Wie viel Geld braucht man, um glücklich zu sein?

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt? Wie viel Geld brauche ich eigentlich für mein Glück? So hängen Finanzen und Glück zusammen.

Ich hab erst kürzlich einige Freunde und enge Bekannte nach ihrem idealen Einkommen gefragt. Die Bandbreite an Antworten war faszinierend – von 30.000 Euro bis hin zu 250.000 Euro im Jahr – alles war dabei.

Dabei handelt es sich keineswegs um eine triviale Frage. Wir leben in einer Welt, in der wir relativ wenig dafür tun, glücklich zu sein. Vielmehr dominieren Gier, Neid und das Verlangen nach gesellschaftlicher Anerkennung unsere Entscheidungsprozesse. Lassen Sie sich nicht täuschen: Wer viel Geld verdient, ist nicht automatisch glücklicher. Warum das so ist, zeige ich Ihnen im folgenden Beitrag.

Das sagen die Studien über Geld

Reichtum führt nicht automatisch zu Lebenszufriedenheit. Kennen Sie das Easterlin-Paradox? Richard Easterlin ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und beschäftigte sich in seinen Forschungen schwerpunktmäßig mit der Untersuchung der Korrelation zwischen Einkommen und Lebensglück. Dabei fand er in einer Studie heraus, dass sich zwischen 1946 und 1970 nichts an der durchschnittlichen Lebenszufriedenheit der Amerikaner änderte, obwohl sich in dem Zeitraum ihr Einkommen fast verdoppelte. In Ländern wie z.B. Puerto Rico oder Kolumbien lag das Pro-Kopf-Einkommen weit unter dem US-Niveau – trotzdem besaßen die Menschen eine vergleichbare Lebenszufriedenheit.

Im Jahr 2010, fanden Wissenschaftler (u.a. Daniel Kahnemann) der Princeton Universität (USA) zudem heraus, dass bei einem Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar die Spitze an Lebenszufriedenheit erreicht wurde. Jede anschließende Gehaltserhöhung führt zu keiner zusätzlichen Zufriedenheitssteigerung. Eine aktuellere Studie der Perdue Universität nutzte zur Analyse eine signifikant höhere Datenbasis und definierte das ideale Einkommensniveau bei 95.000 Euro.

Geld mit stark fallendem Grenznutzen

In sämtlichen Forschungsarbeiten wurde unterschieden zwischen emotionaler Gesundheit und allgemeinem Lebensglück. Die emotionale Gesundheit (gemessen in finanziellen Stress) verbessert sich mit steigendem Einkommen bis zu einem gewissen Punkt. Die allgemeine Lebenszufriedenheit steigt auch dann noch weiter – erreicht aber schnell eine Sättigungsobergrenze. Je weniger Ressourcen uns zur Verfügung stehen, desto mehr freuen wir uns über jede zusätzliche Einheit an Einkommen.

Dieses Phänomen wird in der Volkswirtschaftslehre als Prinzip des abnehmenden Grenznutzen zusammengefasst. Jeder Euro, den wir zusätzlich verdienen, stiftet ab einem bestimmten Niveau immer weniger Mehrwert. Einige Studien haben in der Vergangenheit sogar einen negativen Grenznutzen gemessen. Durch das hohe Einkommen steigt bei vielen Menschen der Stresslevel.

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Wann dieser Punkt erreicht ist, hängt vor allem mit unserem Umfeld zusammen. Unser empfundenes Lebensglück wird häufig daran geknüpft, wie es Menschen in unserem Umkreis geht. Verdienen all unsere Freunde und Familie im Durchschnitt 150.000 Euro, dann sind wir mit 70.000 Euro wahrscheinlich unzufriedener, als wenn der Durchschnitt bei 60.000 Euro läge.

Millennials legen mehr Wert auf Flexibilität

Millennials – geboren zwischen 1981 und 1996 – setzen andere Prioritäten als die Vorgänger-Generation. Geld bleibt ein wichtiger und attraktiver Anreiz, spielt jedoch nicht mehr die dominante Rolle bei der Strukturierung des Karriereplans. Arbeitsplatzsicherheit, vordefinierte Karrierewege und Arbeiten bis zur Rente – das alles bleibt der gesellschaftlich „erwünschte“ Weg. Viele Entscheidungen, die wir heute treffen, beruhen nicht auf der Frage: „Warum mache ich das überhaupt?“, sondern vielmehr auf der Frage: „Ist diese Entscheidung gesellschaftlich akzeptiert?“ Millennials setzen ihren Fokus jedoch auf Entscheidungen, die sie glücklicher und flexibler leben lassen.

Work-Life-Balance und flexibles Arbeiten (Remote oder Home-Office) ist dieser Generation wichtiger als ein hohes Gehalt und Anerkennung. Sie hat verstanden, dass unser Lebensglück nicht nur davon abhängt, wie viel Geld wir verdienen oder wie die ältere Generation unsere Entscheidungen bewertet – sondern insbesondere davon, ob wir (und nicht andere) glücklich sind mit dem was tun. In einer Umfrage von Ernst & Young Global Generations Research mit über 10.000 Vollzeitbeschäftigten gaben schwerpunktmäßig Millennials an, dass sie eine Lohnkürzung in Kauf nehmen würden, wenn sie dadurch ihre Work-Life-Balance verbessern können.  Für Unternehmen bedeutet das keineswegs geringere Umsätze durch weniger Arbeitsleistung. Ein Microsoft-Experiment mit einer 4-Tage-Woche hat erst kürzlich gezeigt, dass durch mehr Flexibilität und Freiheiten die Produktivität überproportional ansteigt.

Finanzen und Glück im Gleichgewicht

Was macht Sie glücklich? Ist es wirklich Geld oder eine gesellschaftlich angesehene Position in Ihrem Unternehmen? Oder gibt es weitere nicht-monetäre Faktoren, die Ihre allgemeine Lebenszufriedenheit steigern können. Warum habe ich mich vor einem Jahr gegen einen sicheren Job entschieden – und für die Unsicherheit, die man als Gründer hat? Weil ich meiner Leidenschaft folgen möchte. Als mein Vater in jungen Jahren schwer krank wurde ist mir bewusst geworden, dass Geld nicht alles ist im Leben. Geld macht vieles leichter – aber es schützt nicht vor Unzufriedenheit. Wer sehr viel Geld verdient, dafür eine 60-Stunden-Woche in Kauf nimmt und kaum Zeit mit der Familie verbringt, wird nicht unbedingt ein glückliches Leben führen.

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Geld muss eine Rolle spielen – denn finanzieller Stress nagt ebenfalls an unserer Lebenszufriedenheit und mentalen Gesundheit. Es gibt jedoch einige Fragen, die Sie sich vor jeder Karriereentscheidung stellen sollten. Warum nehmen Sie einen Job an? Folgen Sie Ihrer Leidenschaft, oder nur einem hohen Gehalt? Gibt es eine Alternative, in der Sie zwar weniger verdienen, aber zufriedener mit dem Job sind? Bringen Sie Ihre finanziellen Bedürfnisse mit den anderen Faktoren, die Glück hervorrufen in Einklang. Sie werden automatisch glücklicher leben. Glück macht gesund und wer gesund ist, lebt länger.