Entnahmestrategien mit ETFs: Darauf sollten Sie achten

Wenn Sie über Ihren Vermögensaufbau nachdenken, dann dreht sich die Frage selten darum, was in der Phase danach passiert. Das kann gefährliche Folgen haben. Oft höre ich von Menschen, die während der Rentenzeit zu hohe Beträge aus ihren Depots oder falsche Entnahmestrategien verfolgt haben – mit der Konsequenz, dass plötzlich kein Vermögen zur Deckung des Finanzbedarfs mehr verfügbar war.

Klingt extrem, ist jedoch ein reales Phänomen, dem sich Tausende von Anlegern tagtäglich konfrontiert sehen. Die Lösung ist ganz einfach: Machen Sie sich frühzeitig Gedanken über Ihre Entnahmestrategien. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Schritte, die Sie berücksichtigen sollten.

Welche Entnahmestrategien gibt es?

Ihnen stehen prinzipiell zwei Entnahmestrategien zur Verfügung. Wir unterscheiden dabei zwischen solchen mit und ohne Kapitalverzehr. Ein Entnahmeplan mit Kapitalverzehr geht davon aus, dass Sie das Wertpapiervermögen bis zu Ihrem erwarteten Ableben verbrauchen. Strategien ohne Kapitalverzehr hingegen folgen der Annahme, dass Sie in der Rentenzeit ein zusätzliches Einkommen über die Gewinne aus Ihrer Geldanlage (z.B. Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) generieren und verbrauchen. Die Kapitalbasis bleibt unberührt.

Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Ich für meinen Geschmack präferiere aufgrund der größeren Planungssicherheit das Modell ohne Kapitalverzehr bzw. der ewigen Rente. Auf der anderen Seite müssen Sie beim Modell mit Kapitalverzehr deutlich weniger Vermögen aufbauen – das entlastet Ihr gegenwärtiges Budget. Kommen wir nun zu den Risiken.

Auf diese Risiken sollten Sie achten

Wie bereits erwähnt passiert es häufig, dass Anleger ein Modell wählen, mit denen Sie ihr Vermögen frühzeitig aufbrauchen. Das ist besonders dann nervig, wenn Sie vom Nebeneinkommen abhängig sind. Gerade das Modell mit Kapitalverzehr ist mit einem großen Pleiterisiko verbunden. Im Alter kommen nämlich oft Kosten auf uns zu, die wir selten antizipieren. Darunter fallen insbesondere höhere Aufwendungen für Pflege und Medikamente. Das ewige Renten-Modell ist zwar die aus meiner Sicht souveräne Strategie, schützt aber auch nicht vor Fehleinschätzungen.

Wer beispielweise in der Rentenzeit weiterhin eine hohe Aktienquote hält, muss Schwankungen ertragen. Es genügt ein schlechtes Jahr, um Ihre Altersvorsorge vor große Herausforderungen zu stellen. Aus dem Grund empfehle ich Anlegern stets dazu, ihr Portfoliorisiko in der Entnahmephase über eine Senkung der Aktienquote zu reduzieren.

4-Prozent-Regel

Wie groß darf denn der optimale Entnahmebetrag sein? Wer sich mit dieser Frage beschäftigt, wird früher oder später auf die sogenannte 4-Prozent-Regel stoßen. Diese Regel geht auf eine US-Studie der Trinity-Universität in Texas zurück. Im Rahmen der Studie wurde versucht herauszufinden, wieviel Kapital man jährlich von einem vorhandenen Vermögen entnehmen (konsumieren) kann, ohne jemals dabei Pleite zu gehen. Dazu haben die Forscher ein fiktives Wertpapierportfolio, das je zur Hälfte in US-Aktien und US-Anleihen angelegt war, über verschiedene 30-Jahres Zeiträume untersucht.

Im Ergebnis war am Ende jedes 30-Jahre Zeitraums immer noch genug Kapital übrig. Spätere Untersuchungen haben gezeigt, dass die 4-Prozent-Regel für noch längere Zeiträume und vor allem auch für den europäischen Markt gilt. Wer mit 67 Jahren in Rente geht und genug Kapital für mindestens 30 Jahre hat, sollte in jedem Fall auf der sicheren Seite sein.

Jetzt wissen Sie, wie perfekte Entnahmestrategien aussehen. Um das notwendige Kapital zu bestimmen, müssen Sie jetzt nur noch Ihren jährlichen Finanzbedarf mit 25 multiplizieren. Wer monatlich 1.000 Euro zusätzlich einnehmen muss, benötigt demnach 300.000 Euro, um sich mit einer hohen Sicherheit jeden Monat die Zusatzrente auszahlen zu können.

Wichtiger Hinweis: Um diesen Betrag bei einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent p.a. über einen Zeitraum von z.B. 35 Jahren aufzubauen, müssten Sie monatlich 270 Euro ansparen. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren müssten Sie Ihrem ETF-Sparplan 737 Euro monatlich zuführen.

Fazit

Die 4-Prozent-Regel ist die aus meiner Sicht beste Orientierung für Privatanleger. Anstatt sich mit Prognosen zu beschäftigen, sollten Sie auf eine Regel setzen, die wissenschaftlich fundiert ist. Informieren Sie sich frühzeitig über Ihre prognostizierten Rentenleistungen, um Ihren zusätzlichen Finanzbedarf zu ermitteln.

Verlieren Sie zudem keine Zeit mit dem Vermögensaufbau. Je früher Sie starten, desto weniger müssen Sie an Sparleistung erbringen, da Ihr Kapital mehr Zeit hat, für Sie zu arbeiten. In der Vermögensaufbau-Phase darf Ihre Aktienquote hoch sein, da Ihnen viel Zeit bleibt, um kurzfristige Schwankungen auszusitzen. Nach Eintritt in die Entnahmephase sollten Sie die Aktienquote reduzieren.

 

Tipp: Sie möchten vorsorgen? Hier gelangen Sie zum Vorsorgerechner von extraETF.