Die Renten von Freiberuflern stehen auf der Kippe

Vor Kurzem hat der Bund der Versicherten eine Analyse der Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer veröffentlicht. Dabei sollten bei jedem Lebensversicherungskunden die Alarmglocken schrillen! Vor allem Angehörige von freien Berufen drohen Lücken in der Altersvorsorge.

Angeblich steht nicht nur die Steuerberater-Pensionskasse, also die Deutsche Steuerberater-Versicherung (DSV), vor der Abwicklung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat offenbar aktuell mehr als 31 betriebliche Vorsorgeeinrichtungen unter besonderer Beobachtung. Die Probleme sind nicht nur das Resultat von Managementfehlern, sondern vor allem durch die Niedrigzinspolitik der EZB verursacht.

Das Vermögen der Pensionskassen und Versorgungswerke ist aufgrund vielfältiger Regeln zu großen Teilen in bonitätsstarken Anleihen, vorzugsweise in Euro, angelegt. Jede Anleihe, die zurückgezahlt wird, verschlimmert die Lage der Kassen. Schließlich muss das Geld wieder entsprechend angelegt werden. Dabei rentieren bonitätsstarke Anleihen mittlerweile selbst bei langen Laufzeiten mit einer negativen Verzinsung.

Da sehr viele Verträge der späteren Rentenbezieher bestimmte Rentenhöhen garantieren und gleichzeitig die Lebenserwartung steigt, werden die Altersvorsorgeeinrichtungen diese bei dem aktuellen Zinsumfeld nicht mehr leisten können. Sofern die Zinsen so niedrig bleiben, und nach einem Anstieg sieht es bis auf Weiteres wahrlich nicht aus, gibt es nur wenige Möglichkeiten für die Pensionskassen:

1. Entweder werden die Rentenleistungen erheblich gekürzt, möglicherweise bis zu 50 Prozent und / oder

2. das Renteneintrittsalter wird deutlich nach hinten verschoben und / oder

3. die Beiträge müssen erheblich steigen und / oder

4. die Anlagepolitik muss deutlich zugunsten einer deutlichen Höhergewichtung der Aktien verändert werden.

Der Haken: Diese theoretischen Möglichkeiten sind aktuell kaum umsetzbar. Entweder aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder wegen regulatorischer Hürden.

Alles in allem bedeutet dies: Immer mehr Angehörige von freien Berufen müssen um ihre Renten fürchten! Substanzstarke Pensionskassen und Versorgungswerke werden die Zinsdürre möglicherweise noch eine Weile aushalten. Viele andere könnten bereits in den kommenden fünf Jahren in die Insolvenz schlittern.

Darum sollte sich jeder Angehörige eines freien Berufes überlegen, wie die kommende und unausweichliche Rentenlücke geschlossen werden kann. Dabei können gut austarierte Aktiensparpläne einen wesentlichen Baustein darstellen.

Über den Autor: Uwe Eilers

Uwe Eilers ist Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG in Königstein im Taunus.

Mehr zum Thema Altersvorsorge, insbesondere zum Entnahmeplan, finden Sie in unseren Wissensartikel „Auszahlplan mit ETFs“.