Von Redaktion26. November 2021

Wie europäische Banken wieder in den Anleger-Fokus rücken

Wie hässliche Entlein dürften sich viele europäische Banken lange vorgekommen sein. Dies sowohl im Vergleich zu Mehrzahl von anderen Branchen und Sektoren, aber auch gerade im Wettbewerb zu den großen Geldhäusern in den USA.

Diese konnten die großen und kleinen Krisen der vergangenen Jahre durchweg schneller abschütteln, meisterten Niedrig-, Null- und Negativzinsen viel besser und konnten so deutliche Mehrwerte für ihre Aktionäre schaffen. Die meisten deutschen oder europäischen Geldhäuser fassten Investoren hingegen lange nicht einmal mit der Kneifzange an. Überregulierung, Brexit, Eurokrise und eine historisch gewachsene Übersättigung des Bankenmarktes sind nur einige Gründe dafür.

Europäische Banken zurück im Fokus

Seit einigen Monaten scheint sich der Wind etwas zu drehen und die Anleger rücken Banken aus Europa wieder stärker in den Fokus. Auch hier sind Hintergründe vielschichtig. Waren die jeweiligen Aktien anfangs schlicht einfach nur sehr billig und riefen Schnäppchenjäger auf den Plan, so mehren sich die Anzeichen für einen fundamental begründeten Wandel.

Deutlich gestiegenen Kostendisziplin, rigoroser Abbau von Risikopositionen, und Fokussierung auf das Kerngeschäft sind hier zu nennen. Dazu kommen interessante Nachrichten und Tendenzen aus der Branche. Wird sich die neue deutsche Bundesregierung vom Commerzbank Anteil trennen und so den Weg für eine Übernahme frei machen? Ist dies die Initialzündung für eine weitere dringend notwendige Konsolidierungswelle im Bankenmarkt? Viele Häuser sind wieder in der Gewinnzone und könnten bald auskömmliche Dividenden an ihre Anteilseigner ausschütten. Dazu kommt der ganz leichte und noch weit entfernte Silberstreif einer Zinswende am Horizont.  

Gute Chancen für Anleger

Eine von vielen wichtigen Kennziffern zu Beurteilung der Gesamtlage ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, englisch Price Earning Ratio). Sehr stark vereinfacht gilt: je geringer der angegebene Wert, desto günstiger ist eine Aktie. So sind die markbreiten Indices wie der MSCI World, EURO STOXX 600 oder auch unser heimischer DAX mit KGV’s von ca. 25 bis 29 recht ähnlich bewertet. Der wichtige US-Leitindex S&P500 sogar mit deutlich über 30. Im direkten Vergleich ist der mit ca. 40 Bankaktien aus Europa bestückte STOXX Europe 600 Banks sehr viel günstiger.  in KGV von knapp über 20 bedeutet hier, dass man nur 20 Euro investieren muss, um sich einen 1 Euro am Unternehmensgewinn zu erkaufen.

Tipp: Hier erfährst du alles zum Investieren in Branchen-ETFs.

In Summe sind europäische Banken immer noch attraktiv bewertet. Wer sich in diesen Tagen schwer damit tut, Aktien auf ihren historischen Höchstkursen zu kaufen kann bei vielen Finanzunternehmen günstig zuschlagen. Selbstredend ist die Branche durchaus risikobehaftet und die Kursverläufe können stark schwanken. Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan wäre für meisten Banken sicher deutlich zu optimistisch formuliert, aber eine gute Chance bieten sie allemal. Wer sich aus der Fülle der europäischen Gesellschaften nicht auf einzelne Papiere beschränken möchte, könnte mit einem entsprechendem ETF gut aufgehoben sein.

Ein Konzept auf den EURO STOXX Banks bietet einen ersten Zugang zu über 20 verschiedenen Banken und lässt die britischen Unternehmen dabei außen vor. Varianten mit maximalen Gewichtungen, um zu großen Positionierungen in einzelnen Aktien zu vermeiden, sind ebenfalls am Markt verfügbar.

Tipp: Mit unserem Risikorechner kannst du anhand von zehn Fragen die optimale Aktienquote für dein Portfolio ermitteln.

Über den Autor: Andre Koppers

Andre Koppers ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH in Kleve