Star Market: Ist Chinas Nasdaq 100 besser als das Original?

Der chinesische Star Market ist eine junge Erfolgsgeschichte. In den USA steht bereits ein erster ETF in den Startlöchern. Auch deutsche ETF-Anbieter zeigen Interesse. Was taugt der Nasdaq-Konkurrent aus China? 

Die Technologiebörse Nasdaq steht seit vielen Jahren für Wachstum und Dynamik. Seit 2019 hat nun auch China seine Zukunftsbörse: Der Star Market in Shanghai bietet jungen Unternehmen, die zwar eine große Perspektive haben, aber noch keine Gewinne machen, eine Heimat.

Da Chinesen traditionell konservativ sind, wenn es um die Bewertung von Unternehmen geht, sollte das neue Segment von Anfang an eher für die Zukunft, denn für die Gegenwart stehen. Das hat bislang auch sehr gut geklappt. Wie das Fachmagazin Euromoney bereits während der Hochphase der europäischen Pandemie meldete, zog der Star Market in seinen ersten Monaten mehr Kapital an als jeder andere Aktienmarkt in China.

Obwohl der Star Market im Gegensatz zu anderen chinesischen Börsen auch Unternehmen annimmt, die rote Zahlen schreiben, gilt der Markt in anderer Hinsicht als transparenter. Bereits während eines Börsengangs entspricht die Preisfindung eher dem Prinzip der US-Tech-Börse als den intransparenten Verfahren anderer Börsenplätze in China.

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L&G: „Star Market und China im Allgemeinen interessant“

Aktuell sind bereits mehr als 100 Unternehmen im Star Market gelistet. Mit dabei sind Hersteller von Computer-Hardware, IT-Dienstleister, Hersteller von Spezialausrüstung und auch Pharmaunternehmen. Das Ziel des Star Market ist klar: Aussichtsreiche Unternehmen finanzieren – und China in wichtiger Zukunftstechnologie voranbringen. Auch für Investoren könnte sich der Star Market lohnen. 2020 legten die 50 größten Titel des Börsensegments bereits um rund 40 Prozent zu – und performten damit besser als das Original aus den USA.

Aktuell bemühen sich Asset Manager aus China und den USA bereits, ETFs auf den Star 50 aufzulegen. In den USA erwartet der ETF-Emittent KraneShares die Genehmigung der Behörden und plant, den Index mit einer Gesamtkostenquote von 0,99 Prozent abzubilden. Auch deutsche Emittenten könnten sich vorstellen, den Markt für Anleger investierbar zu machen.

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Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale Sales Germany, Legal & General Investment Management, sieht aktuell zwar einige Unsicherheit im Markt, ist aber aufgeschlossen: „Grundsätzlich ist LGIM immer daran interessiert, innovative ETF-Lösungen auf wachsende Märkte oder Themen aufzulegen. Der Star Market und China im Allgemeinen ist aus Makrosicht ein interessanter Markt“, so Königsmarck und verweist auf das nach der Krise bereits wieder rasante Wirtschaftswachstum in China. LGIM hat sich in Deutschland in erster Linie mit Themen-ETFs einen Namen gemacht. Beispiele sind der L&G Cyber Security (WKN: A14ZT8) oder der L&G Ecommerce Logistics (WKN: A2H5GL).

Vanguard: Breite Diversifikation statt Nische

Obwohl der Star Market mit attraktiven Renditen lockt, verweist Königsmarck auf Risiken im Zusammenhang mit China-Investments, wie etwa der schwelende Handelskrieg und die politischen Interventionen rund um Huawei oder die geplante Übernahme von TikTok. Gerade an einer Wachstumsbörse, die von spekulativem Kapital getrieben ist, könnte eine sich verändernde politische Großwetterlage Risiken mit sich bringen.

Ganz praktische Überlegungen lassen Chris Hofmann, Senior Sales im Team Vanguard Deutschland & Österreich vom chinesischen Star Market Abstand nehmen: „Breite Diversifikation ist eines der vier Leitprinzipien von Vanguard für eine erfolgreiche Vermögensanlage“, so die ETF-Expertin. Aus diesem Grund sind unsere Produkte alle so breit wie möglich diversifiziert, wie zum Beispiel unser Vanguard FTSE All World Ucits ETF zeigt, der um 3400 unterliegende Werte hat. ETFs auf Nischen wird es daher bei Vanguard in dieser Form nicht geben“, sagt Hofmann.

ETF auf Star Market dürfte Käufer finden

Während Anleger aus China und den USA schon bald mittels eines ETF in den Star Market 50 investieren können, dürfte es in Deutschland noch eine Weile dauern, bis ein Emittent diese Nische für sich entdeckt. Vor allem die anstehende US-Präsidentschaftswahl dürfte die Entscheider noch abwarten lassen.

Macht allerdings Joe Biden das Rennen und stehen die Zeichen zwischen den USA und China wieder eher auf Annäherung, könnte ein ETF auf den Star Market schon bald realistisch werden. Auch wenn ein derartiges Produkt für den langfristigen Vermögensaufbau nicht zwingend nötig ist, dürfte es von Seiten taktisch-orientierter Investoren doch Käufer finden.

Jahresrenditen für NASDAQ 100 ETFs

Die Tabelle listet die Rendite der NASDAQ 100 ETFs für verschiedene Jahre auf. Die Renditen sind in EUR berechnet.

ETF-Name202020192018201720162015
Amundi Nasdaq-100 UCITS ETF+22,56+41,40+4,65
Invesco EQQQ NASDAQ-100 UCITS ETF+22,46+41,37+4,58+16,29+9,97+21,67
iShares NASDAQ 100 UCITS ETF+22,37+41,32-10,15
iShares NASDAQ-100 UCITS ETF (DE)+22,28+42,14+3,70+16,03+8,31+21,63
Lyxor Nasdaq-100 Ucits ETF+22,51+41,39