TER oder TD – was die wichtigste Kennziffer der Welt für ETFs ist

Wer sich mit ETFs beschäftigt, stößt schnell auf Abkürzungen wie TER oder TD. Das bedeuten diese wichtigen Kürzel bei der ETF-Auswahl.

Wenn ich ETF-Anleger in meinem Umfeld nach ihrem wichtigsten Auswahlkriterium frage, erhalte ich in neun von zehn Fällen die Total Expense Ratio (TER) als Antwort. Spannend, dass die Tracking Difference (TD) weiterhin eine relativ „unwichtige“ Rolle bei der ETF-Auswahl spielt. Dabei kann ein Blick auf die TD vor groben Fehlentscheidungen schützen.

Was genau der Unterschied ist und was Sie bei der ETF-Auswahl beachten sollten, zeige ich Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Was ist die TER?

Es gibt verschiedene Kennzahlen, mit denen Sie die laufenden Kosten eines ETFs bewerten können. Die wohl beliebteste aller Kennzahlen ist die TER (oder „Gesamtkostenquote“). Sie gibt die laufenden Kosten pro Jahr an. Das Problem an der Kennzahl ist, dass sie nicht alle Kosten abbildet. Steuern auf die Erträge und Spreads bei den Transaktionen von ETFs bleiben unter anderem unberücksichtigt. Angaben zur TER finden Sie in den ETF-Profilen ganz oben oder im Factsheet des jeweiligen Anbieters.

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Eine weitere Kennzahl, die in diesem Zusammenhang häufig erwähnt wird, ist die sogenannte Total-Cost-of-Ownership (TCO). In ihr sind alle relevanten Kosten enthalten, auch wenn eine genaue Prognose der tatsächlich anfallenden Kosten nicht möglich ist. Auch hier gibt es jedoch ein Problem: Mangels geregelter Standards, existiert noch keine einheitliche Berechnung, sodass die meisten ETF-Anbieter auf eine Angabe verzichten.

Unabhängig von den oben genannten Schwächen gilt zunächst einmal: Je niedriger die Kennzahlen, desto vielversprechender der Kauf des entsprechenden ETFs. Ergänzen sollten Sie die Bewertung in jedem Fall mit einem Blick auf die TD.

Mit der TD messen Sie die Gesamtperformance

Die TD misst die Abweichung der ETF-Performance von der Entwicklung des Referenzindizes. Im seltensten Fall liegt diese auf dem gleichen Niveau. Das ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Einerseits bilden selbst physische ETFs einen Index nicht immer exakt ab, wenn beispielsweise das Sampling-Verfahren zur Replikation genutzt wird, bei dem einige Positionen ausgelassen werden, die im Index eine unwesentliche Rolle spielen. Das kann zu kleinen Renditeunterschieden führen.

Zum anderen werden Kapitalerträge (Dividenden, Zinszahlungen) vom ETF-Anbieter nie direkt angelegt. Diese Verzögerung führt automatisch zu Performanceunterschieden, die sich zu Ihrem Vorteil – oder Nachteil auswirken kann. Sinkt der Kurs des Referenzindizes nach einer Ausschüttung, führt eine verzögerte Wiederanlage zu Renditevorteilen, da der ETF-Anbieter die Wertpapiere zu günstigen Kursen einkaufen kann. Steigen die Kurse, kehrt sich die Situation um. Sie sollten in jedem Fall darauf achten, dass die TD nahe Null liegt. Negative Werte sind ausgezeichnet – haben jedoch nur ein bedingte Aussagekraft, wenn der ETF noch sehr jung ist.

Hier kommt der Vorteil eines bereits älteren bzw. reiferen ETFs ins Spiel. ETFs, die eine lange Kurshistorie aufweisen, können Sie mit verlässlicheren Ergebnissen vergleichen. Kurzfristig ist eine Überperformance immer möglich – langfristig sollte die Performance des ETFs in etwa der TER entsprechen, da sie die (fast) einzige Abweichung vom Index darstellt.

Lohnt sich ein Blick auf beide Kennzahlen?

Fokussieren Sie sich bei Finanzentscheidungen niemals auf einzelne Kennzahlen. Eine hohe TER kann genauso gerechtfertigt sein, wie eine hohe Tracking Difference. Die TER ist und bleibt ein wichtiges Kriterium bei der ETF-Auswahl. Sie zeigt, wie teuer ein ETF ist.

Die TD relativiert diese Bewertung. Ein teurer ETF kann attraktiver sein, wenn er wesentlich besser performt, als der Vergleichsindex. Genauso kann ein günstiger ETF (niedrige TER) eine schlechte Wahl sein, wenn er schlechter performt als der Vergleichsindex. Das klingt an dieser Stelle möglichweise etwas verwirrend, weshalb wir zum Abschluss nochmal einen Blick ein auf praktisches Beispiel werfen.

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Mein Zwischenfazit: Beide Kennzahlen sind wichtig. Ihre TER-Bewertung sollte in jedem Fall um eine TD-Bewertung ergänzt werden, wenn der ETF über eine ausreichend hohe Kurshistorie verfügt. Liegt diese unter fünf Jahren, würde ich die TD bei der Bewertung nicht allzu stark gewichten und meinen Fokus auf die anderen Auswahlkriterien setzen.

Beispielrechnungen

Um Ihnen die Kernaussage des Beitrags zu verdeutlichen, haben wir uns für zum Abschluss ein Praxisbeispiel überlegt. Wir sind zur Vereinfachung davon ausgegangen, dass sämtliche ETFs bereits vor über fünf Jahren aufgelegt wurden.

 TERTDETF-Auswahl
ETF A0,5 Prozent0,1 ProzentA
ETF B0,2 Prozent0,2 ProzentA

Im ersten Beispiel wirkt der erste ETF zunächst wesentlich teurer, als ETF B. Ein Blick auf die TD zeigt jedoch, dass der ETF wesentlich besser als der Vergleichsindex performt. Obwohl der ETF (rein theoretisch) 0,5 Prozent schlechter als der Referenzindex performen sollte, erzielt er eine TD von 0,1 Prozent, während der zweite ETF die Indexperformance 1:1 abbildet (demnach ist die TD = TER).

 TERTDETF-Auswahl
ETF C0,2 Prozent-0,1 ProzentC
ETF D0,4 Prozent0,1 ProzentC

In diesem Beispiel erzielen beide ETFs eine bessere Rendite als der Referenzindex. Obwohl sie die gleiche Rendite erzielen, fällt die Wahl auf den ersten ETF, da dieser eine günstigere TER hat.

Beide Kennzahlen spielen eine Rolle und sollten niemals unabhängig voneinander bewertete werden.