Von Bernd Lammert7. Juli 2022
Anleger behalten Öl im Blick: Angespannter Markt stützt Preise

Anleger behalten Öl im Blick: Angespannter Markt stützt Preise

Der Ukraine-Krieg verschärft die Lage am Ölmarkt. Mit der Folge, dass die Öl-Notierungen weiter auf hohem Niveau wandeln. Anleger können von der Ölpreisentwicklung profitieren.

Schon lange vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist der Ölpreis stark gestiegen. Hintergrund war, dass die Unternehmen nach dem Abflauen der Corona-Beschränkungen ihr Geschäft wieder normalisiert und sich der Auto- und Flugzeugverkehr erholt hat. Die plötzlich gestiegene Nachfrage stieß auf ein knappes Angebot. Denn der Ölsektor hat über Jahre zu wenig in die Erschließung neuer Vorkommen und in die Ausrüstung investiert. Vor allem hat die Nachfrage in den Schwellenländern zuletzt wieder angezogen, während sie in den Industrieländern auf hohem Niveau stagniert. 

Öl-Embargo kommt

Zugleich haben sich die USA, Großbritannien und zuletzt und auch die EU-Länder auf ein Embargo russischer Ölimporte geeinigt. Perspektivisch sollen davon 90 Prozent der Einfuhren betroffen sein. Dem Vernehmen nach hat die EU vor dem Ukraine-Krieg täglich fast 4,8 Mio. Barrel russisches Öl eingekauft. Russland will im Falle eines europäischen Öl-Boykotts sein Öl nach Asien verkaufen. Doch so einfach ist das nicht, denn es besteht in diese Richtung kein Pipeline-Netz wie gen Westen. Es müsste also eine große Flotte an Öltankern in See stechen, um russisches Öl nach Asien zu transportieren. Da Großbritannien und die EU beschlossen haben, Versicherungen für Schiffe, die russisches Öl transportieren, zu untersagen, dürfte dieses Unterfangen kaum gelingen.

Jetzt kommt es darauf an, wie die Ölstaatenallianz OPEC+ reagiert. Obwohl Russland Mitglied bleibt, hat der Ölclub beschlossen, die Förderung insgesamt zu erhöhen. Es gab wohl Druck aus Washington. Im Juli und August sollen demnach täglich 650.000 Barrel (zu je 159 Liter) zusätzlich in den Markt gepumpt werden. Zweifel bleiben erlaubt: Ob die erhöhten Fördermengen auch umgesetzt werden können, ist eher unwahrscheinlich. Im Mai lag die Produktionsmenge laut Daten der IEA 2,8 Mio. Barrel pro Tag unter dem vereinbarten Niveau. Laut Umfragen von Reuters und Bloomberg produzierte die OPEC auch im Juni deutlich weniger Rohöl als im OPEC+-Abkommen vorgesehen.

Angebot bleibt knapp

Und die große Unbekannte heißt zudem Moskau: Aufgrund der westlichen Boykottmaßnahmen können die Russen nicht auf Teufel komm raus produzieren und ausliefern. Doch wollen sie das überhaupt und welche Folgen hätte eine Reduktion auf die Ölpreise? Dieser Frage ist JPMorgan nachgegangen. Die Analysten der US-Großbank warnten jüngst vor den möglichen Auswirkungen weiterer Sanktionen gegenüber Russland, denn eine mögliche Verringerung der russischen Ölförderung hätte dramatische Auswirkungen für den Rest der Welt: Der Ölpreis könnte in die Stratosphäre steigen.

JP Morgan rechnet vor, dass Russland finanziell so gut dasteht, dass selbst eine Produktionskürzung um fünf Mio. Barrel Öl pro Tag keine Schäden bei der eigenen Industrie anrichten würde. Für den Rest dieser Welt käme dies aber einer ökonomischen Katastrophe gleich. Im Falle einer täglichen Produktionskürzung um drei Mio. Barrel sehen die Analysten den Ölpreis bei 190 Dollar je Barrel, bei einer täglichen Kürzung um fünf Mio. Barrel sogar bei 380 US-Dollar. Der Westen könnte sich mit weiteren Sanktionen gegen Russland ein Eigentor nach dem anderen schießen, den Ball dazu hält Kreml-Chef Wladimir Putin in der Hand.

Ölpreisentwicklung im Blick 

Wie man es auch dreht und wendet: Das Angebot am Ölmarkt bleibt knapp, die Nachfrage dürfte nur im Falle eine größeren globalen Rezession stärker nachlassen. Noch sieht es nicht danach aus. Laut Goldman Sachs sind die Folgen einer Konjunkturabschwächung ohnehin eingepreist. Das alles heißt nicht anderes, als dass die Ölpreise weiter auf hohem Niveau wandeln dürften. Mit dem WisdomTree Brent Crude Oil Longer Dated (WKN: A1N49Q) können Investoren an der Preisentwicklung der Öl-Referenzsorte Brent teilhaben.

Der ETFS Longer Dated Brent Crude bietet Anlegern Zugang zu einer Total-Return-Anlage in Brent Rohöl-Futureskontrakte, indem der Bloomberg Brent Crude Subindex 3 Month Forward Total Return nachgebildet wird, zzgl. einer Ausgleichsrendite für die hinterlegten Sicherheiten. Die Indexabbildung erfolgt synthetisch mittels Einsatz von Swaps. Im laufenden Jahr erzielte der Fonds einen Gewinn von gut 40 Prozent. Die Kosten belaufen sich auf vergleichsweise hohe 1,91 Prozent im Jahr.