autos, den Urlaub mit der Familie oder die Ausbildung der Kinder.

Angestellter oder Unternehmer (45)

Laut Faustformel ergibt sich hier eine Aktienquote von 55 Prozent. Häufig sind in diesem Alter die wichtigsten Weichen fürs Leben gestellt, die Kinder sind vielleicht schon flügge, das Haus teilweise abbezahlt. Damit entfallen viele Unsicherheiten. Wer bis dahin noch nicht gehandelt hat, sollte sich nun spätestens um die eigene Altersvorsorge kümmern. Noch bleiben gut 20 Jahre bis zum Renteneintritt. Mit einer höheren Risikokapazität und weniger finanzielle Verantwortung kann die Aktienquote auch oberhalb der 55 Prozent liegen. Mögliche Erbschaften machen neben regelmäßigen Einzahlungen im Rahmen eines Sparplans auch größere Einmalzahlbeträge möglich. Sicherheit wird aber immer wichtiger. Eine breite Diversifikation über viele Einzelaktien mittels ETF vermindert die Gefahr allzu großer Kurseinbrüche. Spätestens zehn Jahre vor Renteneintritt sollte man dann die Aktienquote reduzieren, um im Alter auch sicher von den erwirtschafteten Erträgen leben zu können. Kurseinbrüche sind dann schlechter auszusitzen.

Rentner/Pensionär (65)

Für einen 65-Jährigen beträgt dann die Aktienquote 35 Prozent. Sicherheit ist Trumpf. Da die Lebenserwartung kontinuierlich steigt, ist es aber auch im Alter sinnvoll, begrenzt in Aktien zu investieren. Allerdings möchte man in der Regel von den erwirtschafteten Erträgen leben. Hier bietet sich ein Auszahlplan von Banken und Direktbanken an, bei dem die Rente Monat für Monat mit einem bestimmten Auszahlbetrag aufgebessert wird. Möchte man auch für die Kinder und Enkel vorsorgen, kann die Aktienquote auch höher sein. Dann profitieren möglicherweise die Nachkommen und freuen sich über die vorausschauenden Vorfahren.

Fazit

Aktien erzielen langfristig die höchste Rendite und gehören in jedes Anlegerportfolio. Das gilt trotz immer wieder auftretender Krisen. Allgemein gilt die Faustregel: Aktienquote = 100 Prozent – Alter. Allerdings ist diese unabhängig vom Alter auch von anderen Faktoren abhängig wie den finanziellen Verhältnissen, den eigenen Lebensverhältnissen, dem Anlagehorizont, Finanzwissen oder der eigenen Risikokapazität.

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