Weltindex in der Kritik: Ist der MSCI World wirklich ein Schummel-Index?

Ein ETF auf den MSCI World ist für viele Anleger ein Basisinvestment. Doch zuletzt ist der Weltindex stark in die Kritik geraten. Was ist dran an dem Bashing?

Aktuell ist es um das Image des MSCI World nicht zum Besten bestellt. Einige Medien haben dem Index zuletzt Etikettenschwindel vorgeworfen. Der Weltindex sei gar ein Schummel-Index, hieß es zuletzt in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung. 

Auslöser des Bashings war ein Kommentar des Vermögensverwalters Titus Schlösser von Portfolio Concept in Köln. Schlösser kritisierte das Übergewicht der Tech-Giganten Facebook, Apple, Amazon, Microsoft, Google (FAAMG-Aktien) innerhalb des Weltindex. Diese Unternehmen machen allein 13,3 Prozent der Marktkapitalisierung des Index aus. Aus Sicht von Schlösser ein Klumpenrisiko! 

Auch wir von extraETF.com beschäftigten uns kürzlich intensiv mit dem MSCI World. In dem Beitrag MSCI World im Check: Sollten ETF-Anleger noch in den Index investieren? spürten wir der Frage nach, ob es sich tatsächlich noch um einen klassischen Weltindex handelt. Unsere Antwort fiel differenziert aus. Letztlich kam unser Autor zu dem Schluss, dass der MSCI World speziell für Einsteiger immer noch eine gute Wahl ist. 

Riskante Wette?

In der Zwischenzeit griffen immer mehr Medien das Thema auf, unter anderem die Süddeutsche Zeitung. In dem Artikel heißt es unter anderem, der vermeintliche Weltindex entpuppe sich als Etikettenschwindel. Der Autor kritisiert, dass nur Industrieländer in dem Index vertreten seien. Eine Investition in den MSCI World sei außerdem eine riskante Wette auf die heißgelaufenen Börsen in den USA.

Der Autor führt neben dem hohen Anteil an US-Aktien auch das Gewicht der FAAMG-Aktien an. Anleger würden sich damit ein Klumpenrisiko ins Depot holen. „Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft“, lässt sich Ivan Mlinaric von Quant Capital in dem Beitrag zitieren.

Hier beleuchten wir vier der Kernvorwürfe, die dem Weltindex gemacht werden und ordnen diese noch einmal ganz genau ein.

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1. Weltindex – das ist nicht irreführend

Ja, mit dem MSCI World deckt man nicht alle Länder weltweit ab, sondern „nur“ 23 Industrieländer. Das ist den meisten ETF-Anlegern jedoch hinlänglich bekannt. „Der Index bietet Zugang zu Aktien aus den weltweit entwickelten Volkswirtschaften, die den Kriterien von MSCI an Größe, Liquidität und Freefloat-Marktkapitalisierung entsprechen“, heißt es in jeder ETF-Produktbeschreibung hier auf extraETF.com. Kein ETF-Anleger, der sich mit dem MSCI World beschäftigt, läuft Gefahr, in die Irre geführt zu werden. 

2. Keine Schwellenländer im Weltindex – das hat Vorteile

Auch dem Herausgeber des MSCI World – dem Indexanbieter MSCI – ist durchaus klar, dass sich mit diesem Index nicht die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Welt abdecken lässt. Aus genau diesem Grund hat MSCI mit dem MSCI Emerging Markets einen weiteren Index auf den Markt gebracht, der speziell Unternehmen aus Schwellenländern abbildet.

Mit einer Kombination aus zwei ETFs kann das Manko des MSCI World also ausgeglichen werden. Der Vorteil für Anleger: Je nach eigener Vorliebe kann man über seine jeweilige Sparrate oder den zu investierenden Einmalbetrag selbstständig steuern, welches Gewicht Industrieländer und Schwellenländer im Portfolio haben sollen.

Das ist beispielsweise mit dem MSCI All Country World Index (ACWI) nicht möglich. In diesem alternativen Weltindex sind neben Aktien aus Industrieländern auch Aktien aus 26 Schwellenländern vertreten – von Argentinien über Brasilien bis China. Die 26 Schwellenländer stehen insgesamt für rund elf Prozent des Index, die Gewichtung ist also weitgehend festgelegt. 

