Von Katja Brauchle4. August 2022
S&P 500 erholt sich deutlich: Liegt der Bärenmarkt jetzt hinter uns?

S&P 500 erholt sich deutlich: Liegt der Bärenmarkt jetzt hinter uns?

Der S&P 500 gehört zu den wichtigsten Indizes der Welt. Im Juni 2022 erlebte er eine deutliche Talfahrt und trat in den Bärenmarkt. Doch wo stehen wir heute?

Schlimmste Befürchtungen wurden laut, als der S&P 500 und der MSCI World am 13. Juni 2020 unter die 20-Prozent-Verlustmarke fielen – 21,8 und 21,6 Prozent von ihren jeweiligen Hochs entfernt. Ist er jetzt also endgültig da, der Börsencrash, den mancher Experte seit Monaten heraufbeschwor? Corona, Inflation und Krieg, jetzt die Zinswende, das alles hat auch den Finanzmärkten geschadet und Anlegerinnen und Anleger verunsichert.

Eine kurze Geschichte der Bärenmärkte

Wie lange ein Bärenmarkt anhält, lässt sich weder vorher noch währenddessen sagen. Betrachtet man die Börsengeschichte, so dauerten die kürzesten Phasen etwa drei Monate, so zum Beispiel im Herbst 1987, als es zum ersten Börsencrash nach dem zweiten Weltkrieg kam. Am 19. Oktober fiel der S&P 500 innerhalb eines Tages um 20,47 Prozent (der Dow Jones um 22,6 Prozent).

Insgesamt verdichteten sich bereits seit August 87 die Zeichen für eine Hausse. Boden erreichten die Kursverluste schließlich Anfang November. Ab diesem Zeitpunkt erholte sich der Markt wieder – wenn auch langsam. Der S&P 500 verlor während dieser Phase übrigens insgesamt 33,5 Prozent.

Der längste Bärenmarkt fand während der Großen Depression statt, also während der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren in den USA. Er begann mit dem Schwarzen Donnerstag (in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung als Schwarzer Freitag bekannt), der als wohl folgenreichster Börsentag aller Zeiten in die Geschichte eingegangen ist. Nach Wochen angespannter Stimmung und bereits deutlichen Kursrückgängen kam es am 24. Oktober 1929 an der Wall Street schließlich zum großen Börsencrash – endgültig brachen die Märkte jedoch erst am folgenden Dienstag, dem 29. Oktober 1929, ein.

Der anschließende Bärenmarkt dauerte 2,8 Jahre und erreichte den Tiefstpunkt am 8. Juli 1932. An diesem Tag lag der Dow Jones 89,19 Prozent unter seinem Höchststand vom 3. September 1929. Übrigens: Diesen Rekordwert von 381,17 Punkten übertraf der Index erst wieder am 23. November 1954.

Zeit für den Winterschlaf?

Für den aktuellen Bärenmarkt hat dieser Ausflug in die Historie natürlich wenig Aussagekraft, er zeigt nur: Wie lange es dauert, lässt sich nicht vorhersagen. Der Juli 2022 war für den S&P 500 der stärkste Monat seit November 2020. Das lässt jedenfalls hoffen. Experten sind sich uneins. Tom Lee, Mitbegründer und Leiter Research beim Analysehaus Fundstrat gibt yahoo! gegenüber an, die Talsohle sei erreicht und der Bärenmarkt vorbei. „Wenn schlechte Nachrichten die Märkte nicht zum Einsturz bringen, ist es für die Anleger an der Zeit, eine neue Bewertung vorzunehmen.“ Der S&P 500 könnte, so Lee, schon bald auf neue Rekordhöhen steigen.

Anders sieht das laut Wallstreet:online beispielsweise Solita Marcelli, CIO bei UBS Wealth Management. Das Unternehmen betrachte die jüngste Rally „eher als Bärenmarkt-Pullback denn als Wendepunkt für die Märkte. Fundamental hat sich das Bild nicht geändert“.

Einen Tiefpunkt ausrufen möchte auch die Leiterin der Abteilung für Aktien und quantitative Strategien bei der Bank of America Securities, Savita Subramanian, derzeit noch nicht. Das sei verfrüht. Aus ihrer Erfahrung endeten Bärenmärkte immer nach der Fed-Senkung, welche wohl noch mindestens sechs Monate entfernt sei.

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Weiterhin abwarten

Welcher der Experten am Ende recht behält, wird sich zeigen. Für Anlegerinnen und Anleger gilt weiterhin, abzuwarten und sich darauf einzustellen, dass die schwierige Börsenphase noch nicht überstanden ist. Zu viele Unsicherheiten bestimmen nach wie vor die Gesamtsituation.

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