Wie der Coronavirus ihr ETF-Depot verändern könnte?

Der Coronavirus – kurz: 2019-nCoV – weckt böse Erinnerungen an den verwandten Erreger SARS, der zwischen 2002 und 2003 einen weltweiten wirtschaftlichen Schaden von etwa 30 Milliarden US-Dollar verursachte. (Manche Experten sprechen gar von 40 Milliarden). Immerhin ist das Erbgut des Coronavirus zu 80 Prozent identisch mit dem des ersten SARS-Erregers, der seinerzeit 800 Menschen das Leben kostete. Steht uns also wieder eine globale Rezession bevor?

Wie sehr infiziert der Virus die Wirtschaft?

Wie signifikant sich der Virus letzten Endes auf die chinesische und damit auf die weltweite Wirtschaft auswirken wird, darüber kann bis zur Einhegung der Pandemie nur gemutmaßt werden. Fest steht: Die wirtschaftliche Verflechtung ist heute eine ganz andere als noch zu Zeiten von SARS. Gegenüber 2002/2003, als der Anteil Chinas an der weltweiten Wirtschaft gerade mal fünf Prozent betrug, liegt er heute bei über 16 Prozent. 

Clemens Fuest, der Chef des Münchener Ifo-Instituts, schätze gegenüber dem Handelsblatt, dass das chinesische Wachstum bis zu einem Prozent zurückgehen könnte – vorausgesetzt die Lage sei ähnlich wie 2002/2003. 

2020 ist nicht 2002

Die Behörden Chinas verhalten sich jedoch völlig anders als 2002. Während sie damals versuchten das Ausmaß der Pandemie zu vertuschen, sprach die WHO dieser Tage ihr Lob aus, für den of­fe­nen Um­gang und die ent­schlos­se­nen Maß­nah­men, wie ARD und die ZEIT berichten. Weiterhin legen erste Daten die Vermutung nahe, dass der Coronavirus harm­lo­ser sei als der Vor­gän­ger SARS sowie auch weniger ansteckend (von weiteren möglichen Mutation einmal abgesehen). 

Und gerade hier wird es für die Wirtschaft spannend. Denn wenn in einem Punkt Einigkeit herrscht, dann in dem, dass der „Impact” auf die globale Konjunktur ganz entscheidend vom Ausmaß und der Dauer der Erkrankung abhängt.

Ein Warnsignal für die globale Konjunktur?

Die ersten Schätzungen gehen davon aus, dass die Epidemie frühestens in drei und spätestens in neun Monaten eingedämmt sein werde. Je nachdem könnte es China auch bis zu 1,9 Prozent seines BIP kosten. Aufgrund der starken globalen Verflechtung dürfte, laut Martin Lück, dem Chefanlagestrategen von Blackrock Deutschland „der Coronavirus wie ein Damoklesschwert über den Aktienmärkten hängen”. Und wenn die Unsicherheit noch weiter wachse, erklärte Lück gegenüber dem Handelsblatt, könnte die Kurse bis zu 10 Prozent fallen.

Welche Änderungen bedeutet das für mein ETF-Depot?

Geht es nach den Chefstrategen der DWS stehen besonders die Sektoren Transport (z.B. Fluggesellschaften), Tourismus sowie der Groß- und Kleinhandel besonders unter hohem Druck. Neben China sind demnach natürlich auch jene Länder wirtschaftlich betroffen, die stark vom chinesischen Tourismus profitieren – z.B. Japan oder Südkorea, wo reiche Chinesen auch viel Geld ins Land bringen.

Chinas Aktienmärkte sind auch erstmal um neun Prozent abgerutscht, doch die chinesische Zentralbank stellt fast 180 Milliarden US-Dollar bereit, um den wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. 

Sollen Anleger jetzt ihre China-ETFs verkaufen?

Betroffen sind vor allem China- sowie Schwellenländer-ETFs, aber auch europäische sowie USA-Aktien stehen unter Druck und haben ihr historisches Allzeithoch wieder eingebüßt. Das sollte aber keine Ermunterung sein, diese Aktien nun abzustoßen, vielmehr können ETF-Anleger auf das Prinzip des Buy-and-Hold vertrauen.

Was jedoch China-ETFs anbelangt, könnten sogenannte chinesische A-Aktien jetzt noch mehr an Attraktivität gewinnen. „Klassische” China-ETFs investieren zu einem großen Anteil in zyklische Konsumgüter, die angesichts des 2019-nCoV vorest schlechte Karten haben dürften.

Schon gewusst: Chinesische A-Aktien sind für ausländische Investoren erst seit 2014 handelbar und haben seitdem enorm an Bedeutung gewonnen: Der chinesische-Aktienmarkt weist mittlerweile eine Marktkapitalisierung von rund acht Billionen US-Dollar auf und ist damit der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt.

Entsprechende A-Aktien-ETFs wie der Xtrackers Harvest FTSE China A-H 50 UCITS ETF (WKN: DBX0P8) oder der iShares MSCI China A UCITS ETF (WKN: A12DPT) investieren dagegen zu einem Großteil – der Xtrackers zu 50 Prozent der iShares zu 25 Prozent – in die Finanzbranche und in antizyklische Konsumgüter, auch Basiskonsumgüter genannt. Also in Sektoren, die weniger betroffen sein dürften.

Schon gewusst: Anders als zyklische Konsumgüter gelten Basiskonsumgüter als konjunkturunabhängig. Ein Beispiel dafür: egal wie turbulent es an den Märkten zugeht, gewisse Produkte (z.B. Hygieneartikel, Nahrungsmittel) braucht und kauft der Mensch so gut wie immer. Deshalb heißen sie antizyklische Konsumgüter.

Tipp: In der aktuellen Ausgabe des Extra-Magazins ist ein ausführlicher Artikel zum chinesischen A-Aktien-Markt erschienen. Auf einer speziell eingerichteten Themenseite finden Sie überdies weitere Information zum Investieren in China.

iShares MSCI China A UCITS ETF

WKN: A12DPT ISIN: IE00BQT3WG13
Kurs 2,83 €
Kosten (TER) 0,40 %
Fondsvolumen 720 Mio. €
Indexabbildung Physisch
1 Monat -0,33 %
Lfd. Jahr +4,25 %
Mehr Infos zum: iShares MSCI China A UCITS ETF
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Xtrackers Harvest FTSE China A-H 50 UCITS ETF

WKN: DBX0P8 ISIN: LU1310477036
Kurs 19,83 €
Kosten (TER) 0,65 %
Fondsvolumen 11 Mio. €
Indexabbildung Physisch
1 Monat -2,53 %
Lfd. Jahr +1,15 %
Mehr Infos zum: Xtrackers Harvest FTSE China A-H 50 UCITS ETF
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