Von Jennifer Fizia1. August 2022
Bitcoin: Was halten Blackrock & Co. von Kryptowährungen?

Was die wichtigsten Asset Manager weltweit WIRKLICH über Bitcoin denken

Sind die digitalen Währungen ein Asset, das sich langfristig durchsetzt? Dienen Bitcoin und andere digitale Währungen vielleicht sogar als Schutz vor Inflation? Wir zeigen, wie die wichtigsten Vermögensverwalter weltweit dazu stehen.

Vermögensverwalter, Banken, Finanzdienstleister – sie alle blicken auf das Thema Kryptowährungen. Mal argwöhnisch, mal hoffnungsfroh. Nicht selten unterscheidet sich die Einstellung auch innerhalb der einzelnen Unternehmen sehr stark. Dennoch spielen digitale Währungen für alle mehr oder minder eine wichtige Rolle. Allein schon deshalb, weil die Nachfrage der Kundinnen und Kunden in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen ist.

Ein Blick in die Welt der Vermögensverwalter und Banken offenbart ein großes Dilemma. Die Unternehmen scheinen sich in den eigenen Reihen nie so recht einig zu sein, ob sie ihren Anlegern Kryptowährungen empfehlen sollten oder nicht. Immerhin bewegt sich bei den Finanzdienstleistern, vor allem in den vergangenen Monaten, einiges in Richtung digitaler Währungen.

Viel Verbesserungspotenzial

So hat Blackrock erst vor wenigen Wochen eine Investition in das US-amerikanische Krypto-Unternehmen Circle bekanntgegeben. Zusammen mit Fidelity Management, Marshall Wace LLP und Fin Capital investierte der weltweit größte Vermögensverwalter 400 Millionen US-Dollar in Circle. Blackrock ist außerdem eine strategische Partnerschaft mit dem Krypto-Unternehmen eingegangen. Jeremy Allaire, Mitgründer und Geschäftsführer von Circle, erklärte in einer Pressemitteilung des Unternehmens: „Dollar-Digitalwährungen wie USDC treiben eine globale wirtschaftliche Transformation voran und im Zentrum dieses Wandels steht die technologische Infrastruktur von Circle. […] Es ist besonders erfreulich, dass Blackrock als strategischer Investor in das Unternehmen einsteigt. Wir freuen uns auf den Ausbau unserer Partnerschaft.“

Bereits Ende März äußerte sich Larry Fink, Geschäftsführer von Blackrock, positiv zum Thema Kryptowährungen und erklärte in einem Investorenschreiben: „Ein globales digitales Zahlungssystem, das durchdacht konzipiert ist, kann die Abwicklung internationaler Transaktionen verbessern und gleichzeitig das Risiko von Geldwäsche und Korruption verringern.“ Eine Investition im Bereich digitaler Währungen lag also nahe.

Blackrock hat sich bewusst für Circle entschieden. Das Krypto-Unternehmen beschreibt sich selbst als „ein globales Finanztechnologieunternehmen, das im Zentrum der digitalen Währungsinnovation und der offenen Finanzinfrastruktur steht“, und gibt die digitale Währung Stablecoin aus. Bisher bot das Unternehmen den USD Coin (USDC) an, gekoppelt an den US-Dollar. Mitte Juni verkündete Circle den Launch eines an den Euro gekoppelten, regulierten Stablecoins. Der Euro Coin (EUROC) kann seit dem 30. Juni 2022 gehandelt werden.

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Großbank: „Bitcoin ist zulässige Anlageklasse“

Goldman Sachs kündigte ebenfalls erst kürzlich an, stärker ins Geschäft mit Kryptowährungen einsteigen zu wollen. Bereits vor einigen Jahren begann die Großbank mit dem Handel von Kryptowährungen – als eine der ersten Banken überhaupt. Nach dem Zusammenbruch des Bitcoins im Jahr 2018 zog sich Goldman Sachs zurück und legte das Thema „Digitale Währungen“ auf Eis.

In den Folgejahren waren sich die Banker von Goldman Sachs nicht einig, wie die Bank zu Kryptowährungen steht. So verkündete man im Mai 2021: „Bitcoin ist jetzt als zulässige Anlageklasse zu sehen“, widerrief das nur wenige Wochen später aber wieder mit dem Statement eines anderen Bankers von Goldman Sachs, der sagte, Bitcoin sei „kein zulässiges Investitionsprodukt“.

