Von Bernd Lammert26. Januar 2022
Investieren in einen Türkei-ETF: Chancen für Mutige

Investieren in einen Türkei-ETF: Chancen für Mutige

Derzeit gibt das Land am Bosporus und seine Regierung kein gutes Bild ab. Doch mittelfristig stehen die Chancen auf einen finanzpolitischen Kurswechsel durchaus gut. Risikobereite Investoren können sich jetzt mit einem Türkei-ETF in Stellung bringen. 

Die türkische Notenbank CBRT hat auf ihrer Januar-Sitzung die Füße still gehalten und den Leitzins nicht weiter gesenkt. Er bleibt damit vorerst bei 14 Prozent. Seit August 2021 haben die Währungshüter unter dem Druck des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Zinsen aber bereits um insgesamt 5,0 Prozentpunkte auf das jetzige Niveau gesenkt. In der Folge katapultierte die Inflationsrate auf zuletzt 36 Prozent nach oben. Das ist die offizielle Rate, nach Ansicht vieler Türken ist die reale Teuerung um ein Vielfaches höher. Der hohe Preisdruck macht es für die Menschen im Land schwer, auch nur das Notwendigste wie Lebensmittel zu kaufen. 

Konventionelles Mittel zur Bekämpfung der Inflation sind Zinserhöhungen, wie es andere Länder auch getan haben. Aber Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen, er hält das Gegenteil für das bessere Rezept gegen den Preisdruck. Niedrigere Zinsen sollen die Finanzierungskosten von Unternehmen reduzieren und dadurch auch die Erzeuger- und Verbraucherpreise in Schach halten, so das unorthodoxe Kalkül. Doch die Effekte bleiben unsichtbar. Die niedrigen Zinsen treiben nicht nur die Teuerung, sie schwächen auch den Außenwert der Landeswährung enorm. Die inflationstreibende Wirkung der Lira-Schwäche dominiert. „Eine deutliche Anhebung der Zinsen vergleichbar zum Kurs ab 2018 ist eine notwendige Voraussetzung für die Stabilisierung des Außenwertes der Währung und der Preise“, heißt es von der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH. Entwarnung Fehlanzeige: „Im Zuge der anstehenden Zinsanhebungen in anderen Regionen könnte der Druck auf die Währung bereits kurzfristig wieder steigen“.

Kurswechsel unabdingbar 

Präsident Erdogan ist mit sich dagegen im Reinen. Denn für die hohe Inflation und die Schwäche der Währung macht er nach wie vor internationale Kräfte verantwortlich. Dabei wäre ein Sinneswandel in der Türkei ungemein wichtig. Ein entscheidendes Datum und eine Chance auf einen Kurswechsel der türkischen Finanz- und Wirtschaftspolitik ist die Parlaments- und Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Die Zustimmung für Erdogan und seine unorthodoxe Wirtschaftspolitik erodiert gerade. In der jüngsten Umfrage des Instituts Metropoll landete Erdogan auf der Beliebtheitsskala nur noch auf dem vierten Platz hinter drei Oppositionspolitikern und potenziellen Präsidentschaftskandidaten. Investoren sollten sich also mit Blick auf die Türkei in Geduld üben, sagt auch der Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz. „Mittelfristig geht an einem erneuten Kurswechsel der Geldpolitik kein Weg vorbei; für Investoren bietet sich dann die Gelegenheit günstig einzusteigen“. Denn die Wachstumsperspektiven der Türkei seien durchaus positiv, so Eyb & Wallwitz.

Türkei-ETF: Nur für Mutige 

Das Timing bleibt allerdings schwierig. „Bis zur Präsidentschaftswahl Mitte 2023 wird der politische Druck auf die Notenbank hoch bleiben“, erwarten die Experten. Gleichzeitig bleibe in dieser Zeit das Risiko von erneuten politischen Eingriffen zur Bekämpfung der Symptome – insbesondere durch Kapitalverkehrskontrollen – substanziell. Mutige Anleger, die sich ein Engagement in türkische Werte zutrauen, könnten sich den Lyxor MSCI Turkey UCITS ETF (WKN: LYX02F) näher anschauen.

Lyxor MSCI Turkey UCITS ETF

WKN: LYX02F ISIN: LU1900067601
Kurs 22,85 €
Kosten (TER) 0,45 %
Fondsvolumen 61 Mio. €
Indexabbildung Synthetisch
1 Monat -11,87 %
Lfd. Jahr +17,80 %
Mehr Infos zum: Lyxor MSCI Turkey UCITS ETF
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Der Türkei-ETF bildet die 20 – nach Marktkapitalisierung und Liquidität wichtigsten – Aktienwerte der Türkei ab. Ein einzelner Aktienwert wird bis maximal 10 Prozent gewichtet. In diesem Jahr legte der ETF um gut 9 Prozent zu. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,45 Prozent. 

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