George Soros – Der Währungsspekulant

George Soros – Der Währungsspekulant

George Soros, geboren 1930 in Budapest, ist ein US-Amerikanischer Investor, der unter anderem durch eine frühe Offenlegung seiner Investmentideen und kühne Wetten gegen das Pfund bekannt wurde. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann er sein Philosophiestudium an der London School of Economics, ehe er sich dazu entschied 1956 in die USA zu ziehen und 1968 einen Investmentfonds in Curaçao zu übernehmen. Innerhalb von 19 Jahren schaffte es Soros mit seinen Fonds eine durchschnittliche jährliche Performance von etwa 34 Prozent zu erreichen. Sein wohl bekanntester Fonds, der Quantum Fonds, weist dabei in etwa ein Volumen von zwei Milliarden Dollar auf. Schätzungen zufolge ist Soros mit 25 Prozent selbst an dem Fonds beteiligt.

Der Währungsspekulant

Seine Karriere begann Soros als Autor eines philosophischen Buches, welches er allerdings auch nach drei Jahren Bearbeitungszeit nicht veröffentlichen sollte. 1963 heuerte er daraufhin als Wertpapieranalyst bei Arnhold und S. Bleichroeder an. Sechs Jahre später, im Alter von 39 Jahren, entschied er sich diesen Beruf aufzugeben und zusammen mit seinem Arbeitskollegen Jim Rogers einen Hedgefonds unter dem Namen Quantum Fond zu gründen. Aufgrund einer fehlenden Registrierung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde durfte dieser jedoch nicht in den USA vertrieben werden und so waren seine Kunden hauptsächlich Europäer. Mit seinem Fond spekulierte Soros auf internationaler Ebene mit Aktien, Warentermingeschäften, Währungen und Pfandbriefen. Das Kapital wurde dabei größtenteils in Aktien angelegt, die Spekulation auf Waren und Währungen vollzog er dagegen mithilfe von Futures und Krediten. Rogers und Soros ergänzten sich gut, gerade anfangs steuerte Soros die allgemeinen Ideen bei und war für deren Umsetzung zuständig, während Rogers sich auf die Länderwahl konzentrierte. Zu Soros Eigenarten gehörte es, dass er seine Investitionsabsichten publizierte, sodass andere Marktteilnehmer auf seine Ansätze aufmerksam wurden. Dieses Verhalten brachte ihm oft Kritik ein. Positiv ausgedrückt, ist es jedoch einzigartig, dass ein Investor Außenstehende an seinen Ideen teilhaben lässt.

Sein größter Coup

Seinen größten Coup feierte Soros im September 1992. Dabei wettete er zehn Milliarden Dollar – die Hälfte davon fremdfinanziert – gegen das britische Pfund. Dies geschah zu einer Zeit, in der sich Notenbank und Politik gegen eine Abwertung der britischen Währung wehrten. Der Deal gelang, England trat aus dem europäischen Währungssystem aus und Soros verdiente quasi über Nacht eine Milliarde Dollar. Für Soros war das Risiko trotz des hohen Einsatzes überschaubar. Er rechnete mit einem maximalen Verlustrisiko von circa vier Prozent, also 400 Millionen Dollar, ein Risiko, mit dem er, nach eigenen Angaben, ruhig schlafen konnte.

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  • Soros, der Meister des Kredithebels
  • Lukrative Währungspekulationen

Soros, der Meister des Kredithebels

Die herausragende Performance seiner Fonds resultiert nicht zuletzt auf dem Anteil kreditfinanzierter Geschäfte, die zeitweise bis zu 80 Prozent des Fondsvolumens ausmachten und insbesondere europäische Performance-Jäger anzogen. Die damit verbundenen Risiken wurden deutlich, als 1981 die Aktien seines Fonds um 23 Prozent fielen und die Hälfte des Kapitals aus seinem Fonds abgezogen wurde. Das darauffolgende Jahr war mit einer Performance von 57 Prozent jedoch eines der erfolgreichsten und sein Fonds wuchs auf ein Rekordvolumen an.

Die globale Aktivität und spekulative Ausrichtung seines Handelns wird anhand seiner Investitionen in dem Zeitraum vom 18. August 1985 bis zum 7. November 1986 im Folgenden skizziert. Die Wiederwahl Ronald Reagans als Präsident der Vereinigten Staaten löste einen Boom an der Börse sowie beim Dollar aus. Immer mehr Investoren wurden durch die Rally an den Aktienmärkten angezogen und befeuerten die Kurse immer weiter. Dies führte zu einer Blase und die Märkte fingen an zu überhitzen. In diesem Umfeld stieg auch das Volumen von Soros Quantum Fonds auf 647 Millionen Dollar an. Mit zunehmender Dauer dieser Entwicklungen stieg an den Märkten die Befürchtung, dass aufgrund der expandierenden Geldmenge die Zinsen erhöht werden und die Wirtschaft daraufhin eine „harte Landung“ erleben würde.

Soros ging nebens steigenden Zinsen allerdings auch von einem deutlich schwächeren Dollar aus. Getrieben von seinen persönlichen Einschätzungen investierte er in ausländische Währungen, konkret in die Deutsche Mark und in den Yen. Nach drei Wochen, am 6. September 1985, erreichten seine Deutsche-Mark- und Yen-Positionen die Höhe von 800 Millionen Dollar. Der Erfolg seiner Strategie ließ jedoch zunächst auf sich warten, da Deutsche Mark und Yen gegenüber dem Dollar abwerteten.