Mittlerweile scheint man sich einig geworden zu sein. Eva Steinmetz schreibt auf der Blockchain- und Kryptoplattform Blockchainwelt: „Der neu ernannte Leiter der Kryptowährungsabteilung von Goldman Sachs kündigte an, dass die Bank bald Investitionen in Bitcoin und andere Kryptowährungen für Kunden innerhalb ihrer privaten Vermögensverwaltungsgruppe anbieten wird.“

Zukünftig will Goldman Sachs laut Medienberichten mit dem Finanzunternehmen Galaxy Digital kooperieren, um den Kundinnen und Kunden Investitionen in die digitale Währung Ether anzubieten. Galaxy Digital sieht sich selbst als „Brücke zwischen der Kryptowelt und der institutionellen Welt“. Auch andere große Player im Bereich Vermögensverwaltung springen auf den Krypto-Zug auf. So hat die US-Investmentbank Morgan Stanley bereits Anfang 2021 ausgewählten Kunden Zugang zu Bitcoin-Fonds gewährt. Damit ist die Bank das erste große Wall-Street-Institut, das den Weg in Richtung Kryptowährungen einschlägt.

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J.P. Morgan mit eigenem Coin

J.P. Morgan, die größte US-Bank, hat bereits 2019 mit dem JPM Coin eine eigene digitale Währung entwickelt. 2020 hat J.P. Morgan zudem die Blockchain Onyx Digital Assets (ODA) gelauncht. Das Team des J.P. Morgan Asset Managements hat sich Ende 2021 genauer mit dem Thema Kryptowährungen und ihrer Rolle in Portfolios beschäftigt.

In ihrer Abhandlung „Kryptowährungen: Blase, Boom oder Blockchain-Revolution“ kommen sie unter anderem zu den Ergebnissen, dass „die derzeitige Generation von Kryptowährungen, vor allem Bitcoin […] als Währung im herkömmlichen Sinne erhebliche Defizite“ aufweist, „Kryptowährungen […] hochspekulative Anlagen sind und ihre Rolle in den Portfolios ist noch nicht eindeutig geklärt“. Die Meinungen gehen also auch bei J.P. Morgan weit auseinander.

Anleger wünschen sich Krypto-Zugang

Doch was sagen die Anlegerinnen und Anleger? Besteht überhaupt der Wunsch nach Investitionen in Kryptowährungen? Eine Umfrage des Hedgefondsmanagers Nickel Digital Asset Management unter 200 Profianlegern aus sieben Ländern hat ergeben, dass viele von ihnen digitale Währungen ins Portfolio aufnehmen wollen. Knapp 80 Prozent planen auf lange Sicht mehr als fünf Prozent ihres Kapitals in Krypto-Werte zu investieren. Ein Drittel der befragten Anleger geht laut Umfrage davon aus, dass bis zum Jahr 2024 ein Viertel bis die Hälfte der Spezialfonds digitale Vermögenswerte ins Portfolio aufnimmt.

Das Finanzdienstleistungsinstitut Fidelity bietet seinen institutionellen und professionellen Kunden, „die sich bereits für eine Allokation in Kryptowährungen entschieden haben“, wie Annette Blaha, Pressesprecherin von Fidelity, auf Nachfrage schreibt, „seit Februar 2022 mit einem börsengehandelten, physischen Bitcoin-Produkt einen entsprechenden Zugang zu dieser Assetklasse an.“

Mit der Einführung des börsengehandelten, physischen Bitcoin-Produkts reagiert Fidelity auf die steigende Nachfrage professioneller Anleger, die sich Zugang zu Kryptowährungen wünschen. Der Fidelity Physical Bitcoin ETP ist an der Deutschen Börse Xetra und SIX Swiss Exchange gelistet. Natürlich unterliegen auch Kryptowährungen Schwankungen, wie Annette Blaha betont: „Wie bei jedem Anlageportfolio gilt auch bei Kryptowährungen, dass sich die verschiedenen Anlageklassen im Laufe der Zeit verändern. Jeder Vermögenswert bringt entsprechende Eigenschaften mit, die durch die allgemeinen Marktbedingungen und das Weltgeschehen unterschiedlich beeinflusst werden. Wir empfehlen unseren Kunden, ihr Vermögen entsprechend ihren Zielen und ihrer Risikotoleranz zu diversifizieren, um die Auswirkungen der Volatilität zu minimieren.“

