Warum der Bitcoin zu einem Politikum geworden ist

China hat den Bitcoin auf dem Kieker – und hat die Cyber-Devise ordentlich unter Druck gesetzt. Dabei ist die Rolle Chinas zwiespältig. Eine Einschätzung!

Der Kurs des Bitcoins erlebte in den letzten Wochen mal wieder eine Berg-und-Tal-Fahrt: Mit fast 65.000 US-Dollar erreichte die Kryptowährung Mitte April ein neues Rekordhoch. Immer höhere Ziele wurden herumgereicht, weit über die 100.000 US-Dollar-Marke hinaus. Wie so oft trat erst mal das Gegenteil ein und der Bitcoin-Preis halbierte sich auf unter 30.000 US-Dollar.

Auch viele andere Kryptowährungen stürzten ab, die Marktbereinigung fand im großen Stil statt: Die zweitwichtigste digitale Währung Ether, die mit dem Ethereum-Blockchain-Netzwerk verbunden ist, verlor in der Spitze rund 40 Prozent.

In den Social-Media-Kanälen tobt nach diesem Einbruch der Kampf um die Meinungs- und Deutungshoheit: Vom „Anfang vom Ende“ bis zur „einmaligen Einstiegschance“ ist alles dabei. Gelassen bleiben da nur die sogenannten „Hodler“. HODL – eine bewusst falsch geschriebene Bezeichnung des englischen „hold“ – steht in der Bitcoin-Community für langfristiges Halten: Wer wirklich an die Währung glaubt, behält sie über einen langen Zeitraum, so die Befürworter – trotz der starken Volatilität, die dem Markt seit jeher eigen ist.

Bitcoin-Entwicklung verunsichert

Der rasante Abschwung verunsichert nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Anleger und den gesamten Finanzmarkt. Als Grund für den Kurssturz am Kryptomarkt gilt eine Mitteilung auf dem WeChat-Account der chinesischen Zentralbank, in der davor gewarnt wird, Bitcoin und Co. seien „kein echtes Geld“ und würden gegen die Sicherheit des Volkseigentums verstoßen und die Ordnung der Wirtschaft und des Finanzwesens stören. Diese Mitteilung hat dem Bitcoin mal eben 500 Milliarden Euro Marktkapitalisierung gekostet, weil man wohl neue Regulierungen fürchtete.

In China selbst jedoch war die Mitteilung kein großes Thema. Das könnte auch daran liegen, dass in der Volksrepublik der Handel und die Zahlung mit Kryptowährungen bereits vor der Ankündigung stark eingeschränkt waren. Andererseits gilt China als Vorreiter für Kryptowährungen, weil das Land mit Hochdruck an einer eigenen Digitalwährung arbeitet.

China hat zwar bislang keine speziellen Gesetze zu Kryptowährungen. Die chinesische Staatsführung geht jedoch schon seit mehreren Jahren gegen die Nutzung von Kryptowährungen vor. Vor allem fürchtet Peking damit einhergehende Finanzmarktrisiken und eine fehlende Kontrolle über das Zahlungsmittel.

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Obwohl das Handeln mit Kryptowährungen untersagt ist, werden in der Volksrepublik je nach Schätzung zwischen der Hälfte und zwei Dritteln aller Bitcoin geschürft. In den vergangenen Monaten hat etwa die Provinzregierung der Inneren Mongolei jedoch damit begonnen, die als „Minen“ bezeichneten Hallen mit Rechnern schließen zu lassen – die offizielle Begründung dafür ist der hohe Energieverbrauch.

Das Timing der China-Meldung hätte für die Kryptowelt auf alle Fälle kaum schlechter sein können. Denn wenige Tage vorher kritisierte bereits Tesla-Chef Elon Musk das digitale Geld. Er bemängelte vor allem die wegen des hohen Energieverbrauchs beim Schürfen verheerende Umweltbilanz der Währungen und verkündete, dass Tesla Bitcoin nicht länger als Zahlungsmittel akzeptieren werde. Die Ankündigung kam einigermaßen überraschend, denn bis vor Kurzem präsentierte sich Musk noch als großer Befürworter von Kryptowährungen: Erst Ende Februar verkündete er, Bitcoin als Zahlungsmittel bei Tesla zu akzeptieren und umfangreich Cashreserven des Autokonzerns in Bitcoin investiert zu haben. Das galt als wichtiger Schritt für den Bitcoin auf dem Weg zu einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz.

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Bitcoin keine Gefahr für das Finanzsystem

Mit dem jüngsten Kursrutsch ist der Bitcoin wieder auf dem Niveau angelangt, auf dem er vor dem Tesla-Einstieg lag. Dass der Bitcoin viel Energie verbraucht, ist allerdings schon seit Jahren bekannt. Und dass eine einzelne Person die Märkte derart bewegen kann, dürfte auf viele Investoren abschreckend wirken. Dass die hohen Kursschwankungen des Bitcoin die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten, sehen die Vertreter der Europäischen Zentralbank jedoch nicht.

Unsere Einschätzung: Wer in Kryptowährungen investiert, braucht Nerven aus Stahl. Korrekturen im hohen zweistelligen Bereich sind nicht ungewöhnlich. Der Aktienmarkt ist Kindergarten dagegen. Auf lange Sicht verzeichnet die Digitalwährung aber noch immer ein Plus: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg der Preis um über 250 Prozent. In diesem Sinne: HODL!

Über den Autor: Dr. Marc-Oliver Lux

Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München.