Robinhood geht an die Börse – sollte man die Aktie kaufen?

Seit März dieses Jahres ist es bereits öffentlich – der US-Broker Robinhood strebt an die Börse. Es dürfte einer der spektakulärsten und medienwirksamsten Börsengänge überhaupt werden. Aber lohnt sich auch die Aktie?

Das Medienecho war erstaunlich, dabei war noch gar nicht viel passiert. Als im März dieses Jahres bekannt wurde, dass der Online-Broker Robinhood einen Antrag zur Erstnotiz bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hatte, berichteten nahezu alle großen deutschen Medienhäuser darüber. FAZ, Spiegel,  Handelsblatt, alle „coverten“ das Thema, wie es im Mediensprech heißt. Die Süddeutsche Zeitung adelte den Gründer Vlad Tenev gar mit einem Portrait. 

Schon erstaunlich angesichts der äußerst dünnen Nachrichtenlage. Konkretes zum Börsengang des US-Unternehmens ist bis heute Fehlanzeige. Aktuell ist wohl davon auszugehen, dass Robinhood noch im Juni an die Nasdaq geht. Zeitpunkt und Volumen – also für einen IPO durchaus erwähnenswerte Daten – sind allerdings noch unbekannt. Insider raunen, der Broker könnte mit 30 Milliarden Dollar bewertet werden.  Nur eins ist sicher: Der Börsengang dürfte ein großes Spektakel werden. 

Negative Publicity für Robinhood

Dafür spricht allein schon, dass Robinhood immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Anfang des Jahres zum Beispiel aufgrund der Causa Gamestop. Viele Kleinanleger hatten damals über Robinhood Gamestop-Aktien gekauft, um Hedgefonds, eins auszuwischen, die die Aktie geshortet hatten. 

Tipp: Mit dem extraETF Finanzmanager können Sie Ihre Portfolios überwachen & analysieren, Klumpenrisiken erkennen und Watchlists für Ihre Wertpapierlieblinge anlegen.

Am 28. Januar stoppte Robinhood den Handel mit Gamestop, was der Handelsplattform den Vorwurf einbrachte, mit den betroffenen Hedgefonds unter einer Decke zu stecken. Die Nähe von Robinhood zu den Großen an der Wall Street – zu Hedgefonds und Hochfrequenzhändlern – ist ohnehin ein Thema. Kritiker monieren, das US-Unternehmen verkaufe Daten an die Big Player und könne nur deshalb den Wertpapierhandel für Privatkunden kostenlos anbieten.

Doch der Online-Broker machte auch schon in anderer Hinsicht Negativ-Schlagzeilen. Im Sommer letzten Jahres beging ein 20-jähriger Kunde des Billig-Brokers Selbstmord, nachdem er fälschlicherweise angenommen hatte, auf der Plattform mehr als 730.000 US-Dollar bei einem Wertpapiergeschäft verloren zu haben. Daraufhin kam Kritik an der Geschäftspraxis und dem Handelssystem des US-Brokers auf.  Der Vorwurf: Das einfache Handling von Wertpapierorders verführe unbedarfte Anleger zum Zocken. Diesen Vorwurf machen Kritiker seither auch deutschen Online-Brokern wie Trade Republic *.  

Bewertung absurd hoch

Das Geschäftsmodell hingegen kommt bei den Kunden bestens an. Acht Jahre nach dem Markstart seiner Handels-App kann Robinhood bereits 20 Millionen Nutzer vorweisen. Gerade junge Anleger nutzen mittlerweile sehr gerne Trading-Apps, auf denen man schnell, unkompliziert und oftmals provisionsfrei Aktien, ETFs und Kryptowährungen handeln kann. Robinhood hat diesen Trend in den USA zweifellos ins Rollen gebracht, der sich mittlerweile auch in Deutschland etabliert hat. Robinhood ist damit sozusagen die Mutter aller Trading-Apps. 

Tipp: Jetzt kostenlos Depot bei Trade Republic * oder Scalable Capital * eröffnen.

Durch den anvisierten Börsengang möchte das Unternehmen nun seine Position auf dem US-Markt weiter stärken. „Aktuelle Berichte gehen davon aus, dass der Börsengang von Robinhood einen Wert von knapp 30 Milliarden US-Dollar erreichen könnte“, sagt Bolatbek Maldybayev, Executive Director der Investmentgesellschaft Freedom Finance. 

30 Milliarden für ein Unternehmen, das im ersten Quartal 331 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat? Das ist schon ein Wort. Das ist zwar drei Mal mehr als noch im ersten Quartal 2020, doch auch aufs Jahr hochgerechnet wäre die Bewertung absurd hoch.

Was taugt das Geschäftsmodell?

Das Geschäft speist sich vor allem aus Rückvergütungen, den sogenannten „Payments for Orderflow“. Dabei werden Kauf- und Verkaufsorder für Aktien und Optionen an High-Speed-Trader weitgeleitet, die dem Start-up eine Gebühr dafür zahlen, dass sie die Trades ausführen können. Dies ist die Haupteinnahmequelle für Robinhood.  

Das Geschäft dürfte weiterhin gut laufen – zumindest solange Geld billig bleibt und Aktien, ETFs sowie Kryptowährungen weitgehend alternativlos sind. Auch ein Crash dürfte dem Geschäft nicht schaden, vorausgesetzt die Handelssysteme funktionieren (das war im Corona-Crash wohl nicht immer der Fall). Zudem profitiert der Broker davon, dass eine neue vitale Finanzcommunity entstanden ist, die immer mehr Zulauf erfährt.  

Wahrscheinlich verhält es sich mit der Robinhood ähnlich wie mit der Aktie von Coinbase *. Diese war nach dem IPO förmlich explodiert, hat dann aber auch scharf korrigiert. Hier war zwar der Krypto-Crash im Wesentlichen der Auslöser, doch was den Kurs nach unten treibt auf ein einigermaßen akzeptables Bewertungsniveau, ist ja letztlich egal. Mein Tipp: Abwarten – und einen Einstieg prüfen in der ersten Korrektur. Auf jeden Fall erst, wenn das Medienspektakel um den IPO vorbei ist. 

Tipp: Die neue Ausgabe vom Extra-Magazin ist da: Früher in Rente mit ETFs!