Value-ETF auf der Siegerstraße

Sicherheitsdepot mit Spielraum

Nur wenige Fondsmanager schaffen es, den Markt durch aktives Management tatsächlich nachhaltig zu schlagen.

Laut einer Analyse von iShares mit dem Titel „Europe Sales Strategy, A Comparison of Mutual Fund and ETF-Returns“ aus dem Jahr 2010 gelang das im ersten Jahr 28,1 Prozent der Fondsmanager. Den Markt zwei Jahre lang zu schlagen schafften gerade noch 10,7 Prozent, auf Sicht von drei Jahren nur 5,1 Prozent der Fondsmanager.

Bereits in den siebziger Jahren fragten sich Investoren, ob angesichts solcher Daten, die sicherlich damals auch nicht besser waren, aktives Management überhaupt sinnvoll und effizient ist. Zumal aktives Management infolge eines umfangreichen Researchs und häufiger Trades erheblich teurer ist als passives Investieren, bei dem nur bestimmte Märkte über Indizes abgebildet werden.

Aufteilung des Depots in Kern- und Satelliten-Anteil

Jack Treynor und Fischer Black wollten im Jahr 1973 nachweisen, dass Wertpapieranalyse und -selektion bei richtiger Implementierung trotzdem einen positiven Wertbeitrag in einem diversifizierten Portfolio nach dem Vorbild der Portfoliotheorie des US-Ökonomen Harry M. Markowitz leisten können.

In ihrem Beitrag entwickelten sie dabei die Grundlagen für die Core-Satellite-Strategie. Danach sollten Depots stets in ein passiv verwaltetes Core- und ein aktiv verwaltetes Satellite-Portfolio aufgeteilt werden. Damit wird den unterschiedlichen Aufgaben eines Vermögensmanagements Rechnung getragen – einerseits der Bewahrung des Vermögens zur Bedienung alltäglicher Verbindlichkeiten, andererseits der Vermehrung des Vermögens.

Kerninvestment als Sicherheitsanker

Als Core-Anteil bezeichnet man die eigentlichen Kerninvestments im Depot. Mit diesem Anteil soll langfristig das Vermögen erhalten werden. Dies erfolgt durch eine möglichst breite Diversifikation über alle Anlageklassen und Anlageregionen hinweg, um so den weltweiten Finanzmarkt abzubilden. Der Anleger kommt so letztendlich in den Genuss der weltweiten Marktrendite. Aktives Management ist hier nicht angebracht, vielmehr wird dies durch indexnahe Investments ermöglicht.

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Besonders ETFs eignen sich hierfür durch ihre breite Abbildung ganzer Märkte. Sie sind wesentlich kostengünstiger als aktive Publikumsfonds, börsentäglich handelbar, häufig sehr liquide und auch transparent. Da der Core-Anteil dem langfristigen Kapitalerhalt dient, sollte dieser Anteil stets auf maximale Sicherheit bedacht sein. Für institutionelle Investoren gelten daher bei reinen Core-Investments auch die meisten restriktiven Regelungen.

Gesetzt wird dabei vor allem auf die Buy-and- Hold-Strategie, bei der man langfristig nach der Devise des einstigen Börsengurus André Kostolany investiert: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich“. Mit Einzelaktien ist ein solches Verfahren heutzutage sicherlich äußerst riskant. Breit diversifiziert über ganze Märkte ist dieses Verfahren für reine Core-Investments aber immer noch sinnvoll. Um Verlustrisiken so gering wie möglich zu halten – auch breit diversifizierte Indizes können einmal einen deutlichen Kurseinbruch erleben, wie die vergangenen Jahre zeigten –, sollten die jeweils gewählten passiven Investments zueinander eine geringe Korrelation aufweisen. Bricht ein Markt ein, wird dann der Verlust durch mögliche Gewinne in einem anderen Markt aufgefangen. Ein Blick auf die Korrelationstabelle lohnt sich.

Satelliten als Renditeturbo

Ähnlich wie in unserem Sonnensystem, in dem die Planeten die Sonne umkreisen, soll das eigentliche Kerninvestment von verschiedenen Satelliten- Investments umgeben sein. Anders als die Core-Investments sorgen sie nicht für den Kapitalerhalt, sondern für die Vermögensvermehrung. Sie sind sozusagen der Renditeturbo im Depot. Hier ist aktives Management gefragt.

Es ist also die Spielkomponente, bei der man all seine Investmentideen umsetzen kann. Dabei kommt es vor allem darauf an, kurzfristige Chancen entweder selbst oder mithilfe von guten Fondsmanagern oder Vermögensverwaltern am Markt zu erkennen und diese möglichst effektiv ohne größere Restriktionen zu nutzen.

