Frauen und Geld: Warum ist diese Beziehung so schwierig?

Der Großteil der Anleger ist männlich. Das ist kein sexistisches Klischee sondern eine Tatsache. Nicht nur in Deutschland sondern weltweit befassen sich Männer wesentlich mehr mit Geld und den Möglichkeiten, dieses möglichst gut anzulegen und zu vermehren als Frauen. Unsere Autorin begibt sich auf die Suche nach den Ursachen.

Wenn man sich nun auf Ursachensuche für dieses Phänomen begibt, stößt man aber durchaus auf fragwürdige Ansichten. Männer haben „mehr Ahnung“, „mehr Selbstbewusstsein“ und natürlich – mehr Geld. De facto haben Männer im Bezug auf Investments aber vor allem eins: mehr Verluste. Denn Frauen investieren klüger, überlegter und auch risikoscheuer – allerdings immer noch wesentlich seltener als Männer. Viele Frauen scheinen auch im Jahr 2021 immer noch Berührungsängste mit dem Thema Finanzen zu haben.

Frauen scheuen Finanzthemen

 Woran liegt das? Diverse Umfragen sagen: Frauen haben Angst vor dem Thema, Frauen haben keine Zeit für das Thema, Frauen haben schlicht keine Lust auf das Thema und lassen gern den Partner die Finanzen regeln, sofern es einen gibt. Laut einer Studie des UBS Global Wealth Management kümmern sich sogar nur 21 Prozent der verheirateten Frauen selbst um ihre Finanzen – und bei den Jüngeren ist das entgegen aller Erwartungen noch ausgeprägter als bei der vorigen Generation.

Hat die Emanzipation also versagt? Haben wir bei allem Feminismus vergessen, dass wir von einer Schließung des Gender Pay Gap nicht viel haben, wenn wir keine Ahnung von Finanzen haben und mit 70 plötzlich – und vermeintlich unerwartet – Flaschen sammeln müssen?

Seit 1958 können Frauen in Deutschland selbstständig über ihr Geld verfügen – in diesem Jahr durften Frauen zum ersten Mal ohne Zustimmung des Ehemannes ein Konto eröffnen. Seitdem sind drei Generationen Frauen erwachsen geworden und die vierte wächst gerade heran. Warum sind wir also nicht schon viel weiter und glauben immer noch, dass Männer besser mit Geld umgehen können als Frauen?

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Sexismus oder Sozialisation?

Tatsächlich fängt diese Entwicklung schon im Elternhaus an. Mädchen bekommen weniger Taschengeld als Jungen. Und das setzt sich fort bis in den Berufsalltag. Eine Frau verdient für dieselbe Arbeit weniger als ein Mann, selbst dann, wenn sie besser qualifiziert ist.
Kommt dann das Thema Familie hinzu, schießen sich fast alle Frauen „freiwillig ins Aus“. Sie bekommen ein Kind, steigen für eine Zeit aus dem Beruf aus und sehr oft dann nur wieder in Teilzeit ein. Aus eigener Erfahrung: Fragt man die Frauen dann, ob sie sich keine Sorgen bezüglich ihrer Altersvorsorge machen, hört man als Antwort: Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.

Aber: Wer sich erst mit 60 nach der Scheidung Gedanken macht, hat verloren! Wer jetzt ein Jahresgehalt von weniger als 22.800 Euro Brutto hat, muss für 720 Euro gesetzliche Rente ganze 40 Jahre arbeiten. In den meisten Großstädten gibt’s dafür nicht mal eine Einzimmer-Wohnung. Natürlich kann ich als Frau darauf spekulieren, dass mein Mann die Rentenlücke schon füllt. Zu einer Zeit, zu der fast 50 Prozent aller Ehen geschieden werden, ist es aber mehr als naiv, sich darauf zu verlassen.

Tatsache ist aber auch: Die Gesellschaft erwartet, dass eine Frau für die Familie die Karriere – und somit auch ihr eigenes Geld – in den Hintergrund stellt. Wer sein Kind schon nach einem Jahr in Fremdbetreuung gibt, kann ja nur eine Rabenmutter sein. Und nicht zuletzt erwarten das auch immer noch viele Männer. Karriere, das ist etwas für Kerle! Nur verbitterte Frauen ohne Familie wollen Karriere machen. Leider ist diese Denkweise kein Vorurteil, sondern immer noch weit verbreitet.

