Gefährdet das Coronavirus jetzt den Euro?

Das Coronavirus wird irgendwann seinen Zenit überschreiten. Die Staatsschulden aber bleiben uns dauerhaft erhalten. Anleger sollten sich über die Folgen der staatlichen Rettungsprogramme Gedanken machen.

Rund 5.000 Milliarden US-Dollar wollen die G-7-Staaten zusätzlich ausgeben, damit Unternehmen und Bürger die Coronakrise überstehen. Gleichzeitig wird für die betroffenen Staaten 2020 wenig zu holen sein, um diese Ausgaben zu finanzieren: Viele Unternehmen werden keine Gewinne erwirtschaften, die Mehrwertsteuereinnahmen und das Einkommensteueraufkommen werden einbrechen.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

Wenn bereits die Finanzkrise 2008 Auslöser für Staatsschuldenkrise in Griechenland, Portugal und Italien war, was wird dann erst der fiskalische Tsunami 2020 anrichten? Immerhin: Ein Staat ist so gut wie nie zahlungsunfähig, sondern meist zahlungsunwillig. Die Steuerlast der Bürger kann oder soll nicht weiter angehoben werden. Zahlen sollen die Zeche stattdessen die Inhaber von Staatsanleihen.

So wenig intuitiv es auf den ersten Blick scheinen mag, der Euro ist ein Anreiz, die Schulden weiter zu bedienen. Wenn ein schwaches Land aus dem Euro austreten muss, weil es die Schulden nicht mehr bedienen will, kann dies zu einer Knappheit lebenswichtiger Güter führen – ein Szenario, welchem sich keine demokratisch legitimierte Regierung aussetzen will.

Zudem bietet der Euro eine zusätzliche Stabilität, da der Abzug von ausländischem Kapital kein existenzielles Risiko darstellt. Auch die Europäische Zentralbank-Bilanz ist als Auffanglager für anderswo nicht gelittene Staatsanleihen geeignet.

Wo Risiken lauern

Die EU-Bürger könnten im großen Stil Gelder aus dem Euro in andere Währungen transferieren. Das ist aber unwahrscheinlich. Es müsste fast so weit gehen, dass die EU-Bürger etwa den US-Dollar als zweite Währung im täglichen Warenverkehr nutzen, wie dies in Argentinien der Fall ist.

Die Regierungen aus schwachen Euro-Ländern könnten den ihnen zustehenden fiskalischen Spielraum soweit ausreizen, dass die Geldmenge im gesamten Euro-Raum rapide zunimmt. Das ist nicht ausgeschlossen. Allerdings gibt es innerhalb der Europäischen Union gewisse Sanktionsmechanismen (Stimmrechte, Haushalte), die zu einer gewissen Disziplinierung nötigen.

Ein starkes Euro-Land könnte sich entscheiden, aus dem Euro auszutreten. Hier bleibt fast nur Deutschland, wo es derzeit nicht annähernd eine politische Mehrheit gibt, dem Euro den Rücken zu kehren. Diese politische Stimmungslage kann aber drehen und die gilt es besonders im Auge zu haben.

Als Fazit bleibt: Viele Staaten stehen vor enormen zusätzlichen Staatsschulden. Der Euro erscheint kurzfristig jedoch nicht gefährdet. Ein wenig Gold kann dennoch ein sinnvoller Baustein der Vermögensanlage sein, da den staatlich beeinflussten Währungssystemen in der Vergangenheit zu Recht nur bedingt getraut werden konnte.

Über den Autor: Michael Thaler

Michael Thaler ist Vorstand der TOP Vermögen AG in München.

Tipp: Wie Sie konträr zu den einzelnen Staaten mit dem Vermögensaufbau beginnen können, erfahren Sie in unserem Wissensartikel ETFs für Einsteiger: Vermögensaufbau mit ETFs.