Saudi Aramco geht an die Börse – ein guter Tag für die Länder-ETFs zu Saudi-Arabien?

Wenn der profitabelste Konzern der Welt an die Börse geht, erhitzen die Gemüter und viele Leitartikler ereifern sich mit Superlativen. Abwechselnd ist vom „Rekordbörsengang”, vom „Mega-Börsengang” und natürlich vom „größten Börsengang der Geschichte” zu lesen. Doch wie „groß” ist der Börsengang von Saudi Aramco eigentlich genau zu bewerten? Und können ETF-Anleger davon profitieren?

So mega ist der „Mega-Börsengang” gar nicht

Nach bisherigem Kenntnisstand beginnt der Handel mit Aramco-Aktien am 11. Dezember 2019 an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul. Pikant dabei bleibt, dass der größte Ölkonzern der Welt zwar an die Börse geht, jedoch nur sehr eingeschränkt.

Laut Informationen der WELT gehen Beobachter derzeit davon aus, dass Saudi Aramco lediglich drei Prozent seiner Anteile an der Tadawul-Börse platziert. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen zwei Prozent an eine ausländische Börse gebracht werden.

Häppchenweiser Börsengang – worauf Anleger achten sollten

Weiterhin sollten Anleger beachten, dass die saudische Königsfamilie alle anderen Anteile von Aramco besitzt und daraus derzeit circa 60 Prozent aller Regierungseinnahmen Saudi-Arabiens bezieht. Gleichwohl kündigte die Königsfamilie im Oktober 2019 an, zwischen 2020 und 2024 jährlich eine Dividende von etwa 75 Milliarden US-Dollar auszuschütten, (angeblich) bevorzugt an „Nicht-Regierungsteilhaber“.

So könnte der Börsengang von Saudi Aramco insgesamt rund 100 Milliarden Dollar einspielen und den gegenwärtigen IPO-Rekord von 25 Milliarden Dollar von Alibaba brechen. Da Aramco momentan mit zwei Billionen Dollar bewertet wird, würden für den Rekordbruch, rein rechnerisch, zwei Prozent der Anteile ausreichen.

Allerding wird Kronprinz Mohammed bin Salman nicht müde zu betonen, dass er Stück für Stück fünf Prozent des Unternehmens an die Börse bringen wolle, um die saudische Wirtschaft unabhängiger von Öl-Exporten und damit zukunftsfähiger zu machen.

Kommt damit Bewegung in die Saudi-Arabien-ETFs?

Unabhängig davon, ob ETF-Anleger bereits einen Saudi-Arabien-ETF besitzen oder erst einen erwerben möchten: Es ist davon auszugehen, dass der Aramco-Börsengang die Performance der Indizes verändern wird, sobald die Portfolios entsprechend angepasst werden. Wann und ob der Index-Anbieter MSCI eine Anpassung vornehmen wird, ist noch nicht abzusehen, jedoch können Anleger schon jetzt in zwei ETF-Produkte von unterschiedlichen Anbietern investieren:

  • iShares MSCI Saudi Arabia Capped UCITS ETF (WKN: A14ZV2)
  • HSBC MSCI SAUDI ARABIA 20/35 CAPPED UCITS ETF (WKN: A2PH6A)

Der iShares MSCI Saudi Arabia Capped UCITS ETF (WKN: A14ZV2) ist thesaurierend und weist mit 232 Millionen Euro ein ordentliches Fondsvolumen auf. Denselben ETF gibt es auch in einer „ausschüttenden” Variante (WKN: A2PGTG), dieser besitzt aber ein sehr geringes Fondsvolumen (kleiner als eine Millionen Euro).

Der HSBC MSCI SAUDI ARABIA 20/35 CAPPED UCITS ETF (WKN: A2PH6A) weist ebenso ein relativ kleines Fondsvolumen von circa elf Millionen auf, ist ausschüttend, aber mit seiner Gesamtkostenquote (TER) von 0,50 Prozent auch etwas günstiger zu haben als der Saudi-Arabien-ETF von iShares. Dafür ist nur der iShares MSCI Saudi Arabia Capped UCITS ETF (WKN: A14ZV2) sparplanfähig – bei ING (► Zum Testbericht) oder Trade Republic (► Zum Testbericht).

Gemeinsamkeiten beider ETFs

Was beide ETFs gemeinsam haben, ist, dass beide Indizes zu etwa 70 Prozent auf die gleichen zehn größten Unternehmen Saudi-Arabiens setzen und zwar mit einer ordentlich diversifizierten Gewichtung (Stichwort: Capped) zwischen circa drei und 14 Prozent. Ob und wie sich diese Gewichtung jedoch in Folge des Aramco Börsengangs am 11. Dezember 2019 verschieben wird, darüber kann bislang nur spekuliert werden.

Hier erhalten Sie weitere Details zur Zusammensetzung und Analyse der Saudi-Arabien-ETFs.