Halbjahresausblick von Invesco: Aufschwung mit kurzfristigem Inflationsschub

Im neuen Halbjahresausblick fassen die globalen Marktstrategen von Invesco ihre Erwartungen an die Entwicklung von Wirtschaft und Märkten in den kommenden Monaten sowie ihre Implikationen für verschiedene Anlageklassen zusammen. Ihrer Ansicht nach befinden wir uns in der Frühphase des Konjunkturzyklus.

Um die vielen aktuellen Eventualitäten zu erfassen, haben die Invesco-Experten ein Basisszenario formuliert. Man gehe von einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit aus. Zusätzlich wurden zwei weitere, mögliche Szenarien formuliert. „Die Abbildung unserer drei Makroszenarien in einem Makro-Modell kann die taktische Vermögensaufteilung und Analysen aktueller Entwicklungen durch eine historische Perspektive unterstützen“, erklärt Dr. Henning Stein, Global Head of Thought Leadership bei Invesco.

Invesco: Wirtschaftswachstum wird kontinuierlich steigen

Im Basisszenario beschleunigt sich das globale Wachstum mit dem Wiederhochfahren der Wirtschaft in allen Teilen der Welt bis zum Ende des ersten Quartals 2022, dann verliert es an Fahrt, soll aber deutlich über Trend bleiben. Mit dem Anstieg der Ausgaben dürfte auch die Inflation anspringen. Die Invesco-Experten rechnen jedoch nur mit einem kurzfristigen Inflationsschub. Darauf folgt eine Mäßigung auf ein höheres Niveau als vor der Pandemie, aber nicht so hoch, dass die Zentralbanken einschreiten müssten. Längerfristig, so die Experten, werde die Inflation durch die demographische Entwicklung und Innovationen in Schach gehalten.

Ein wesentlicher Faktor für ihre Beurteilung sind die Stimulusmaßnahmen, mit denen Regierungen und Zentralbanken auf die Krise reagiert haben. „Länder rund um die Welt haben große fiskalische Hilfspakete geschnürt, um ihre Wirtschaft durch die Krise zu bringen – ihr Volumen übersteigt alles während der globalen Finanzkrise Gesehene. Die regional unterschiedlich hoch ausfallenden Ausgaben lassen jedoch auch eine unterschiedliche Wachstumsdynamik erwarten“, so Dr. Stein.

Im Zuge der Wachstumserholung und höheren Inflation nach dem Ende der Lockdowns dürften die Anleiherenditen steigen. Durch die Umstellung auf eine flexible Steuerung der Inflation rund um ein durchschnittliches Inflationsziel werde sich die US-Notenbank jedoch vermutlich mit Zinserhöhungen zurückhalten, um den Renditeanstieg zu begrenzen und die Erholungsphase zu verlängern. Dadurch dürfte der US-Dollar kurzfristig unter Druck stehen, wovon Rohstoffe profitieren sollten.

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USA führt Wachstumserholung an

Dank ihrer erfolgreichen Impfkampagne dürften die USA die weltweite Wachstumserholung anführen, während das Wachstum in China etwas an Dynamik verliert. Großbritannien und die Eurozone werden der Erholung in den USA voraussichtlich rasch folgen, die Schwellenländer mit größerer Verzögerung. Angesichts der Art dieser Krise und der Treiber dieses Aufschwungs – hochwirksame Impfstoffe, Nachholbedarf, erhöhte private Ersparnisse in mehreren Ländern, eine sehr akkommodierende Geldpolitik und erhebliche fiskalische Anreize – sollten letztlich alle Länder vom Aufschwung erfasst werden. Einige Industrieländer möchten ihre fiskalischen Stimulusmaßnahmen für eine nachhaltige, inklusivere und stärker am Kreislaufprinzip orientierte Neuausrichtung ihrer Wirtschaft nutzen.

Die Invesco-Experten rechnen mit einem Rückgang der Marktvolatilität in allen Anlageklassen und einer Outperformance zyklischerer Regionen, Branchen und Anlagestile. Die fiskal- und geldpolitischen Stimulusmaßnahmen werden weiter für gute Unterstützung von Risikoanlagen sorgen und damit auch für eine Outperformance von Aktien gegenüber Anleihen. Im Aktienbereich werden Nebenwerte und Value-Titel bevorzugt, da ihr Makro-Modell eine Outperformance der Faktoren „Size“ und „Value“ in Erholungsphasen signalisiert. Aufgrund des weltweiten Aufschwungs, lockerer Finanzierungsbedingungen und eines schwächeren Dollars könnten Schwellenländeraktien besser abschneiden als Industrieländeraktien.

Von Kreditanlagen und Hochzinsanleihen wird eine bessere Performance erwartet als von Staatsanleihen. Die Fundamentaldaten stützen US-amerikanische und europäische Hochzinsanleihen. Die Spreads sind jedoch bereits extrem eng. Das erhöht das Risiko einer möglichen Spreadausweitung. Bank Loans werden durch starke Kreditfundamentaldaten gestützt und könnten dank ihrer variablen Verzinsung von steigenden Zinsen profitieren.

Tail Risks größer als in vergangenen Aufschwungphasen

Nach Ansicht der Invesco-Strategen sind die „Tail Risks“ – die Extremrisiken – aktuell größer und greifbarer als in den meisten vergangenen Aufschwungphasen. Die beiden wesentlichen Risiken, die ihrem Ausblick entgegenstehen könnten, sind einerseits ein erneutes Aufflammen der Pandemie mit Virusmutationen, gegen die die verfügbaren Impfstoffe keinen ausreichenden Schutz bieten, andererseits eine hohe Inflation als Folge geldpolitischer Maßnahmen.

Eine Ausbreitung widerstandsfähigerer Virusmutanten hätte zwar negative Auswirkungen auf das globale Wachstum. Dr. Stein zufolge wären diese aber nicht annähernd so dramatisch wie in der ersten COVID-19-Welle, da die Volkswirtschaften gelernt hätten, mit Lockdowns und anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu leben. „Viele Aktivitäten sind ins Internet verlagert worden. Anstelle eines erneuten Einbruchs der Wirtschaft dürfte es nur zu einer Verlangsamung des Aufschwungs kommen, was vermutlich zusätzliche Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik erforderlich machen würde“, meint er.

In einem Szenario eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs mit einem nachhaltigeren Anstieg der Inflation dürfte die Fed laut den Invesco-Experten zunächst verzögert reagieren. Sollte die Inflation deutlich über die Zielwerte der Zentralbanken hinausschießen, sähen sich die Fed und andere Zentralbanken jedoch gezwungen, die Geldpolitik aggressiver zu straffen, als von den Märkten derzeit erwartet wird. Dies würde das Wachstum bremsen und auch die Kapitalmärkte in Mitleidenschaft ziehen.

 

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