Experte: „Dax Richtung Jahresende deutlich über 16.000 Punkte“

Einen volatilen Sommer an den Finanzmärkten erwartet Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei Star Capital. Dank der Mischung aus guten Fundamentaldaten und der lockeren Geldpolitik der Notenbanken sollten die Börsen und damit auch der Dax mittelfristig noch Luft nach oben haben.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie zeigen viele Nationen seit Monaten große Fortschritte. Wie bereits im vergangenen Frühsommer gehen die Infektionszahlen in vielen Ländern kontinuierlich zurück, sinkende Inzidenzen und weitreichende Lockerungen lassen auf einen ähnlich unbeschwerten Sommer wie 2020 hoffen. Den entscheidenden Unterschied im Vergleich zum Vorjahr machen dieses Mal jedoch die Fortschritte in der Impfkampagne, bei der vor allem auch Deutschland nach einem schleppenden Start zu Jahresbeginn immer kräftiger aufs Gaspedal drückt. Rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat inzwischen zumindest eine Impfung erhalten und steht damit in den Startlöchern, die Entbehrungen der zurückliegenden Monate hinter sich zu lassen.

Industrie und Aktienmärkte strotzen vor Zuversicht

An der Börse und in der Wirtschaft wird bereits vorgefeiert. Während die Aktienindizes auf neuen Allzeithochs notieren, präsentieren sich die Konjunkturdaten seit Monaten fester. „Die Einkaufsmanagerindizes deuten auf ein starkes Wirtschaftswachstum in den nächsten sechs Monaten hin“, analysiert Kapitalmarktstratege Schlumberger, „auch wenn es zuletzt zu einer leichten Abschwächung des Trends infolge der Lieferschwierigkeiten in manchen Bereichen gekommen ist“. Während sich die Industrie schon seit Monaten im Aufschwung zeigt, dürfte dem Portfoliomanager zufolge nun vor allem der Dienstleistungssektor vor einem Boom stehen.

„Die Leute verfügen derzeit einfach über viel Geld“, sagt Schlumbergerund verweist in diesem Zusammenhang auf die während den Lockdown-Monaten stark gestiegenen Sparquoten sowohl in Deutschland als auch in den USA – Geld, das zum einen in den vergangenen Monaten in den Aktienmarkt geflossen ist, zu einem guten Teil nun aber auch für den privaten Konsum bereitsteht. Unternehmungen, die über längere Zeit nicht oder nur eingeschränkt möglich waren, wie etwa Urlaub, Konzert- oder Gastronomiebesuche, dürften in den kommenden sechs bis zwölf Monaten überdurchschnittlich gefragt sein.

Monetäre Seite sieht weiter phänomenal aus

Der erwartete Nachfrageboom führt dabei allerdings nicht nur zu positiven Effekten. Die Kehrseite der Medaille ist ein kaum vermeidbarer Preisanstieg. Überall dort, wo eine große Nachfrage auf ein (noch) begrenztes Angebot stößt, dürfte dies von den Anbietern zu Preisanhebungen genutzt werden. „Gerade bei den Mietwagenpreisen, bei Flug- und Pauschalreisen, aber auch in Restaurants und Kneipen werden wir schon in diesem Sommer Preisanpassungen nach oben beobachten können“, ist sich der Finanzmarktstratege sicher, macht sich angesichts der steigenden Inflationsdaten bislang aber noch keine Sorgen.

Ein Tapering, also eine vorsichtige Straffung der zuletzt ultralockeren Geldpolitik, durch die Notenbanken sieht Schlumberger „frühestens im kommenden Jahr. Zinserhöhungen sind für die nächsten zwei bis drei Jahre kein Thema“. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank beim Volumen der Anleihekäufe die amerikanische Notenbank sogar überholt.

