So hat mich meine Frau zum Investieren mit ETFs gebracht – und ich danke ihr dafür!

Ich war ein Trader und Stock Picker. Nun lege ich breit gestreut in ETFs an – und die Volatilität meines Portfolios ist erheblich gesunken. Zum Investieren mit ETFs brachte mich ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben: meine Frau!

Mein Weg an die Börse war alles andere als vorbildlich. Gier, Stress und falsche Freunde – anstatt auf Geduld zu setzen, wollte ich die Erfolge meiner Idole kopieren. Und das möglichst schnell, ohne Zeit zu verlieren. Auch ein Wirtschaftsstudium in Frankfurt änderte nichts an meiner Philosophie. Vielmehr verstärkte die kompetitive Umgebung im deutschen Bankenviertel den Drang nach mehr. Wir spielten nicht mit virtuellem, sondern echtem Geld.

Weder Warren Buffet, noch Eugene Fama oder John Bogle waren mir als Lehrer so hilfreich wie meine Frau. Mit ihr begann vor einigen Jahren ein disruptives Umdenken, dass meine heute Anlagephilosophie prägt. Was genau passiert ist und welche Lehren Sie daraus ziehen können, zeige ich Ihnen in diesem Beitrag.

Vorher: Aktives Trading und Stock-Picking

Zum Investieren inspiriert hat mich Benjamin Graham. Seine Bücher habe ich bereits im Jugendalter gelesen. Mein Ziel war damals kein langfristiger Vermögensaufbau. Das Konzept der Rente war mir bekannt, das sinkende Rentenniveau auch. Mein Fokus lag vielmehr darin, Unternehmen zu finden, mit denen ich den Markt schlagen kann. Dabei habe ich im Stile vieler Value-Anleger Fundamentaldaten analysiert – bis zu 12 Stunden pro Tag. In meinen ersten zwei Jahren erzielte ich eine durchschnittliche Jahresrendite von knapp 45 Prozent.

In 2017 kam dann der Absturz. Ich verlor große Teile meiner Gesamtrendite aus den vorherigen Jahren. Mein Portfolio war wenig diversifiziert, da ich der Überzeugung war, dass ein solides Unternehmen (zumindest auf Basis der Kennzahlen) nicht scheitern würde. Das war ungefähr in dem Zeitraum, in dem ich meine Frau kennenlernte, die ebenfalls seit einigen Jahren an der Börse investierte. Im Gegensatz zu mir, verfolgte sie jedoch ein anderes System.

Anstatt nach unterbewerteten Unternehmen zu suchen, lag ihre Philosophie darin den Gesamtmarkt zu folgen – Stichwort: ETFs. Außerdem schaut sie selten auf ihre Depotentwicklung. Einmal im Jahr werden Bilanz gezogen und Anpassungen an der Gewichtung vorgenommen. Eine kleine Revolution für jemanden wie mich, der um jeden Preis den Markt schlagen wollte.

Nachher: Passives Investieren mit ETFs

Nach viel Research bei führenden Universitäten (Harvard, Yale, Cambridge, LSE) kam ich zum Schluss, dass kaum Daten existieren, die zeigen, dass aktives Fondsmanagement reinen Indexing-Strategien überlegen sind. Selbst renommierte Fondsgesellschaften gelang es nur im seltensten Fall. Je länger der Anlagezeitraum, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit einer Überperformance. Rund 95 Prozent aller Fondsmanager in den USA unterliegen dem Markt. Wozu dann die ganze Mühe, Kosten und Stress, wenn man der Markt „unschlagbar“ ist?

Es begann ein Umdenken. Ich schichtete einen Großteil meines Portfolios auf ETFs um. Das neue Ziel: Den gesamten Aktienmarkt abbilden und um weitere Anlageklassen ergänzen, um ein robustes und gleichzeitig wachstumsstarkes Portfolio aufzubauen. Von meiner Frau wurde ich zur Core-Satellite-Strategie überzeugt. Den Kern unserer Altersvorsorge (85 Prozent des Depots) bildet ein breit gestreutes ETF-Portfolio (Aktien, Anleihen, Gold und Immobilien). Um diesen Portfolio-Kern herum investieren wir seitdem in Einzelaktien, die einerseits fundamental solide sind und mit denen wir irgendeine Form von persönlicher Bindung haben – damit reduzieren wir Impulsreaktionen.

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Wie hat sich die Performance entwickelt?

Ein Performance-Vergleich zwischen der neuen und alten Anlagephilosophie ist aufgrund des zu engen Zeitraums nicht möglich. Es besteht keine signifikante Datenbasis. Was sich zeigt ist jedoch, dass die Volatilität erheblich gesunken ist. Mein maximaler Drawdow lag in den letzten 4 Jahren bei 16 Prozent. Vorher lag dieser bei 57 Prozent. Auch der Stresslevel ist gesunken. Früher verging kaum eine Stunde ohne Depot-Login, um meine Depotentwicklung zu tracken. Heute führen wir alle sechs Monate einen Depot-Check durch.

Der Reiz, den Markt zu schlagen, motiviert uns zu emotionalen und vorschnellen Entscheidungen. Diese Gier macht uns anfällig für impulsive und naive Anlageentscheidungen. Wer mit dem Investieren startet, sollte mit einem Verständnis für Risiko beginnen. Lernen Sie dabei nicht nur, was Volatilität ist, sondern vor allem wie viel Sie davon ertragen können. Das bestimmt Ihre Anlagestrategie. Dieses Umdenken macht mich heute zu einem wesentlich gesünderen Investor – meiner Frau sei Dank.

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Fazit: Lasst uns von Frauen lernen

Es existieren ausreichend Studien, die nachweisen, dass Frauen die besseren Investoren sind. Erst in 2019 zeigt die Consorsbank *, dass Frauen zwar eine geringere Aktienquote als Männer haben – dafür jedoch wesentlich geduldiger sind. Auch Flossbach von Storch kam zu ähnlichen Ergebnissen. Frauen sind grundsätzlich (noch) risikoscheuer als Männer und greifen weniger zu kapitalmarktbasierten Geldanlagen.

Sind sie jedoch einmal an der Börse aktiv, dann sind sie schwer zu schlagen. Geduld, ein Verständnis für Zeit und eine durchdachte Auswahl von Investments sorgen in Summe für überdurchschnittliche Anlageerfolge, von denen Männer noch einiges lernen dürfen. Lernen Sie aus meiner Geschichte, versuchen Sie finanzielle Gier zu minimieren und verbringen Sie mehr Zeit mit den wichtigen Dingen im Leben als vor Ihrem Depot. Sie leben nicht nur erfolgreicher, sondern auch gesünder.

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