Möglich ist hier alles, was renditeträchtig erscheint. Ziel der Satelliteninvestments ist es, den Markt zu schlagen – sei es durch das Herausfinden wenig beachteter, unterbewerteter Einzelwerte oder Nischenmärkte oder auch durch den Einsatz spekulativer Investments wie Hebelprodukte. Spezialwissen wie Kenntnisse in der Chart- oder Fundamentalanalyse, der Bewertung von Märkten oder Branchen sowie Kontakte zu Spezialisten sind besonders hilfreich.

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Markteffizienzgrad als Entscheidungskriterium

Maßstab für die jeweilige Zuordnung zum Coreoder Satelliten-Anteil des Depots ist laut der von Treynor und Black formulierten Strategie der jeweilige Effizienzgrad eines Marktes. Dabei beruft er sich auf die Einstufung des US-Wirtschaftswissenschaftlers und Nobel-Gedenkpreisträgers Eugene Francis Fama. Demnach sind Märkte als besonders effizient einzustufen, wenn sie nicht nur alle relevanten Informationen aus der vergan- genen Marktentwicklung eingepreist haben, sondern auch alle öffentlich verfügbaren oder nur Insidern zugänglichen Informationen. Je effizienter ein Markt ist, desto schwieriger ist es selbst für einen hochdotierten Finanzstrategen, den Markt zu schlagen – denn alle Informationen sind dann bereits im Kurs enthalten.

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Es macht also keinen Sinn, in hocheffizienten Märkten Fondsmanager einzusetzen. Man bildet diese besser wesentlich kostengünstiger über ETFs ab. Das gilt beispielsweise für die großen Blue-Chip-Aktienindizes der westlichen Industriestaaten wie DAX, EURO STOXX 50, Dow Jones, S&P 500 oder Nikkei. Für Satelliten-Investments bieten sich hingegen vorrangig weniger effiziente Märkte an, für die Expertenwissen erforderlich sind. Das können bestimmte Small-Cap-Aktien sein, für die geringere Transparenzanforderungen gelten, oder auch illiquide Nischenmärkte in den Emerging Markets.

Bezüglich der Gewichtung von Core- und Satelliteninvestments gehen die Vorstellungen auseinander. Sie hängen auch in einem gewissen Grad vom jeweiligen Risikoprofil des Anlegers ab. Als Faustregel gilt für eine ideale Aufteilung 80 Prozent (Core) zu 20 Prozent (Satelliten). Die Gewichtung bei den Satelliten kann aber im Einzelfall auf bis zu 30 bis 40 Prozent ansteigen.

Verschiedene Kern-Investments von der Stange

Für Anleger, die kostengünstig ohne eigenen Aufwand ein passives Core-Instrument nutzen möchten, kreierten einige Anbieter spezielle ETF-Anlagelösungen, die langfristig breit gestreut passiv in viele Anlageregionen investieren. Eine davon ist ARERO – der Weltfonds (WKN: DWS0R4), der die wichtigsten Aktien-, Renten und Rohstoffmärkte abbildet. 60 Prozent der Gewichtung entfallen dabei auf den Aktienmarkt, 25 Prozent auf den Rentenmarkt und 15 Prozent auf Rohstoffe. Alljährlich im Februar eines Jahres erfolgt ein Rebalancing an diese ursprüngliche Gewichtung. Die Strategie wird über Swaps synthetisch im Fonds nachgebildet.

Eine Alternative ist der db x-trackers-Portfolio Total Return ETF (WKN: DBX0BT). Hierbei handelt es sich nicht um einen ETF-Dachfonds, sondern um einen ETF auf einen breit diversifizierten Index, der ebenfalls synthetisch über Swaps abgebildet wird. Sowohl der Aktien- als auch der Rentenanteil kann je nach Marktlage zwischen 30 und 70 Prozent schwanken. Die Anpassung des Index erfolgt quartalsweise.

Seit Kurzem gibt es die easyfolio-Strategien, drei passive ETF-Strategien im Fondsmantel. Das Besondere: Die easyfolios investieren über ETFs mit physischer Replikation in die wichtigsten Märkte aus dem Aktien- und Anleihebereich. Das heißt, alle Wertpapiere sind auch tatsächlich in den ETFs vorhanden. Das Konzept setzt, wie der Name schon sagt, auf Einfachheit und Transparenz für den Anleger. Anleger können je nach Anlegerprofil zwischen Strategien mit einem Aktienanteil von 30 Prozent (WKN: EASY30), 50 Prozent (WKN: EASY50) und 70 Prozent (WKN: EASY70) wählen.

Bei den easyfolio-Strategien (www.easyfolio.de) erfolgt bis zu viermal pro Jahr ein Rebalancing. Die Kosten betragen inklusive der ETF-Kosten unter einem Prozent pro Jahr. Eine Umschichtung in eines der anderen easyfolios ist jederzeit möglich. Zudem bieten die Direktbanken DAB Bank, CortalConsors, 1822direkt ( Zum Testbericht), Maxblue ( Zum Testbericht) und die OnVistaBank kostenfreie Sparpläne an.