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Blickt man auf die Geldströme am Kapitalmarkt können vor allem seit Herbst des vergangenen Jahres starke Zuflüsse in den Aktienmarkt beobachtet werden. Insbesondere jüngere Anleger scheinen die Börse neu für sich entdeckt zu haben. Der Aktionärsstatistik des Deutsche Aktieninstituts zufolge engagierten sich im Corona-Jahr beinahe so viele Menschen an der Börse wie zuletzt um die Jahrtausendwende. Knapp 12,4 Millionen Deutsche waren zuletzt am Aktienmarkt engagiert. Das entspricht 17,5 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Fast 600.000 junge Erwachsene unter 30 Jahren wagten sich auf das Börsen-Parkett, was einem Zuwachs um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Auch wenn diese Altersgruppe die Börse nach Einschätzung von Schlumberger „eher wie ein Spielcasino betrachtet“ und viele nervöse Hände dabei sein dürften, ist dies eine überaus erfreuliche Entwicklung. Die Chancen, dass die neue „Generation Aktie“ in den kommenden Monaten gute Erfahrung mit ihren Aktieninvestments machen wird, stehen gut. Die Fundamentaldaten und monetären Rahmenbedingungen sprechen für tendenziell weiter steigende Kurse, wenngleich über die Sommermonate hinweg Volatilität in den Markt kommen dürfte. „So langweilig wie in den zurückliegenden sechs bis acht Wochen wird es nicht weiterlaufen“, ist der Portfoliomanager überzeugt. Gerade bei höher als erwarteten Inflationsdaten dürften aufkommende Zinsdiskussionen für Unruhe sorgen. Schon jetzt hat die Inflation Corona als beherrschendes Börsenthema abgelöst.

Rohstoffe als Inflationstreiber

Getrieben wird die Inflation dabei vor allem vom Rohstoffsektor, wo sich nachhaltige Aufwärtstrends etabliert haben. Während die konjunkturelle Erholung generell weltweit für einen größeren Rohstoffhunger sorgt, kommt aus der Automobilindustrie ein spürbarer Nachfrageschub durch den Umstieg auf umweltfreundliche Antriebstechniken. Im Gegensatz zu früheren Phasen steigender Rohstoffpreise hat sich der Rohstoffsektor in den vergangenen Quartalen mit Investitionen in den Ausbau von bestehenden Produktionen und in die Entwicklung neuer Projekte aber zurückgehalten.

Eine stark steigende Nachfrage treibt die Preise bei einem begrenzten Angebot, das im Rohstoffsektor kurzfristig kaum erhöht werden kann, deshalb zwangsläufig nach oben. „Die Rohstoffpreise werden nach einer kurzen Verschnaufpause weiter zulegen“, prognostiziert Schlumberger und sieht vor allem bei den Industriemetallen noch viel Luft nach oben. Auch Silber dürfte von der Ausweitung der industriellen Nutzung profitieren, während Gold schon im vergangenen Jahr bewiesen hat, dass es auch in Phasen steigender Aktienmärkte zulegen kann.

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Überdurchschnittliche Renditen wurden seit dem Corona-Crash im März 2020 an den Aktienmärkten erzielt. Vor allem der Dax zeigt sich im internationalen Vergleich zusammen mit den US-Börsen bärenstark, wenngleich die jüngsten Allzeithochs ein wenig über die seit April laufende Konsolidierung hinwegtäuschen. Während die chinesische Börse durch die Bremsmanöver der dortigen Notenbank zuletzt etwas abgehängt wurde, schwächelt Japan aufgrund des schleppenden Starts des Impfprogramms.

Chancen sieht der Portfoliomanager daher vor allem in Europa: „Europa hat den stärksten Nachholbedarf und die höchste Dynamik aufgrund der laufenden Impfkampagne“, plädiert Schlumberger dafür, europäische Aktien in den kommenden Monaten überzugewichten. Ob das deutsche Börsenbarometer Dax die Marke von 16.000 Punkten noch in diesem Sommer überschreiten kann, ist sich der StarCapital-Stratege nicht sicher. „Spätestens im vierten Quartal rechne ich aber mit einem Dax-Stand von deutlich über 16.000 Zählern.“

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