Also bleibt die Frau zuhause, der Mann geht weiter seiner Arbeit nach, sammelt fleißig Rentenpunkte und überlässt der Frau Kind und Haushalt. Noch immer haben wir es nicht geschafft, diese Denkweise und dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen und geben Frauen somit oft auch nicht die Chance, zu ihren eigenen Finanzprofis zu werden. Selbst im Marketing von großen Banken oder Finanzberatungen wird überwiegend eine männliche Zielgruppe angesprochen. Der Einstieg wird Frauen nicht einfach gemacht – dennoch liegt es an jedem einzelnen Menschen selbst, ob sie das hinnimmt oder die Ärmel hochkrempelt und was für sich tut.

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Geld ist keine Biologie

Es gibt keinen biologischen Grund für die Annahme, Frauen wären weniger fähig, sich mit Sparplänen, Aktien oder ETFs zu befassen und ihr Geld erfolgreich anzulegen und zu vermehren. Und nicht jede Frau möchte den ganzen Tag Schuhe shoppen und das hart verdiente Geld des Mannes auf den Kopf hauen.

Eine biologische Tatsache ist nur eins: Menschen mit viel Testosteron im Blut sind bedeutend risikoaffiner als Menschen mit weniger Testosteron im Blut. Das führt nicht nur dazu, dass Männer unüberlegter handeln und ein weit höheres Risiko für Verluste haben, sondern auch dazu, dass sie sich mit anderen Männern messen und der erfolgreichste von allen sein wollen. Natürlich nicht nur wenn’s um Geld geht. Aber auch dann.

Männer bedienen Klischees

Erinnern Sie sich noch an die Sparkassen-Werbung aus den 90ern? Zwei Männer treffen sich ganz zufällig im Restaurant. Nach sehr, wirklich sehr kurzem Begrüßungsgeplänkel geht es direkt zur Sache. High Noon am Esstisch: Mein Haus, mein Auto, mein Boot.
Natürlich hat sich der Spot eben genau dieses Klischees bedient: Männer definieren ihren Erfolg über Statussymbole. Frauen kommen in dieser Diskussion nur in einer Rolle vor: Als sexy „Pferdepflegerin“.

25 Jahre später würde dieser Spot ziemlich sicher einen riesen Shitstorm auslösen. Die Klischees sind aber immer noch dieselben – und werden nicht selten auch immer noch bedient. Von den Männern! Frauen findet man in solchen Diskussionen selten bis nie. Und das liegt nicht daran, dass sie kein Haus, kein Auto, kein Boot und keinen sexy Pferdepfleger haben.

Wenn Sie nun also diese Zeilen lesen: Bevor Sie sich darüber aufregen, halten Sie einen Moment inne und stellen Sie sich ehrlich die Frage, ob Sie diesen verbreiteten Sexismen nicht auch recht geben. Und wenn Sie das tun, fragen Sie sich, warum. Fällt Ihnen ein einziges schlüssiges Argument ein, warum eine Frau weniger Eignung für Finanzthemen haben sollte, das nicht von der Gesellschaft produziert ist? „Meine Frau gibt Geld immer nur aus, höhöhö“ und andere 50er Jahre Stammtischparolen zählen übrigens nicht.

Auch Männer profitieren von der finanziellen Emanzipation

Dass eine Frau mit Plan in der Finanzwelt (noch) als Bedrohung gesehen wird, hat auch für Männer keinerlei Vorteile. Oder welcher Mann möchte heute noch in erster Linie Versorger sein, fühlt sich wohl in einer Beziehung, in der die Partnerin finanziell abhängig ist und findet den Gedanken toll, die drohende Altersarmut der Ehefrau auffangen zu müssen? Hoffentlich nicht allzu viele. Denn auch eine Beziehung kann nur dann auf Augenhöhe stattfinden, wenn sich kein Partner in einer Abhängigkeit zum anderen befindet.

All diese Themen könnten sich ganz einfach lösen lassen, indem man Frauen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis mehr finanzielles Wissen zugänglich macht und ihnen vor allem auch zutraut, über ausreichend Expertise zu verfügen.
Es muss im Interesse unserer gesamten Gesellschaft sein, jeder und jedem ausreichend Wissen mitzugeben, um sich selbst finanziell gut aufstellen zu können.

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Fazit: Frauen befassen sich zu wenig mit Finanzen. Die Gründe dafür sind vielfältig – lassen sich aber oft auf internalisierte und uralte Sexismen zurückführen. Um das zu ändern, muss die Gesellschaft – die männliche wie die weibliche – von Klischees abrücken und Frauen dieselben Fähigkeiten wie Männern zusprechen.

Abschließend mein Tipp: Frauen, halten Sie es wie Rock-Ikone Cher, die den Rat ihrer Mutter, einen reichen Mann zu heiraten, wie folgt kommentierte:

Mom, I am a rich man.