Wie ETF-Anleger nachhaltig investieren können 

Was nicht ist, kann bekanntlich ja noch werden: Bis vor kurzem zeigte sich der weltgrößte Vermögensverwalter, Blackrock, eher reserviert, wenn es um Fragen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit ging. Milliardensummen von Kundengeldern investiert Balckrock in Öl-Konzerne wie Exxon, Shell oder BP sowie in Kohlestromerzeuger wie RWE. 

Nun betonte jedoch ein Sprecher von Blackrock gegenüber dem Wallstreet Journal: „Wir glauben, dass sich die Beweise für die Auswirkungen des Klimarisikos auf die Investmentportfolios rasant häufen und wir beschleunigen unser Engagement in dieser kritischen Frage.” 

Blackrock tritt Climate Action 100+ bei 

Gesagt getan? Am 09.01.2020 gab der ETF-Anbieter Blackrock bekannt, dass er sich dem Bündnis Climate Action 100+ angeschlossen hat: Dabei handelt es sich um eine 2017 gegründete Investoreninitiative, die sicherstellen soll, dass die weltweit größten Unternehmen, die Treibhausgase emittieren, die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen.  

Zu den Unternehmen gehören „100 systemisch wichtige Emittenten”, die für zwei Drittel der jährlichen weltweiten Industrieemissionen verantwortlich sind, sowie mehr als 60 weitere Unternehmen, die eine bedeutende Chance haben, den Übergang zu sauberen Energien voranzutreiben – darunter der Versicherer Allianz, die Fondsgesellschaft DWS und die Schweizer Großbank UBS. 

Nachfrage nach Nachhaltigkeit steigt 

Mit dem Beitritt zu Climate Action 100+ beugt sich der Branchenriese einerseits dem lauter werdenden öffentlichem Druck, als größter Vermögenverwalter (noch) zu wenig für den Umweltschutz zu unternehmen. Andererseits liegen nachhaltige Investments derzeit voll im Trend. Nachhaltigkeits-ETFs sind bei iShares (Blackrock) das Produktsegment mit dem stärksten Wachstum. Die Zahl der entsprechenden ETFs hat sich mit 81 fast verdreifacht. 

Das weltweit in iSharesETFs verwaltete Vermögen übertraf 2019 die Marke von zwei Billionen Dollar. Der Marktanteil beläuft sich auf 33 Prozent. Damit hat iShares seine Position als führender ETF-Anbieter zwar weiter gefestigt, doch allein auf extraETF.com lassen sich insgesamt 135 nachhaltige ETFs von mindestens zehn ETF-Anbietern finden. 

ESG, SRI, ex CW oder Low Carbon? 

Selbst wer sich nicht sonderlich für das Thema interessiert, wird spätestens in einem Jahr damit in Berührung kommen. Dann ab dann müssen Berater bei Banken und Sparkassen bei ihren Kunden nachfragen, ob diese ihr Geld nachhaltig, im Sinne des Umweltschutzes, des Sozialgedankens und der ethisch vertretbaren Unternehmensführung investieren wollen. 

Dabei stehen interessierte Anleger aber vor einem Problem: Noch unterliegen die Nachhaltigkeitskriterien – etwa ESG, SRI, ex CW oder Low Carbon – keiner staatlichen oder institutionellen Kontrolle und sind von Anbieter zu Anbieter ganz unterschiedlich. 

Nachhaltig Investieren: von Kernausschlüssen bis Best-In-Class-Ausschlüssen 

Nachhaltig-Investieren: es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, um den Bedürfnissen der Anleger gerecht zu werden.
Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, um den Bedürfnissen der Anleger gerecht zu werden. Quelle: UBS Asset Management

ESG: Das Kürzel „ESG“ steht allgemein für die drei englischen Begriffe „Environment Social, Governance“, also Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. Aus dem Gesamtuniversum werden hierbei Unternehmen mit besonders eklatanten Verstößen gegen die drei genannten Kriterien ausgeschlossen. Ziel der Indexkonstruktion ist es, mit einigen wenigen Ausschlüssen möglichst genau und ohne größere Abbildungsfehler den Hauptindex wie den MSCI World, MSCI Emerging Markets oder S&P 500 abzubilden. Dies funktioniert jedoch nur, wenn lediglich einige Unternehmen ausgeschlossen werden.

