Trotz oder wegen Corona? Dieser ETF geht durch die Decke

Um es kurz zu machen: Die Rede ist vom Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF (WKN: LYX0PM). Doch warum steigt dieses Finanzprodukt, das aus derivativen Finanzinstrumenten (Futures) und internationalen Aktien besteht, während alle wichtigen Leitindizes – seit der Coronavirus Politik und Gesellschaft in Atem hält – mit dem Bären tanzen, also stark abfallen?

Wenn man sich die Renditen der letzten Woche und des letzten Monats (Stand: 12.03.2020) auf der Top-Flop-Liste von extraETF.com genauer ansieht, so fällt doch deutlich auf, dass außer dem Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF (bis auf sehr wenige Ausnahmen) kaum ein Aktien-ETF eine nennenswerte Performance hingelegt hat. Ein anderer „Ausreißer” wäre zum Beispiel der Invesco Dynamic US Market UCITS ETF (WKN: A0M2EH).

Doch zahlentechnisch kann dieser ETF mit dem Lyxor S&P 500 VIX nicht mithalten. Der „VIX-ETF” legte in einer Woche eine Performance von 37,19 Prozent und in einem Monat von 87,59 Prozent hin. Zum Vergleich: der Invesco Dynamic US Market stieg um je 3,82 (Woche) und 4,87 Prozent (Monat). Im Wochen- sowie im Monatsrückblick hat jedenfalls kein auf Anleihen oder auf Rohstoffe gezeichneter ETF eine bessere Performance hingelegt als der Lyxor S&P 500 VIX von Lyxor.

Was steckt hinter dem Index S&P 500 VIX?

Der S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll Index variiert kontinuierlich zwischen einem kurzfristigen und mittelfristigen Portfolio aus Termingeschäften (Futures) und versucht so aus der Volatilität im breiten Aktienmarkt Renditen zu erzielen. Etwas einfacher formuliert: Der VIX-Index drückt die zu erwartende Schwankungsbreite des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 aus. Ein hoher Wert des VIX verweist auf einen unruhigen Markt, ein niedriger Wert kennzeichnet dagegen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen.

Deshalb wird der VIX auch als „Angstbarometer“ bezeichnet und weist eine negative Korrelation zum S&P 500 auf: Fällt der S&P 500, steigt in der Regel der VIX an und das ist gerade der Fall. Der ETF setzt dabei auf kurzfristig und mittelfristig laufende Futures, um das Verlustrisiko aufgrund des Rollvorgangs möglichst zu minimieren.

Über die Besonderheiten von Termingeschäften, die geprägt sind von Rollverlusten und Rollgewinnen, haben wir in einem Beitrag über den aktuellen Öl-Crash berichtet.

Historische Entwicklung

Blickt man auf die Performance der Vergangenheit, hat das „Angstbarometer” seinen Namen offensichtlich verdient. Einen historischen Höchststand erreichte der VIX am Schwarzen Montag, (19. Oktober 1987), der ersten großen Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg. Im Verlauf der Finanzkrise von 2008, die im Sommer 2007 als Immobilienkrise in den USA begann, stieg der Index wiederum auf den höchsten Stand seit 1987. 

Ist der Anstieg Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF Vorbote einer neuen Finanzkrise? Kenneth Rogoff, bekannter Ökonom aus den USA, der sein Leben lang Finanzkrisen erforscht hat, sagt gegenüber der Zeit: „Die Panik ist riesig, aber sie wird vorbeigehen” Die Süddeutsche Zeitung hält eine neue Finanzkrise derzeit für möglich. 

Doch wie besagt eine alte Börsenweisheit so treffend: „An der Börse bekommt jeder mal Recht”. Das soll verdeutlichen: Der ein oder andere Crash-Prophet wird früher oder später ins Schwarze treffen, doch wie wir an anderer Stelle schon mal berichtet haben, steckt da mehr Zufall als Weisheit dahinter.

Ist der VIX-ETF für Sparer zu empfehlen?

Dazu ein klares Nein. Zum Aufbau eines Vermögens zum Beispiel für die Altersvorsorge eignet sich der Lyxor-VIX-ETF dann eher nicht. Langfristig gesehen steigen Börsenkurse mehr als sie fallen: Schaut man sich die Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre an, so erholten sich nach jeder Krise die Märkte und zeichneten neue Rekorde. So ist dieser ETF eher für „Zocker“ als für langfristig orientierte Sparer geeignet.

Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF

WKN: LYX0PM ISIN: LU0832435464
Kurs 6,03 €
Kosten (TER) 0,60 %
Fondsvolumen 79 Mio. €
Indexabbildung Synthetisch
1 Monat -4,63 %
Lfd. Jahr +77,42 %