Zyklische Aktien – warum sie gerade jetzt wirklich spannend sind

Die Corona-Krise hat die deutsche Konjunktur hart getroffen. Durch den Lockdown sind die Ausgaben für privaten Konsum im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um satte 5,4 Prozent eingebrochen. Was bedeutet das für zyklische Aktien?

Dass die wirtschaftliche Entwicklung einer Industrienation in Wellen verläuft, ist wenig überraschend. Auf einen Aufschwung folgt zwangsläufig irgendwann ein Abschwung und umgekehrt. Ereignisse wie die aktuelle Corona-Krise verschärfen diesen sogenannten Konjunkturzyklus jedoch enorm.

Einige Branchen sind stärker vom Konjunkturzyklus abhängig als andere. Während Industrie und Finanzen Auf- und Abschwünge deutlich spüren, sind etwa die Gesundheitsbranche oder die Lebensmittelindustrie selten stark von Krisen betroffen. Ist ja auch logisch. Selbst wenn man arbeitslos ist, verzichtet man nicht auf Nahrung bzw. Medikamente. Aktien kauft man dann jedoch eher nicht – ebenso wenig wie ein neues Auto.

Kaufkraft so schwach wie zuletzt 1970

Da sich zyklische Branchen (also Banken oder die Autoindustrie) analog zur allgemeinen Wirtschaftslage entwickeln, mussten einige Unternehmen während der letzten anderthalb Jahre zum Teil herbe Verluste hinnehmen. Dazu gehören nicht nur die Reise- oder Kulturbranche, sondern auch der stationäre Einzelhandel. Die Kaufkraft der Deutschen hat während der Corona-Krise so stark nachgelassen, wie seit 50 Jahren nicht mehr. 5 Prozent weniger Geld gaben Haushalte 2020 im Vergleich zum Vorjahr für Konsumgüter aus.

Tipp: ETF-Empfehlungslisten – hier finden Sie die besten ETFs zu allen wichtigen Anlageklassen.

Zyklische Aktien: Automobilindustrie legt wieder zu

Luxusgüter wie Autos standen auf der Liste der dringenden Anschaffungen insbesondere im ersten Halbjahr 2020 nicht ganz oben. Überraschenderweise war das in der zweiten Jahreshälfte anders – die Mehrwertsteuer wurde vorübergehend gesenkt und die Automobilindustrie war nach zum Teil starken Umsatzeinbrüchen von bis zu 20 Prozent (z.B. Ford) Profiteur. Und auch weiterhin rechnen Experten wie Carsten Roemheld von Fidelity International damit, dass die Branche nach einem Ende der Corona-Krise zu den großen Gewinnern gehören wird. Im ersten Quartal 2021 ist der Umsatz der 16 größten Autokonzerne der Welt im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent gestiegen. Vor allem in China boomt die Nachfrage nach deutschen Autos wieder stark. VW, Daimler und BMW konnten ein Umsatzplus von 66 Prozent einfahren.

Beflügelt werden konjunktursensible Branchen – und somit auch Aktien – von der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie, angetrieben vom sich fortsetzenden Impfgeschehen. So hat der IWF für dieses Jahr seine Wirtschaftsprognose für Industrienationen auf ein Plus von Prozent angehoben, verglichen mit den im April angenommenen 5,1 Prozent. Für 2022 erwarte man ein Wachstum der Weltwirtschaft von 4,9 Prozent. Auch einen Rückgang des Inflationsniveaus dürfte es laut IWF im kommenden Jahr geben. Die Kauflust ist in den Industrieländern also nach den harten Lockdowns zurückgekehrt.

Der Zyklen-Kreislauf

Was bedeutet das nun für Anleger, die in zyklische Aktien investieren möchten? Klar ist, sie sind nicht mehr so günstig zu haben wie noch im ersten Quartal 2021. Es herrscht seitens der Analysten Optimismus bezüglich der Gewinnprognosen und viele Anleger, die den Markt kennen und wissen, wie Konjunkturzyklen verlaufen, möchten daran teilhaben.

Zyklen von konjunktursensiblen Aktien verlaufen für gewöhnlich nach einem einfachen Muster: Während einer Rezession verkaufen insbesondere ängstliche Anleger ihre Aktien oder ETFs und ziehen die Kurse nach unten. Doch auf diese Panik folgt Hoffnung auf einen Aufschwung und im Hinblick auf mögliche Gewinne werden wieder Anteile gekauft. Kommt es dann zur Erholung, müssen Unternehmen ihre Gewinne entsprechend steigern und ihre selbst gesetzten Ziele erreichen. Das gelingt nicht immer. Für Anleger ist also ein gewisses Risiko nicht auszuschließen.

Insbesondere, da ein Ende der Krise noch nicht in greifbarer Nähe ist. „Wie lange der aktuelle Trend, weg von traditionellen Werten mit guten Bewertungen und soliden Gewinnen hin zu Wachstum und der Hoffnung auf künftige Gewinne anhält, ist wie immer an der Börse schwer zu kalkulieren. Es hängt nicht zuletzt von geld- und steuerpolitischen Entwicklungen sowie der künftigen globalen Wirtschaftsentwicklung ab“ sagt Markus C. Zschaber, Geschäftsführender Gesellschafter der V.M.Z. Vermögensverwaltungs- gesellschaft Dr. Markus C. Zschaber mbH.

Tipp: Mit dem extraETF Finanzmanager können Sie Ihre Portfolios überwachen & analysieren, Klumpenrisiken erkennen und Watchlists für Ihre Wertpapierlieblinge anlegen.

Europa und Japan

Wer das in Kauf nimmt, kann mit Wachstumstiteln jetzt gut verdienen, denn die Hoffnung stirbt nicht nur am Aktienmarkt zuletzt. Die Weltwirtschaft befindet sich bereits in einer Phase der Erholung, auch wenn die Pandemie noch nicht vorbei ist. Wer also in Value-ETFs investieren will, sollte jetzt einsteigen.

Der MSCI Europe Value Factor UCITS ETF (WKN: A12DPP) beispielsweise beinhaltet zyklische Aktien aus Finanzen, Industrie, Gesundheit und weiterer konjunktursensibler Branchen. Als Ergänzung zu einem Portfolio mit nicht-zyklischer Ausrichtung kommt außerdem der MSCI Japan IMI UCITS ETF (WKN: A0RPWL) infrage. Laut Carsten Schröder von der Société Générale sind insbesondere für Tracker japanischer Indizes Zuflüsse zu verbuchen.

iShares Edge MSCI Europe Value Factor UCITS ETF

WKN: A12DPP ISIN: IE00BQN1K901
Kurs 6,88 €
Kosten (TER) 0,25 %
Fondsvolumen 2.983 Mio. €
Indexabbildung Physisch
1 Monat -2,86 %
Lfd. Jahr +19,86 %