>>>Hier finden Sie alle ETFs nach ESG 

SRI: Wer als Anleger eher strengere Anlagekriterien bevorzugt, sollte sich ETFs nach SRI-Kriterien ansehen. Das Kürzel SRI steht für den englischen Begriff Social Responsible Investment, also sozial verantwortliches Investieren. Hierbei geht der Indexanbieter einen Schritt weiter, indem Investitionen aktiv eliminiert und nach bestimmten ethischen Richtlinien wie Religion, politischen Überzeugungen oder persönlichen Werten ausgewählt werden. Hierbei können ganze Branchen oder Unternehmen mit einem schlechten ESG-Rating ausgeschlossen (Kern-SRI) und/oder nur die Unternehmen mit dem besten Rating in den Index aufgenommen werden (Best-in-Class-Strategie). Die Grenzen zwischen den einzelnen SRI-Modellen sind fließend.

>>>Hier finden Sie alle ETFs nach SRI 

ex CW: Unter dem Kürzel ex CW versteckt sich die englische Bezeichnung ex Controversial Weapons, also ohne kontroverse Waffen. So investiert zum Beispiel der BNP Paribas Easy MSCI EMU ex CW (WKN: A2AL1W) in die wichtigsten Unternehmen in Europa – ohne Waffenhersteller. Da es sich bei kontroversen Waffen in erster Linie um international geächtete Waffen handelt, ist nicht gesagt, dass ein ex-CW-ETF in überhaupt keine Waffenfirmen investiert. Wie bei allen grünen Anlagen gilt auch hier: genau hinsehen.

>>>Hier finden Sie alle ETFs nach ex CW 

Low Carbon: Low Carbon konzentriert sich auf Investitionen in Unternehmen mit geringem CO2-Abdruck. Von anderen Themen-ETFs unterscheiden sich Low-Carbon-ETFs dadurch, dass sie sich nicht einen speziellen Fokus, zum Beispiel auf Umwelttechnik, Erneuerbare Energien oder Elektromobilität legen, sondern branchenübergreifend investieren. Doch ihre Zusammensetzung ergibt nicht zwangsläufig immer Sinn: Denn auch wenn energieintensive Branchen wie Bergbau und Zementherstellung kategorisch ausgeschlossen werden, so gilt es trotzdem darauf zu achten, dass viele Produkten – infolge langer sowie intransparenter Wertschöpfungsketten – energieintensiver sind, als man das auf den ersten Blick sieht.

>>>Hier finden Sie alle ETFs nach Low Carbon 

Wie den richtigen nachhaltigen ETF finden? 

Wie Sie bei all dem Kuddelmuddel den richtigen nachhaltigen ETF finden? Es lohnt sich, vor der Entscheidung genau die Auswahlkriterien anzusehen. Strengere SRI-Kriterien reduzieren die DiversifikationAnleger, die sich für die strengsten Auswahlkriterien entscheiden, sollten sich dabei bewusst sein, dass sich dabei das Anlageprofil gegenüber dem Hauptindex zum Teil deutlich ändert – auch wenn die Indexprovider bei dem „Best-in-Class-Verfahren“ versuchen, die möglichst breite Diversifikation des Hauptindex beizubehalten.

Gerade bei Nachhaltigkeits-ETFs sollten Anleger genau aufs Detail schauen, denn es gibt keine einheitlichen Regeln. Grundsätzlich gilt: SRI hat strengere Regeln als ESG. Und je strenger die Auswahl, desto geringer die Diversifikation. Das hat Auswirkung auf das Chance-Risiko-Profil des Anlegers. 

Fazit: Leidet dabei nicht die Rendite?

Der vielleicht stärkste Vorbehalt lautet: Wer nachhaltig investiert, bekommt weniger Rendite und muss mehr Risiko in Kauf nehmen. Diese Gretchenfrage über Rendite und Risiko haben in den letzten zehn Jahren viele Studien zu beantworten versucht. 

Das Fazit: Nachhaltige Kapitalanlagen weisen keinen systematischen Nachteil gegenüber konventionellen Anlagen auf. Im Gegenteil: Nicht wenige Studien sehen sogar Vorteile bei nachhaltigen Kapitalanlagen. 

Tipp: In unserem ETF-Anlageleitfaden finden Sie weiterführende Informationen zum ThemInvestieren in Nachhaltigkeits-ETFs.