Alles über die Schattenseite des Value-Investments

Value-Anleger sind die Schnäppchenjäger der Börse. Hier zeigen wir Ihnen die Schattenseite dieser verbreiteten Strategie.

Immer wieder wird medial zwischen „Value“ und „Growth“ Investoren differenziert. Die sogenannten Value-Investoren beteiligen sich an Unternehmen mit möglichst günstigen bzw. niedrigen Kennziffern, wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder dem Buchwert, die Growth Investoren hingegen wollen hohes Wachstum sehen und sind bereit, dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen, also einen höheren Wert für das Unternehmen zu zahlen.

Schattenseiten der Value-Strategie

Doch es gibt auch die Schattenseiten des Value-Investings, und – wie so oft – gibt es Alternativen. Unternehmen die aus historischer Sicht einen geringen Aktienkurs haben und damit einhergehend häufig ein geringes KGV und eine hohe Dividendenrendite ausweisen, werden nur all zu gerne als Value-Unternehmen dargestellt. Vernachlässigt wird hierbei in einigen Fällen, dass die Unternehmen nicht zu Unrecht so günstig bewertet werden, weil sie beispielsweise wenig innovativ sind, hohe Schulden angehäuft haben oder die Waren und Dienstleistungen schlichtweg nicht mehr relevant sind.

Dadurch werden die Unternehmen dann unter ihrem fairen Wert gehandelt, das ist der Wert der erzielt werden könnte, wenn man einzelne Teile des Unternehmens verkaufen würde oder stille Reserven, beispielsweise von Immobilien, die sich bereits seit 40 Jahren in der Bilanz befinden, aufdeckt.

Hin und wieder funktioniert dieser Ansatz noch, dann stellt sich jedoch die nächste Frage: Wie lange dauert es, bis der Markt, also andere Investoren genau das sehen, was wir sehen? Kaufe ich eine Aktie der XY AG, die in den nächsten sieben Jahren ihren Kurs stabil hält, um dann einen Sprung um 20 Prozent nach oben zu machen, dann ist der Ansatz wohl eher gescheitert (angenommen der Aktienmarkt erzielt in der Zeit eine Rendite von sechs Prozent jährlich), auch wenn bis dahin (hoffentlich) alle Dividenden gezahlt wurden. Hat das Unternehmen dann seinen fairen Wert erreicht, gibt es womöglich keinen Grund mehr zur Wertsteigerung. Somit muss das Unternehmen verkauft werden, Steuern aus dem Gewinn müssen beglichen werden und die Suche nach dem letzten Zug der Zigarette fängt von vorne an.

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Doch welche Alternative dazu gibt es?

Eine Investition in hochqualitative Unternehmen! Aber wie erkennt man diese Unternehmen, was macht diese aus? Sie erzielen hervorragende Renditen auf das eingesetzte Kapital und können dadurch weiter innerhalb des Unternehmens investieren und Wachstum erzielen. Zudem handelt es sich häufig um „langweilige“ Produkte des täglichen Bedarfs, beispielsweise Zahnbürsten, Zahnpaste, Rasierklingen oder Nahrungsmittel etc.

Aber auch in anderen Bereichen finden sich erstklassige Investments. Wer beispielsweise ein Haus mit mehreren Etagen baut, benötigt einen Aufzug. Doch das Unternehmen wird in den kommenden Jahren von der jährlichen Wartung des Aufzuges profitieren und ist somit auch fast nicht austauschbar. Ist der Aufzughersteller dann noch wenig kapitalintensiv und verdient damit gutes Geld, ergibt sich für uns das Investment.

Weitere Effekte hochqualitativer Unternehmen sind Wechselkosten. Wenn man sich einmal an einen Softwareanbieter gebunden und gewöhnt haben, wird es meistens sehr teuer diesen zu wechseln, selbst wenn ein anderer eine bessere Dienstleistung anbietet, fällt der Wechsel häufig sehr schwer.

Ebenfalls interessant sind Unternehmen, mit einem Networkeffekt. Hierbei wird die Dienstleistung interessanter, je mehr Menschen den Service in Anspruch nehmen, Stichwort Social-Media oder Online-Auktionshäuser.

 

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Über die Autorin: Petra Ahrens

Petra Ahrens, Vorstand der MAIESTAS Vermögensmanagement AG in Köln.