Deutschland hinkt weiter hinterher

Auch die deutschen Banken und Sparkassen sind sich uneins. Allgemein hält man sich – typisch Deutsch – beim Thema Kryptowährungen vornehm zurück. Abgesehen von der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, die laut einer Tagesschau-Meldung vom 30. April 2022 „seit wenigen Tagen ein eigenes Krypto-Angebot“ hat, weht der Wind der digitalen Währungen und der Digitalisierung allgemein recht leise durch die hiesigen Finanzinstitute. Immerhin bietet die bayerische Volksbank nun ihren „174.000 Kunden Bitcoins zum Kauf an“. Doch wenige andere Banken und Sparkassen tun es ihr gleich. Die Commerzbank hat zumindest als erste deutsche Großbank eine Kryptoverwahrlizenz beantragt, um digitale Währungen für ihre Kunden verwahren zu dürfen.

Im Blick hat sie dabei laut Medienberichten aber nur Geschäftskunden. Privatkunden der Commerzbank müssen wohl – zumindest vorerst – nach anderen Optionen Ausschau halten, wenn es ums Thema Kryptos geht. Doch auch bei anderen Instituten sieht es mau aus. Wer als Privatanleger „bei seiner Filialbank Kryptowährungen handeln will, sucht vergeblich nach Angeboten. Nicht einmal große Online-Banken wie die Comdirect *, die DKB * oder die ING * bieten ihren Kunden über ihren Broker den direkten Handel mit Kryptowährungen an“, schreibt Saskia Littmann von der Wirtschaftswoche. Und die Sparkassen? Die wollen sich in den kommenden Tagen entscheiden, ob sie den Krypto-Weg einschlagen oder eher nicht. Kleiner Spoiler: Es scheint auf „eher nicht“ hinauszulaufen.

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Kryptos – Schutz vor Inflation?

Auch wenn die deutschen Banken und Sparkassen bis auf wenige Ausnahmen eher ein düsteres Krypto-Bild zeichnen – die Nachfrage der Kundinnen und Kunden steigt. Viele Anleger stellen sich nun also die Frage, ob Bitcoin und Co. nicht vielleicht als Goldersatz infrage kommen könnten. Diese Hypothese resultiert daraus, dass sowohl Bitcoin als auch das Edelmetall nur begrenzt verfügbar sind. Das wiederum führt zu der Annahme, dass Bitcoin und Co. einen Inflationsschutz bieten.

Nach Meinung von Benjamin Bente, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Vates Invest, taugen die digitalen Währungen nicht als Gold-Ersatz im Portfolio, um sich vor Preissteigerungen zu schützen. Bitcoins sind eben kein Gold. Ihr Wert hängt ausschließlich von der Liquidität ab. Beim Gold spielt der Realzins die entscheidende Rolle, wie Bente betont. Gerade jetzt, in Zeiten dramatisch hoher Inflation, eignet sich Gold als Absicherung. Kryptowährungen performen dagegen gut in monetären Stimulationsphasen der Notenbanken.

„Grundsätzlich spannend“

Noch haben Kryptowährungen bei Vermögensverwaltern und Banken kein durchweg positives Standing. Noch nicht viele von ihnen setzen digitale Währungen für ihre Kunden ein, obwohl die Nachfrage bei den Anlegerinnen und Anlegern steigt. Jens Hagen, Unternehmenssprecher des Vermögensverwalters Flossbach von Storch, fasst die derzeitige Situation in einem Satz perfekt zusammen: „Wir investieren für unsere Kunden nicht in Kryptos, finden das Thema aber grundsätzlich spannend.“ Niemand kann derzeit voraussagen, wie sich die recht junge Assetklasse der Kryptos entwickelt und ob sie dauerhaft eher Fluch oder Segen sein wird. Bis sich Experten darin einig sind, werden wohl noch etliche Bitcoins und Co. geschürft.