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3. Übergewicht von Tech-Aktien – keine Blasengefahr

Auch die Kritik an dem Gewicht der Tech-Aktien ist nicht nachvollziehbar. Keine Frage, sie bilden mit einer Gewichtung von rund 13 Prozent innerhalb des MSCI World ein gewisses Klumpenrisiko. In letzter Zeit muss man jedoch eher von einer Klumpenchance sprechen. Denn es waren insbesondere jene Aktien, die sich am schnellsten und nachhaltigsten nach dem Corona-Crash erholten.

Die Unternehmen verfügen über ausgereifte Geschäftsmodelle, die ihnen rasant wachsende Multi-Milliarden-Umsätze in die Kasse spülen. Mit EBIT-Margen jenseits von 20 Prozent sind diese Konzerne hochprofitabel. Keine Frage, viele Unternehmen – so wie Amazon und Microsoft – notieren aktuell auf Rekordhochs. Den gewaltigen Kursanstiegen steht jedoch genügend Substanz entgegen.

Wir haben es anders als beim Dotcom-Crash also nicht mit einer Tech-Blase zu tun, die bald zu platzen droht. Denn eins ist sicher: Falls sich die Kurse von Amazon, Apple & Co. in nächster Zeit dezimieren sollten, wird dies nicht auf Übertreibungen innerhalb des Tech-Sektors zurückzuführen sein, sondern wohl eher auf die Coronapandemie. Dann wird es also alle Aktien in die Tiefe reißen. Und zwar auch die anderen 1.595 Aktien, die neben FAAMG im MSCI World enthalten sind. 

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4. Übergewicht der USA – keine Katastrophe

Ja, es ist richtig. Obwohl das BIP der USA lediglich 15 Prozent der Weltwirtschaftsleistung ausmacht, stellen die US-Unternehmen über 60 Prozent innerhalb des MSCI World. Das sei insbesondere problematisch, so die Kritik, weil niemand genau sagen könne, ob die Vereinigten Staaten – in denen die Coronapandemie noch heftig wütet – wirtschaftlich weiterhin so stark bleiben wie bisher.

Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass das starke US-Gewicht nicht auf eine willkürliche Entscheidung des Index-Herausgebers zurückzuführen ist. Der MSCI World berücksichtigt ausschließlich die Marktkapitalisierung von Unternehmen. Der Grund, weshalb US-Konzerne so stark dominieren, ist schlicht auf die Tatsache zurückzuführen, dass viele der nach Börsenwert größten Unternehmen der Welt aus den USA kommen. Ergo: Man beteiligt sich mit dem MSCI World nicht an der US-Volkswirtschaft im Ganzen, sondern nur an den erfolgreichsten und wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen. Und diese machen ihre Umsätze eben nicht nur in den USA, sondern weltweit.

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Fazit zum Weltindex

Der MSCI World ist in letzter Zeit möglicherweise etwas zu heftig und in Teilen auch unfair kritisiert worden. Anleger, die sich über die Besonderheiten des Index im Klaren sind, können den Weltindex weiter als Ankerinvestment nutzen.

Renditeperioden für MSCI World ETFs

Die Tabelle listet die Rendite der MSCI World ETFs für verschiedene Perioden auf. Die Renditen sind in EUR berechnet.

ETF-Name1 Monat3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
Amundi MSCI World UCITS ETF+2,75+1,69+12,82+5,64
Amundi MSCI World UCITS ETF+2,90+2,54+11,61+5,78+26,02
ComStage MSCI World TRN UCITS ETF+2,90+2,56+11,76+6,03+27,08
Deka MSCI World UCITS ETF+2,69+1,57+12,54+5,44
HSBC MSCI World UCITS ETF+2,77+1,71+12,92+5,98+26,48
Invesco MSCI World UCITS ETF+2,71+1,69+12,76+5,82+25,84
iShares Core MSCI World UCITS ETF+2,69+1,65+12,71+5,66+25,53
iShares MSCI World UCITS ETF+2,65+1,57+12,54+5,40+24,54
Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF+2,70+1,66+12,66+5,59
Lyxor MSCI World UCITS ETF+2,71+1,68+12,72+5,73+25,44
SPDR MSCI World UCITS ETF+2,65+1,63+12,67+5,61
UBS MSCI World UCITS ETF+2,68+1,58+12,63+5,55+25,17
UBS MSCI World UCITS ETF+2,68+1,59+12,54+5,38+24,53
Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF+2,70+1,67+12,69+5,74+25,72
Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF+2,50+3,75+19,03+8,93+18,11
Xtrackers MSCI World UCITS ETF+2,69+1,64+12,73+5,74+25,59
Xtrackers MSCI World UCITS ETF+2,69+1,64+12,69+5,70+25,55