Superzyklus bei Rohstoffen – Chance oder Risiko für die Aktienmärkte?

Die aktuelle Marktlage könnte der Beginn eines neuen Superzyklus an den Rohstoffmärkten sein. Viele Analysten sehen einen starken Aufwärtstrend. Welche Folgen hat das für die Aktienmärkte?

Minus 40 US-Dollar! Das war für einen Abend der Preis für ein Barrel Rohöl im April 2020. Knapp ein Jahr später schwankt der Preis um die 60 US-Dollar und notiert damit über 100 US-Dollar höher. Aber auch abseits des Ölmarktes steigt die Nachfrage und damit auch die Preise für Industrierohstoffe deutlich. So schrieb das Manager Magazin am 22. März: „Rohstoffmangel bremst Elektro-Euphorie“.

Die aktuelle Marktlage wird von vielen Marktbeobachtern schon als der Beginn eines neuen „Superzyklus“ an den Rohstoffmärkten angesehen. Das besondere an einem solchen Superzyklus ist, dass man darunter eine sehr lange Phase steigender Preise versteht. Selbstverständlich gibt es während dieser Phase immer wieder Rückschläge, aber der Trend der Preise ist insgesamt positiv. Hinzu kommt, dass ein solcher Zyklus sich nicht nur auf einzelne Rohstoffe bezieht, sondern auf den breiten Rohstoffmarkt.

Gründe für den Superzyklus

Die Gründe für den Aufschwung an den Rohstoffmärkten sind vielfältig, aber als das stärkste Argument können die weltweit angelaufenen Impfkampagnen angesehen werden, die ein Ende der Coronapandemie absehbar erscheinen lassen. Asiens und hier speziell Chinas Wirtschaft sind schon seit einigen Monaten wieder auf einem expansiven Wachstumspfad und damit geht eine steigende Nachfrage nach Industrierohstoffen einher.

Dieser Nachfrageeffekt trifft auf ein begrenztes Rohstoffangebot, das in den vergangenen Monaten währende der Pandemie eher zurückgefahren wurde. Auch die USA scheinen bald wieder mehr Normalität zurückzugewinnen und die Aufholjagd der US-Wirtschaft nimmt Fahrt auf. Die Fed rechnet in ihrem letzten Bericht mit einem sagenhaften Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt sind die Investitionen in die sogenannten „Grünen Technologien“, die einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Diese Technologie ist in besonderem Maße auf Rohstoffe angewiesen und treibt die Preise sehr wahrscheinlich nachhaltig an.  

Als dritten Treiber ist das 2 Billionen-US-Dollar Konjunkturpaket der USA zu sehen. Diese Gelder sollen sehr schnell in den Bau von Straßen, Autobahnen, Ladesäulen und die Instandsetzung maroder Brücken fließen. Alle diese Investitionen benötigen direkt Rohstoffe, um umgesetzt zu werden und werden so preistreibend wirken.

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Rohstoffe als Indikator der Weltwirtschaft

Aber was bedeutet diese Entwicklung für den Kapitalmarktanleger. Grundsätzlich sind die oben genannten Gründe sehr positiv für die Unternehmen, da sie genau dann mehr Rohstoffe für die Produktion benötigen, wenn die Nachfrage auf Kundenseite steigt. Ein damit verbundenes Weltwirtschaftswachstum ist daher sehr positiv für die Gewinnaussichten der Unternehmen und sollten den Aktienmarkt in der Breite unterstützen.

Gleichzeitig erscheinen Alternativanlagen in Zeiten von dauerhaften Niedrigzinsen und Verwahrentgelten auf Konten nicht besonders attraktiv. Der DAX unterstreicht dieses Szenario in den letzten Wochen eindrucksvoll und ist zum Quartalsende auf einen neuen Höchsttand gestiegen. 

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Nur Chancen, keine Risiken?

Also sehen wir auch einen neuen Superzyklus bei den Aktien? Gutmöglich, aber es gibt auch Risiken, die zu bedenken sind. Da wäre vor allem die Sorgen vor einer anziehenden Inflation. Wirtschaftswachstum, steigende Rohstoffpreise, Konjunkturprogramme vieler Regierungen und expansive Geldpolitik der Notenbanken ergeben eine Mischung, die steigende Preise sehr wahrscheinlich werden lässt.

Und genau diese steigenden Preise können dazu führen, dass die Zeit des „billigen Geldes“, bereitgestellt durch die Notenbanken, bald zu Ende geht und den Börsen damit der Sprit für weitere Kurssteigerungen ausgeht. Damit einhergehend, würden die Zinsen für langlaufende Anlagen langsam wieder steigen und eine echte Alternative zu den Aktienanlagen werden.

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Fazit

Wir sehen in der aktuellen Situation deutlich mehr Chancen als Risiken für Kapitalmarktanleger. Der Beginn eines Superzyklus mit steigenden Rohstoffpreisen ist für uns ein Signal, dass die Weltwirtschaft nach Corona dauerhaft in eine Phase des Wachstums übergeht, die von technischer Innovation begleitet wird. Wir erwarten auch, dass die Notenbanken weiterhin expansive Geldpolitik betreiben werden. Dies sollte die Aktienmärkte langfristig unterstützen.

Gleichzeitig bieten sich Chancen, das eigenen Portfolio über Rohstoffinvestments zu diversifizieren. Hier sollte am besten in einen breit streuenden Rohstoff-ETF investiert werden. Bei der Auswahl des geeigneten Produkts sollte darauf geachtet werden, ob es sich bei dem gewählten Investment um einen Index inklusive oder exklusive Agrarrohstoffe handelt. Wir bei Oberbanscheidt & Cie. verzichten bei der Auswahl solcher Rohstoffinvestments ganz bewusst auf die Anlage in Agrarrohstoffe.

Über den Autor: Christian Köpp

Christian Köpp ist Vermögensverwalter und Gesellschafter der Oberbanscheidt & Cie Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH in Kleve.

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