Gut aufgestellt mit Diversifikation im Weltportfolio 

„Erstens Diversifizieren, zweitens Diversifizieren und drittens Diversifizieren”. Diese drei Regeln für den Vermögensaufbau gab Nobelpreisträger William F. Sharpe, neben Harry M. Markowitz, eine Koryphäe der Portfoliotheorie, 1993 den Lesern des Handelsblatts mit an die Hand. Sharpe ist zwar für seinen Humor gegenüber der Presse bekannt, wird in Interviews aber auch gerne konkreter, wenn er darüber spricht, wie Anleger erfolgreich investieren können.

So rät Sharpe Privatanlegern, die für die Altersvorsorge ein Vermögen aufbauen möchten, ein breit diversifiziertes Portfolio mit Aktien und Anleihen aus der ganzen Welt anzulegen. Der Anteil riskanter Anlagen, z.B. Aktien oder auch Anleihen mit niedriger Bonität, müsse dem individuellen Risikoprofil des Anlegers Rechnung tragen. Aktien bringen zwar im Schnitt mehr Rendite, sind aber auch riskanter.

Diversifikation – das A und O?

Wer in ein reines ETF-Aktien-Portfolio investiert, geht höhere Verlustrisiken ein, als jemand, der zu einem gewissen Prozentsatz auch Anleihen in sein Portfolio integriert. Wie hoch der Prozentsatz dabei ist, oder besser sein sollte, ist eine Frage des persönlichen Chancen- bzw. Risikoprofils. Dabei spielen Alter, Beruf und Risikoneigung eine wichtige Rolle. Doch als Faustregel gilt: 100 – Alter = der Aktienanteil. 

Tipp: Robo-Advisors bieten auf ihren Websites Fragenkataloge an, die Anlegern dabei helfen, ihr persönlich Chancen- bzw. Risikoprofil zu ermitteln. Man kann diese Fragen auch „durchspielen”, ohne einen Vertrag abschließen zu müssen. Bei dem Anbieter Visualvest geht es sogar ohne Anmeldung. 

Dazu zwei Beispiele: Sind Anleger 30 Jahre alt, empfiehlt sich ein hoher (riskanterer) Aktienanteil von etwa 70 Prozent. Sind Investoren 60 Jahre alt, empfiehlt sich ein niedrigerer Aktienanteil von 40 Prozent und ein sicherer Anleihenanteil von 60 Prozent. 

Unterschied zwischen Diversifikation und Asset Allocation

Ein Investment in verschiedene Anlageklassen nennt man Asset Allocation. Das Prinzip, sich zusätzlich abzusichern, indem man in verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien etc.) investiert, hat erstmal nichts mit den Prinzipien der Diversifikation zu tun. Denn Anleger können ja auch nur einzelne Aktien, Anleihen oder Rohstoffe kaufen, wo doch Diversifikation genau das Gegenteil bezweckt.

Wenn Sharpe seinen Lesern rät, breit zu diversifizieren, meint er damit Aktien und Anleihen aus der ganzen Welt zu kaufen und das geht relativ einfach mit ETFs. Ein Welt-ETF investiert in Aktien der erfolgreichsten Unternehmen weltweit. Analog dazu gibt es auch Anleihe-ETFs, die nicht nur Staats- oder Unternehmensanleihen von einem Land oder einer Aktiengesellschaft beinhalten, sondern weltweit, und damit breit gestreut aufgestellt sind. Der Hintergrund ist schlichtweg der, dass man ein Klumpenrisiko vermeiden will. 

Damit ist Folgendes gemeint: Verliert ein Unternehmen, das z. B. im MSCI World Index vertreten ist, drastisch an Wert, fällt es aus dem Index raus und ein anderes rutscht nach. Der Verlust hält sich dabei in Grenzen. Denn selbst die größten Unternehmen, die im beliebten iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH) enthalten sind, in diesem Fall Apple und Microsoft, sind nur mit guten drei Prozent vertreten. Würden Anleger hingegen Einzelaktien besitzen und das Unternehmen würde Konkurs anmelden, tragen sie den vollen Verlust mit.

Risiken durch Diversifikation senken mit extraETF Weltportfolios 

Da in Deutschland mehr über 1.700 ETFs zum Handel zugelassen sind, ist die Erstellung eines eigenen ETF-Portfolios nicht ganz so einfach. Um interessierten Anlegern eine Orientierung zu bieten, hat die Redaktion von extraETF.com verschiedene Weltportfolios erstellt, die Vorschläge unterbreiten, welche ETFs sich für ein diversifiziertes Portfolio eignen können. Mit Aktienquoten von 10 Prozent (sicher) bis 100 Prozent (riskant) sollte für jeden Anlegertyp etwas dabei sein.

Tipp: Auf einer eigens eingerichtete Themenseite finden Anleger viele weitere ETF-Musterportfolios – darunter Einsteiger-Portfolios, ETF-Weltportfolios, Dividenden-Portfolios, Experten-Portfolios u.v.m. 

Mehr Aktien, mehr Rendite, mehr Risiko

Das Jahr 2019 war bekanntlich ein gutes Jahr für Aktien, was sich in den Performancedaten der Weltportfolios auch widerspiegelt. Das extraETF Weltportfolio 30 erzielte 2019 eine Wertsteigerung von 12,7 Prozent, das extraETF Weltportfolio 50 von 18,2 Prozent und das extraETF Weltportfolio 90 von 31,9 Prozent. Man sieht: je höher der Aktienanteil, desto höher die Wertentwicklung. Corona lehrt uns gerade das Gegenteil. Bis auf wenige Gewinner verlieren die meisten Aktien gerade an Wert.

Doch genau deshalb spielt das persönliche Risiko- und Chancenprofil so eine tragende Rolle, wenn man ein ETF-Portfolio zusammenstellt oder einen Sparplan dafür anlegt. Junge Anleger mit einem Sparhorizont von zwei oder mehr Jahrzehnten, haben genug Zeit, diese und andere Krisen (im Sinne des Buy-and-Hold) geduldig auszusitzen. Da darf der Aktienanteil ruhig hoch sein, sofern man dafür stabile Nerven hat. Anleger, die Sicherheit wollen oder brauchen, z. B. weil ihr Sparhorizont aufgrund ihres Alters unter 15 oder 10 Jahren liegt, können den Anleihenanteil dagegen hochschrauben und fahren damit sicherer durch die Krise(n).

Mehr Anleihen, weniger Rendite, weniger Risiko

Um das zu verdeutlichen, schauen wir abschließend noch auf die aktuellen Zahlen zu der Performance der extraETF Weltportfolios – zu Coronas Zeiten.

Zwischen dem 21. Februar und dem 16. März 2020 verlor das extraETF Weltportfolio 90 über 21 Prozent an Wert, das extraETF Weltportfolio 50 um circa 12 Prozent, das extraETF Weltportfolio 30 aber nur um etwa 7,5 Prozent. Natürlich können solche Einzelbeispiele nicht verallgemeinert werden, zeigen aber den Zusammenhang zwischen Aktien und Anleihen in einem ETF-Portfolio auf. Vorausgesetzt das Portfolio investiert breit diversifiziert in Unternehmen (oder Staaten) der ganzen Welt.