Silber gilt derzeit als extrem unterbewertet

Silber, auch das Gold des kleinen Mannes genannt, steht derzeit ganz besonders im Fokus  der Anleger. Nachdem der Goldpreis lange Zeit deutlich nach oben ging und allein bis Mai um 13 Prozent gestiegen ist, so verlor Silber bis zum gleichen Zeitpunkt um gut vier Prozent an Wert. Der Grund: Silber ist nicht wie Gold allein Edelmetall, sondern als eine Art Hybridinvestment vor allem auch Industriemetall. So wurden im vergangenen Jahr 58 Prozent der vorhandenen Silbervorräte zur Fertigung von Industriegütern wie Schalter, Kontakte und Sicherungen in Elektrogeräten, Elektronikgeräte, Batterien, Hart- und Weichlöten, erneuerbare Energien sowie Kernkraftwerke genutzt. Immer stärker findet Silber aber auch in Hochtechnologien seine Anwendung wie Radiofrequenz-Identifikatoren (RFID-Funkchips) mit revolutionären Anwendungsgebieten in nahezu allen Lebensbereichen oder Hochtemperatur-Supraleitern. Bei Konjunktureinbrüchen wie derzeit in der Coronapandemie reagiert dann Silber vermehrt als Industriemetall. 

Silber gilt derzeit als extrem unterbewertet

Zwar sind die Silberlager derzeit angesichts der derzeitigen Konjunkturkrise noch prall gefüllt, trotzdem halten viele Edelmetall-Experten das Edelmetall Silber für deutlich unterbewertet. So könnte laut Prognosen von Wisdomtree der Silberpreis bis Ende des Jahres auf 26,50 US-Dollar pro Feinunze steigen. Die Analysten der Bank of America sehen im kommenden Jahr einen Preis von 23 US-Dollar. Und einige Finanzinstitute setzen angesichts der immensen Verschuldung zunehmend auf Silber, allen voran die US-Bank J.P. Morgan, die über eine der weltweit größten Reserven an diesem Edelmetall hält. Der Grund: Ebenso wie Gold sind die Silbervorräte anders als Papiergeld stark limitiert und Silber kommt in der Erdkruste lediglich 15,5 mal soviel vor wie Gold. Oberirdisch ist das weisslich glänzende Metall sogar seltener. Seit Jahrtausenden wird daher Silber als wertvolles Metall für Schmuck und als Zahlungsmittel genutzt.

Extrem hohe Gold-Silber-Ratio spricht vor allem für Silber

Was aktuell aber vor allem für Silber spricht ist die sogenannte Gold-Silber-Ratio, sprich das Verhältnis von  Gold- zum Silberpreis (Goldpreis geteilt durch Silberpreis. Und diese Ratio dient in der Regel zur Bewertung, wie lukrativ das Edelmetall bewertet ist. Dieses ist sehr volatil und schwankt in der Regel zwischen 1:20 und 1:90. Aktuell hat die Ratio diese extrem breite Schwankungsbreite sogar verlassen und beträgt nahezu 1:100. Daher gilt Silber derzeit vielfach als extrem unterbewertet. Zuletzt konnte so auch der Preis von Silber schneller zulegen als der von Gold. 

Silber überdauert Krisen

Ein großer Vorteil von Silber ist die Erschwinglichkeit des Edelmetalls auch für weniger Betuchte. Und dies bei ähnlicher Wertbeständigkeit im Krisenfall. Anders als Gold kann man in Krisenzeiten damit auch Dinge des alltäglichen Lebens kaufen. Wer mag beim Bauern schon mit einer Unze Gold Kartoffeln oder beim Bäcker Brot kaufen? Dafür benötigt man allerdings aufgrund der geringeren Dichte von Silber größere Depots. Ein weiterer Vorteil: Gewinne sind bei einer Haltefrist von mehr als einem Jahr wie bei Gold steuerfrei.

Silber ist mehrwertsteuerpflichtig

Ein Nachteil gegenüber Gold ist jedoch, dass beim Kauf, anders als beim Gold,  Mehrwertsteuer erhoben wird. Insofern bietet sich Interessierten derzeit angesichts der zwischenzeitlichen Senkung des Mehrwertsteuersatzes von bisher 19 auf 16 Prozent ein zusätzliches Schnäppchen. Wer die Mehrwertsteuer komplett sparen möchte, für den bleibt nur die Möglichkeit, Silberbarren im Ausland zu kaufen. Einige Anbieter bieten so das Lagern des Edelmetalls in sogenannten Zollfreilagern an, bei dem das Silber sowohl im Ausland gekauft als auch gelagert wird. Bei physischer Auslieferung nach Deutschland wird dann aber die Steuer fällig.   

ETCs auf Silber

Anleger, die allein auf die Wertentwicklung des Silberpreises setzen möchten, haben derzeit die Auswahl zwischen zahlreichen Angeboten von ETCs auf Silber. Besonders beliebt bei Silber-Interessierten ist der Wisdomtree Physical Silver ETC (WKN: A0N6XJ) mit einem Fondsvolumen von insgesamt 1,285 Milliarden Euro. Der Silber-ETCs beruht auf dem Spotpreis der Londoner Edelmetallbörse LBMA. Der ETC wird physisch mit Silber besichert, um somit das Emittentenrisiko von ETCs als Inhaberschuldverschreibungen zu minimieren. Die Gesamtkostenquote des ETC beträgt 0,49 Prozent.