Mehrheit der Deutschen verzichtet auf professionelle Beratung

Deutschland, ein Volk von Sparern: Knapp drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) legen zumindest gelegentlich Geld zurück, 56 Prozent nach eigenen Angaben regelmäßig. Auch wenn fast die Hälfte (45 Prozent) der Meinung ist, ihre Anlageentscheidungen ohne jegliche Beratung treffen zu können, bleibt der persönliche Kontakt zu Beratern deutlich wichtiger als digitale Beratungsangebote. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, die YouGov Deutschland im Auftrag des führenden, europäischen Vermögensverwalters Amundi durchgeführt hat.

Befragt nach der Höhe der gesparten Beträge, gaben 30 Prozent der Deutschen an, bis zu 250 Euro im Monat zurückzulegen – und das vor allem vergleichsweise konservativ: 52 Prozent erklärten, ihr Geld klassisch zu sparen, also beispielsweise auf dem Sparbuch, einem Tages- oder Festgeldkonto oder im Bausparvertrag. 14 Prozent legen Geld noch bar zur Seite, etwa in einem Bankschließfach.

Deutlicher Unterschied beim Anlageverhalten zwischen den Geschlechtern

Trotz anhaltendem Niedrigzinsumfeld ist der Anteil derer, die ihre Vermögensanlage am Kapitalmarkt tätigen, immer noch verschwindend gering: Gerade einmal 13 Prozent wagen die Direktanlage in Aktien und Anleihen. Den gleichen Wert weisen Immobilien zur Eigennutzung oder als Kapitalanlage auf. Noch etwas darunter bewegt sich mit je 10 Prozent der Anteil derer, die für die Vermögensanlage ETFs und / oder aktive Investmentfonds wählen. Auch die geförderte private Altersvorsorge über Rürup und Riester gehören nur für 10 Prozent der Befragten zu den fünf für sie wichtigsten Anlageformen.

Am Kapitalmarkt zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während bei den Männern 14 Prozent ETFs und 13 Prozent jeweils aktive Fonds und Altersvorsorgeprodukte als Anlageformen angaben, waren es bei den Frauen lediglich 6 bzw. 7 Prozent. Noch deutlicher ist die Diskrepanz zwischen Männern und Frauen bei Wertpapieren: während mit 20 Prozent jeder fünfte Mann direkt in Aktien oder Anleihen investiert, liegt der Wert bei den Frauen mit gerade einmal 6 Prozent deutlich niedriger.

Sicher, kostengünstig und flexibel soll die Vermögensanlage sein

Unabhängig davon, ob sie selbst regelmäßig Geld anlegen, haben die Deutschen aber klare Vorstellungen davon, welche Eigenschaften ihre Geldanlage haben muss. Für vier von fünf Befragten stehen möglichst geringe Kosten (81 Prozent) sowie die Sicherheit der Geldanlage (80 Prozent) im Vordergrund. Beinahe ebenso wichtig ist, dass das Vermögen flexibel verfügbar sein muss (78 Prozent). Die Rendite wird von lediglich 58 Prozent der Befragten als ein vordergründiges Kriterium benannt und tritt damit deutlich in den Hintergrund.

„Geringes Risiko, hohe Flexibilität und hohe Rendite: alle drei Punkte sind mit Blick auf das sogenannte Anlagedreieck in der Praxis kaum in Einklang zu bringen. Bei einem der drei Eigenschaften müssen zumindest Abstriche in Kauf genommen werden – wobei hier zu oft Renditepotential verschenkt wird“, sagt Dr. Andreas Steinert, Head of 3rd Party Distributors und Mitglied der Geschäftsführung bei Amundi. „In der Beratung sollte es daher eine Kernaufgabe sein, die jeweiligen Kundenpräferenzen genau zu erfassen und eine darauf passende Anlagestrategie mit geeigneten Produkten zu entwickeln.“

Das erscheint umso wichtiger, als dass bislang die Mehrheit der Deutschen bei der Geldanlage auf professionelle Beratung verzichtet: Ganze 45 Prozent derer, die zumindest gelegentlich Geld zurücklegen, treffen ihre Anlageentscheidungen ausschließlich selbstständig. 17 Prozent holen sich Rat aus dem privaten Umfeld.

Wenn Beratung, dann bitte von Mensch zu Mensch

Von denjenigen, die ihre Anlageentscheidung jedoch nicht ausschließlich selbst treffen, würden sich 44 Prozent an einen Bank- oder Vermögensberater wenden. Weitere 20 Prozent würden ein hybrides Beratungsmodell aus persönlicher Beratung und digitalen Anwendungen vorziehen. Für ein rein digitales Angebot sind dagegen nur 7 Prozent zu begeistern. Selbst die sonst so online- und digitalaffine Generation der 18- bis 34-Jährigen wählt beim Thema Geldanlage nur zu 10 Prozent „digital pur“. „Einkaufen, Reisen buchen, Online-Banking. Viele Bereiche unseres Alltags erledigen wir heute zu einem großen Teil auf digitalen Wegen. Geht es aber um die Geldanlage, ist eine persönliche Ansprache und ein Gespräch von Mensch zu Mensch gewünscht“, erklärt Steinert.

Bei denjenigen Befragten, die bei der Geldanlage grundsätzlich offen für eine Beratung sind, finden sich diese Präferenzen nochmals deutlicher wieder: Für zwei Drittel (66 Prozent) ist die persönliche Beratung durch einen Bank- oder Vermögensberater wichtig beziehungsweise sie legen besonderen Wert auf das persönliche Gespräch von Mensch zu Mensch (67 Prozent). Mit einem klaren Ziel: Das Vertrauen in den persönlichen Berater erleichtert für 70 Prozent die Anlageentscheidung.

Klare Präferenzen: Verständliche Produkterklärung und Kostentransparenz

Nimmt jemand eine Anlageberatung in Anspruch, hat er klare Vorstellungen davon, was diese leisten muss: Die Befragten wollen die Produkte verstehen und wissen was sie kosten: 78 Prozent legen Wert auf eine anschauliche und verständliche Erklärung der einzelnen Anlagemöglichkeiten, 77 Prozent fordern eine verständliche Aufstellung der Kosten des Anlageproduktes.

Die Größe der Auswahl an Angeboten spielt dabei eine untergeordnete Rolle (55 Prozent). Viel wichtiger ist den Befragten, dass ihre individuellen Bedürfnisse bei der Geldanlage berücksichtigt werden (75 Prozent) und sie die vorgeschlagenen Anlagemöglichkeiten gut vergleichen können (74 Prozent), bzw. dass ihr Berater die Geldanlage anschaulich und leicht verständlich erläutert (76 Prozent).

Steinert sieht durch die Umfrageergebnisse die Vorteile der persönlichen Anlageberatung bestätigt: „Die meisten Anbieter haben zwar mittlerweile digitale Beratungsangebote. Beim Thema Geldanlage spielt jedoch Vertrauen eine große Rolle. Wie unsere Umfrage zeigt, bleibt deshalb, aller Digitalisierung zum Trotz, die persönliche Betreuung durch den menschlichen Berater nach wie die bevorzugte Wahl der Deutschen.“