Schweizer Aktien nicht mehr an Börsen innerhalb der EU handelbar

Seit dem 1. Juli sind nach Beschluss der Regierung in Bern nahezu alle Schweizer Aktien vom Handel an Börsen innerhalb der Europäischen Union (EU), darunter auch der Deutschen Börse, der Börse Stuttgart sowie anderen Regionalbörsen, ausgesetzt. Betroffen sind davon allein in Frankfurt 182 Schweizer Aktien, in London sind es sogar 245 Aktien. Insofern können Schweizer Aktien in Europa nur noch an der Schweiz Börse SIX gehandelt werden.

EU-Kommision streicht Status

Zuvor ließ die EU-Kommission den Status der Schweiz als „äquivalenter Drittstatt“ im Börsenhandel nach den gescheiterten Verhandlungen auslaufen. „Deshalb hat die Schweiz qua Notrecht eine Verordnung erlassen, nach der Aktien schweizerischer Unternehmen in der EU nicht mehr gehandelt werden dürfen“, so die Börse Stuttgart.  Die EU-Kommission versuchte zuvor, den Äquivalenzstatus als politisches Druckmittel zu nutzen, um das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und den Eidgenossen doch noch zur Unterschriftsreife zu bringen.  Doch die Übernahme der EU-Gesetzgebung und der Urteile des Europäischen Gerichtshofes ist in der Schweiz stark umstritten und wird als Einmischung in die Souveränität der Alpenrepublik empfunden. 

Handel mit Schweiz-ETFs weiterhin möglich

Schweizer Aktien können aber weiterhin auch innerhalb der EU gekauft werden. Jedoch nur über die depotführende Bank, die gegebenenfalls eine Schweizer Korrespondenzbank einschaltet. „Allerdings können Schweizer Aktien nicht mehr in Euro gehandelt werden – und das kann möglicherweise Intransparenz und zusätzliche Kosten zur Folge haben“, so die Börse Stuttgart. Aktionärsschützer raten, vor einer Order über eine Depotbank, sich nach den dafür fälligen Gebühren zu erkundigen.  Nicht betroffen von dieser Maßnahme ist der außerbörsliche Handel über Direktbanken. Privatanleger können so dort nach wie vor Schweizer Aktien handeln. ETFs, Investmentfonds, verbriefte Derivate oder Anleihen, denen Schweizer Basiswerte zugrunde liegen, sind von der neuen Maßnahme nicht betroffen. Der Handel ist auch weiterhin über die Börsen möglich. 

„Wir erwarten keine negativen Auswirkungen auf die Preisstellung von ETFs. Nicht replizierende ETFs sind nicht direkt betroffen. Anbieter von replizierende ETFs werden schon in der Vergangenheit an Börsenplätzen mit den höchsten Umsätzen gehandelt haben – und das dürfte für die meisten Schweizer Werte die Börse Zürich sein. Hier könnten sich der Umsätze wegen der Handelsaussetzung in der EU sogar erhöhen“, so Dirk Althoff, Unternehmenssprecher der Consorsbank (► Zum Testbericht)

„An der steuerlichen Betrachtung der Käufe/Verkäufe ändert sich aus Kundensicht nichts. Das gilt sowohl für den außerbörslichen Handel als auch für verlagerte Aktien, die dann in der Schweiz gehandelt werden“,  berichtet Geerd Lukaßen, Sprecher der  comdirect (► Zum Testbericht) bank AG.

Die drei größten Schweiz-ETFs 

ETF-NameTER in %Replikationsart
Xtrackers Switzerland UCITS ETF0,30Physisch
Amundi MSCI Switzerland UCITS ETF0,25Synthetisch
iShares SLI UCITS ETF (DE)0,51Physisch

Hier finden Sie eine Liste von allen ETFs auf den Schweizer Aktienmarkt. Lesen Sie dazu passend auch unseren ETF-Anlageleitfaden zum Investieren in die Schweiz.