Mit dem Treffen von fünf Finanzministern aus verschiedenen Ländern und der jeweiligen Zentralbankchefs wurde die Wende eingeläutet. Noch Sonntagnacht, als in Hongkong bereits der Montagmorgen angebrochen war, kaufte Soros weiter Yen ein. Der Kurs stieg über zehn Prozent, was zum Ausgleich der Verluste der letzten vier Jahre führte. Während der Dollar weiter sank, baute Soros die kreditfinanzierten Positionen stetig aus. Die Gefahr, sich einem, bei einer kurzfristigen Umkehr zu hohen Kreditengagement auszusetzen, sah Soros als begrenzt an, da die Volatilität bei sich verfestigten Trends, der mittlerweile vorlag, abnimmt und in der Regel nur am Wendepunkt am größten ist. Diese Ansicht hat Soros auch in seinen Prinzipien niedergeschrieben.

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  • Soros Prinzipien
  • Zyklusorientiertes Handeln
  • Politisches Engagement

Soros Prinzipien

1. Während eines Trends soll die in Trendrichtung bestehende Position stetig ausgebaut werden.
2. Man soll nicht versuchen alles zu wissen – „der Markt ist dumm“ – daher reicht es bei einer bestimmten Sache mehr zu wissen als die anderen Marktteilnehmer.
3. Ein Spekulant muss vor dem Eingehen einer Position abwägen, wie groß sein akzeptiertes Risiko ist.

Für Soros resultiert die Antriebskraft der Aktien aus dem zugrunde liegenden Trend und den vorherrschenden Präferenzen, die wiederum vom Aktienkurs beeinflusst werden. Dieser Einfluss kann verstärkend oder korrigierend wirken, woraus ein Zyklus mit den unten aufgeführten Attributen entsteht.

Zyklusorientiertes Handeln

1. Die Bedeutung spekulativer Transaktionen nimmt mit anhaltendem Trend zu.
2. Die Präferenzen oder Vorlieben folgen dem Trend. Je länger der Trend anhält, desto größer sind die Vorlieben.
3. Ist der Trend einmal festgelegt, so nimmt er seinen Lauf.

Aus diesen „Zyklen-Thesen“ lässt sich ableiten, dass Spekulanten u.a. Wechselkurse beständig destabilisieren, Soros spricht sich daher klar gegen frei bewegliche Wechselkurse aus.

Dabei ist es ihm wichtig herauszustellen, dass aktuelle Faktoren, wie Angebot und Nachfrage, Nachrichten, Impulse und politische Geschehnisse, die Kurse beeinflussen. Das heißt, dass auch wenn in Zukunft der von dem Spekulant prognostizierte Fall eintreten wird, so kann er aufgrund der zwischenzeitlichen Schwankungen ruiniert werden. Er misst dem alten Händler-Axiom „The Trend is your friend“ daher besondere Bedeutung zu. Insbesondere, wenn man wie Soros mit Fremdkapital handelt.

Politisches Engagement

Neben seiner Tätigkeit als Hedgefondsmanager ist Soros auch politisch engagiert. Er versuchte 2004, mit öffentlichen Auftritten und Spenden in Höhe von ca. 23,5 Millionen Dollar an linksgerichtete Gruppen die Wiederwahl von George W. Bush zu verhindern. Durch sein starkes Engagement in der Politik, häufig durch finanzielle Unterstützung, wurde ihm im Jahr 1997 vom Forbes Magazin vorgeworfen, den Machterhalt von Kommunisten zu fördern. Zudem ist er davon überzeugt, dass die Deregulierung des Finanzsystems ein Fehler war, der zur Krise 2007 beigetragen hat. Soros fordert im Hinblick auf die aktuellen Weltgeschehnisse, den europäischen Sparkurs zugunsten der Ukraine aufzugeben. Dabei ist bekannt, dass er selbst ukrainische Staatsanleihen hält. Er wurde mehrmals aufgrund seines Vorgehens von der Börsenaufsichtsbehörde angeklagt und unterschrieb jeweils ein Anerkenntnisurteil.

Soros ist nicht nur ein kalkulierender Investor mit eigenen Methoden. Auch außerhalb des Kapitalmarktes versucht er, seine Idee einer offenen Gesellschaft nach dem Konzept seines Professors Karl Popper u.a. durch Spenden zu ermöglichen. Soros ist auch Gründer mehrerer Stiftungen, die vor allem die Gedankenfreiheit in den östlichen Ländern Europas fördern und schützen sollen.

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Die Inhalte zu diesem Beitrag stammen aus folgenden Quellen:

  • T. B. Jüttner: Einer gegen Alle, Focus-Money, Ausgabe Nr. 38, September 2014
  • John Train: „Die Formel der Erfolgreichsten“, Teil II, 1. Auflage
    2006, Finanzbuch Verlag
  • Richard C. Morais: „Beware of Billionaires Bearing Gifts,“ Forbes Magazine, 7. April 1997, S. 82 – 87.