Studie: Warum Profi-Investoren immer mehr auf Faktor-ETFs setzen

Faktor-ETFs bieten viele Vorteile. Immer mehr Profianleger erkennen diese und setzen Faktor-ETFs im Portfolio ein. Was Privatanleger von den Profis lernen können. 

Die Nutzung von Faktor-ETFs hat in den vergangenen zwölf Monaten weiter zugenommen: Die meisten institutionellen Investoren nutzen inzwischen ETFs, die im Schnitt 14 Prozent ihrer Faktorportfolios ausmachen. Im Wholesale-Segment werden ETFs von mehr als zwei Dritteln der Investoren genutzt und machen rund die Hälfte der Faktorportfolios aus. Das zeigt die fünfte Invesco Global Factor Investing Studie, deren Ergebnisse nun von Invesco veröffentlicht wurden. 

In diesem Jahr berichten 65 Prozent der institutionellen Investoren und 67 Prozent der Wholesale-Investoren, dass ihre Faktorallokationen ihre Performance-Erwartungen in den zwölf Monaten vor der Befragung erfüllt oder übertroffen haben. „Trotz des außergewöhnlichen Umfelds und der niedrigeren Renditen einiger Faktoren in den letzten beiden Jahren haben sich Faktorstrategien wie erwartet entwickelt und die Einstellungen gegenüber dem Factor Investing sind weiterhin sehr positiv“, berichtet Georg Elsässer, Senior Portfolio Manager, Quantitative Strategies bei Invesco.

Faktor-ETFs im Fokus

„Faktorbasiertes Anlegen hat sich ganz klar etabliert und wird von immer mehr Investoren aller Größenordnungen genutzt. Dabei sollte betont werden, dass Faktoranleger langfristig anlegen. Sie gehen pragmatisch mit kurzfristiger Volatilität um, weil sie überzeugt sind, dass Faktorprämien langfristig überdurchschnittliche Renditen liefern“, sagt Elsässer. Die meisten Investoren glauben laut Elsässer auch nach zehn schwierigen Jahren für Value-Investoren an den Value-Faktor und betrachten sein unterdurchschnittliches Abschneiden als temporäres Phänomen betrachten.

Für Wealth Manager sind ETFs gewöhnlich das Instrument der Wahl, um Faktorengagements umzusetzen: Der durchschnittliche Anteil dieser Produkte an den Faktorallokationen liegt hier bei drei Viertel. Die Befragten, die in faktorbasierte passive Indexstrategien investieren, schätzen ETFs insbesondere für ihre einfache Anwendung und günstigen Kosten.

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97 Prozent wollen Faktoransatz ausbauen

Bei derartigen ‚Enhanced‘- oder ‚Smart Beta‘-Strategien bevorzugen die Investoren transparente, regelbasierte Produkte, mit denen sie ihre Risiko-Ertrags-Ziele besser erreichen können als durch marktgewichtete Allokationen. Zudem stellt die Invesco-Studie fest, dass ETFs zunehmend dazu verwendet werden, aktive Faktorstrategien umzusetzen.

Einige Investoren geben an, auf ETFs umgestiegen zu sein, nachdem sie faktorbasierte Ansätze zuvor über Swaps oder andere über eine Investmentbank gehandelte Derivate umgesetzt hatten. Im Vergleich zu diesen Vehikeln überzeugen ETFs mit ihrer höheren Transparenz. Bei einigen Investoren ist die Umstellung auf ETFs zudem durch zusätzliche Transparenzanforderungen aufgrund neuer oder strengerer ESG-Vorgaben bedingt. 

Wie die fünfte Invesco Global Factor Investing Studie zudem zeigt, wollen 97 Prozent der Faktoranleger ihre Faktorallokationen in den nächsten zwölf Monaten stabil halten oder ausbauen. Der Anteil der Investoren, die höhere Allokationen in Faktorstrategien erwägen, ist in der Region EMEA größer (47Prozent) als in Nordamerika (31Prozent) oder Asien-Pazifik (44Prozent).

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Mehrertrag mit Faktor-ETFs

Ein Grund für die höheren Faktorallokationen im Vergleich zum Vorjahr sind die zunehmend breiten Anwendungsbereiche für Faktor-ETFs, zum Beispiel in zusätzlichen Anlageklassen wie Anleihen. Außerdem wird das Faktorengagement schrittweise ausgebaut. So nutzen in diesem Jahr so viele institutionelle und Wholesale-Investoren wie noch nie Faktorstrategien in ihrer Anleihenallokation.

An den globalen Aktienmärkten konnten mit Momentum-, Quality- und Low-Volatility-Faktoren im Betrachtungszeitraum generell Mehrerträge erzielt werden. Dagegen entwickelten sich der Value- und der Small-Size-Faktor schlechter als der Markt. Beide wurden durch die hohe Verschuldung und die Liquiditätssorgen besonders belastet, vor allem zu Beginn des Befragungszeitraums, als viele Unternehmen versuchten, sich zusätzliches Kapital zu beschaffen, um Covid-19 zu überstehen.

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Faktor-ETFs auch im Anleihenbereich gefragt

Wie die fünfte Global Factor Investing Studie von Invesco feststellt, ist der Anteil der institutionellen und Wholesale-Investoren, die Faktorstrategien für ihre Anleihenallokation nutzen, so hoch wie nie zuvor. Zwei Fünftel (40Prozent) geben an, Faktoransätze für Zinsanlagen zu nutzen; mehr als ein Drittel zieht dies aktiv in Betracht. Nur 17 Prozent der institutionellen Investoren sagen, dass dies für sie aktuell kein Thema ist.

Im Vergleich zu 2018 ist der Anteil der Befragten, die der Ansicht sind, dass sich Faktor-ETFs auch für Zinsanlagen eignen, von 59 Prozent auf 95 Prozent gestiegen. Damit hat sich diese Überzeugung fast komplett durchgesetzt. Die befragten Investoren halten Anleihenanlagen für gut geeignet für faktorbasierte Ansätze. 63 Prozent sind der Ansicht, dass Faktoren hier genauso bedeutend sind wie im Aktienbereich. „Die Investoren sehen eindeutige Chancen aufgrund der Marktregeln oder -beschränkungen im Anleihenbereich“, erklärt Elsässer.

Für die Studie, die umfangreichste ihrer Art, wurden Interviews mit 138 institutionellen und 100 Wholesale-Investoren geführt, die bereits in Faktorstrategien investieren und zusammen ein Anlagevermögen von mehr als 25 Billionen US-Dollar betreuen. Die Interviews wurden im April und Mai 2020 vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie und der dadurch bedingten extremen Marktturbulenzen per Video und Telefon durchgeführt.